Konstanz Der Preis der Großstadt: Wohin steuert Konstanz beim Thema Wohnen? (2)

Konstanz diskutiert: Sind mehr Wohnungen sinnvoll oder muss das Wachstum gebremst werden? Fest steht nur, dass das Thema die Stadt noch lange begleiten wird. In 12 Thesen analysiert Lokalchef Jörg-Peter Rau die Situation in der Stadt. Hier ist Teil 2 von 3.

Die Zukunftsfrage ist gestellt. Wohin entwickelt sich Konstanz? Macht sich die Stadt auf den Weg in Richtung Großstadt, welche bisherigen Grünflächen ist sie bereit zu opfern? Gibt es eine Chance, aus der sich ständig drehenden Spirale aus starkem Zuzug, Knappheit bei den Wohnungen, Spekulation mit Grundstücken und Verdrängung von Familien und Ärmeren zu entkommen?

Was für die weitere Diskussion der wohl wichtigsten Zukunftsfrage für die Stadt zu erwarten ist, ist hier in den zweiten vier von zwölf Thesen zusammengetragen. Die letzte Folge erscheint am Samstagmorgen auf SÜDKURIER Online.

 

5
Wichtigster Baustein der Entwicklung ist der neue Stadtteil am Hafner

 

Jede dritte neue Wohnung soll im neuen Quartier am Hafner entstehen. Allerdings steht diese Option nicht vor dem Jahr 2025 zur Verfügung, das sagte wenige Tage vor der Sitzung Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn.

Auch dann werden die Straßen, Versorgungsleitungen, Sozialeinrichtungen und mit ihnen die Wohnungen erst Zug um Zug gebaut. Nach allem, was die Experten auch am Dienstagabend den Kommunalpolitikern sagten, ist das reichlich spät. Zumal auch die Areale Döbele (300 Wohnungen) und Siemens (noch etwas mehr) erst nach 2020 bezogen werden.

 

6
Die Stadt muss bei der Flächenpolitik Versäumnisse aus Jahrzehnten nachholen 

 

Dreh- und Angelpunkt sind laut Reiner Braun von Empirica Flächen in der Hand der Stadt. Grundstückspreise, sagt er, sind der wesentliche Faktor für Mieten und Kaufpreise. Da Private zu höchsten Preisen verkaufen wollen, kann preisgünstiger Wohnraum vorwiegend auf Flächen der Stadt entstehen.

Städte wie Ulm entwickeln Bauland deshalb erst dann, wenn alle Flächen in städtischem Besitz sind. In Konstanz muss die Verwaltung dagegen Grundstücke mühsam zusammenkaufen, um sie dann zum Beispiel einem genossenschaftlichen oder öffentlichen Wohnungsunternehmen oder auch einer bauwilligen jungen Familie zu bezahlbaren Preisen anbieten zu können.

Auch die Kosten für diesen Grunderwerb, bei dem die Einnahmen oft erst nach Jahren folgen, werden öffentliches Geld binden. Möglicherweise kommt deshalb auch das Thema Neuverschuldung wieder hoch.

 

7
Die Chancen auf ein freistehendes Einfamilienhaus mit Garten sind auch für Gutverdienende schlecht

 

Das eigene Haus mit Garten ist für viele, die in Konstanz bleiben wollen, der große Traum. Alle Daten zeigen, dass er nur schwer zu erfüllen sein wird. Bei Altbauten ist oft der Abriss und ein größerer Neubau mit Eigentumswohnungen lukrativer.

Im Neubau sieht das Dichtemodell, das das Büro Pesch Partner entwickelt hat und das Teil eines politischen Grundsatzbeschlusses werden dürfte, eine sehr hohe Ausnutzung von Grundstücken vor. Mehr als ein Reihenhaus, eine Einheit in einem Baugruppen-Projekt oder eine große Maisonette-Wohnung wird nur in den seltensten Fällen auf den Markt kommen.

 

8
Das Misstrauen in privatwirtschaftliche Investoren ist in Teilen der Politik ausgesprochen groß

 

Ob das bisherige Handlungsprogramm Wohnen gescheitert ist, weil es die Preissteigerungen nicht gestoppt hat, ist umstritten. Vor allem aus dem politisch linken Lager kommt diese Einschätzung – der Markt sei eher weiter angeheizt worden, und es seien fragwürdige Investoren nach Konstanz gelockt worden.

Die Aussagen reichen von "möglichst große Flächen dem privaten Wohnungsbau entziehen" (Holger Reile, Linke Liste) bis "es wurde viel gebaut, und es wurde vieles teurer" (Stephan Kühnle, Freie Grüne Liste). Auch die Wobak und der Spar- und Bauverein klagen, dass sie bei manchen angebotenen Grundstücken nicht mehr mitbieten können, weil die resultierenden Kosten von bis zu 7500 Euro pro Quadratmeter Neubau-Wohnung auch außerhalb von Top-Lagen nicht vermittelbar seien.

Immer wieder wird in diesem Zusammenhang bedauert, dass nicht die Stadt oder Wobak das Siemens-Areal an der Bücklestraße mit zukünftig mehreren hundert Wohnungen erworben hat, sondern zugunsten eines privaten Investors auf das Vorkaufsrecht verzichtete.

Der dritte und letzte Teil der Analyse erscheint am Samstagmorgen.

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