Konstanz Der Preis der Großstadt: Wohin steuert Konstanz beim Thema Wohnen? (1)

Konstanz diskutiert: Sind mehr Wohnungen sinnvoll oder muss das Wachstum gebremst werden? Fest steht nur, dass das Thema die Stadt noch lange begleiten wird. In 12 Thesen analysiert Lokalchef Jörg-Peter Rau die Situation in der Stadt. Hier ist Teil 1 von 3.

Die Zukunftsfrage ist gestellt. Wohin entwickelt sich Konstanz? Macht sich die Stadt auf den Weg in Richtung Großstadt, welche bisherigen Grünflächen ist sie bereit zu opfern? Gibt es eine Chance, aus der sich ständig drehenden Spirale aus starkem Zuzug, Knappheit bei den Wohnungen, Spekulation mit Grundstücken und Verdrängung von Familien und Ärmeren zu entkommen?

Was für die weitere Diskussion der wohl wichtigsten Zukunftsfrage für die Stadt zu erwarten ist, ist hier in den ersten vier von zwölf Thesen zusammengetragen. Die weiteren Folgen erscheinen in den kommenden Tagen auf SÜDKURIER Online.

 

1
Der Druck auf den Wohnungsmarkt ist vor allem in den nächsten fünf bis zehn Jahren enorm

 

Alle Experten, die für die Stadt Gutachten und Zahlen erhoben und ausgewertet haben, bezeichnen Konstanz als Schwarmstadt. Das heißt: Vor allem junge Leute ziehen aus der Peripherie hierher und wollen städtisches Leben genießen. Oft sind diese zahlungskräftiger als Familien, die Kinder versorgen müssen.

Reiner Braun vom Beratungsunternehmen Empirica spricht von einer Vielzahl an "unfreiwilligen Wegzügen" vor allem in die Umlandgemeinden. Bis 2020 ist der Druck nach seiner Einschätzung am größten. Bis dahin müssen laut Braun rund 550 Wohnungen pro Jahr neu auf den Markt kommen, um die Nachfrage zu decken. Später sind ihm zufolge eher 400 neue Wohnungen pro Jahr nötig.

 

2
Mangel an Wohnraum verschärft den Fachkräftemangel

 

Unternehmer aus Konstanz berichten jetzt schon, dass sie kaum neue Mitarbeiter nach Konstanz holen können, weil diese keinen bezahlbaren Wohnraum finden.

Statistiker Tilman Häusser warnt überdies: In etwa zehn Jahren werden die geburtenstarken Jahrgänge weitgehend aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sein. In ihren Wohnungen bleiben viele von diesen Personen. Für Nachrücker in wichtige Arbeitsplätze in der Wirtschaft wie im öffentlichen Dienst fehlt dann der Wohnraum, und sie werden sich für eine Stelle in einer anderen Stadt entscheiden.

 

3
In etwa 30 Jahren kommen möglicherweise viele neue Wohnungen auf den Markt, was nicht jede Investition nachhaltig macht

 

Bevölkerungsforscher Tilman Häusser geht davon aus, dass mit den geburtenstarken Jahrgängen in 30 bis 40 Jahren zahlreiche Einwohner sterben. Auch wenn es makaber ist – dadurch werden auf lange Frist Wohnungen in erheblichen Größenordnungen frei.

Nicht alles, was zwischen heute und dann neu gebaut wird, wird bei den aktuellen Laufzeiten für Immobilienkredite abbezahlt sein. Dies und ein steigendes Zinsniveau macht eine Prognose sehr schwierig, wie viel Kapital für den Wohnungsbau langfristig bereitsteht.

Im Moment sucht sich das reichlich vorhandene Geld seinen Weg in Immobilien – die hohen Preise werden nach einer erst vor wenigen Tagen vorgestellten Studie der Bausparkasse Schwäbisch Hall in Konstanz derzeit von den niedrigen Zinsen aufgewogen. Zwar erwartet niemand von den Experten eine Immobilienblase in Konstanz. Doch die aktuelle Marktlage weicht vom langjährigen Niveau markant ab.

 

4
Konstanz wird andere Wünsche zurückstellen müssen, wenn das Wohnungsproblem gelöst werden soll

 

In der Diskussion im Technischen und Umweltausschuss betonte zum Beispiel Anselm Venedey (Freie Wähler), dass große Vorhaben der Stadtentwicklung mehr Personal im Rathaus oder externe Dienstleistungen brauchen.

Reiner Braun von Empirica brachte als Mittel gegen eine soziale Entmischung auch ein kommunales Wohngeld, also Miet-Zuschüsse für geringer Verdienende, ins Gespräch. Johannes Hartwich (FDP) und Jürgen Ruff (SPD) forderten, dass das Rathaus genügend Personal brauche, um wenigstens längst beschlossene Projekte wie den Wohnungsbau auf dem Gelände des Tennisclubs umzusetzen.

Politiker betonten auch die Folgekosten des Wachstums – sie treten in Form von einmaligen Investitionen wie Schul- oder Kindgartenbauten auf, aber auch als Dauerkosten wie Gebäudeunterhalt oder Personalkosten für Kitas.

Der zweite Teil der Analyse erscheint am Freitagabend.

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