Die Nachricht sorgte für Bestürzung in der Stadt: Reinhard Mayer, letzter Pächter des legendären und traditionsreichen Café Bohe in der Wessenbergstraße, ist gestorben. Er erlag den Folgen eines schweren Unfalls.

Reinhard Mayer.
Reinhard Mayer. | Bild: Karsten Meyer

Am 14. Juni 2010 schloss das Café Bohe seine Pforten. Fast 150 Jahre nach seiner Geburt. Reinhard Mayer ließ es sich nicht nehmen, mit einer gebührenden und stilvollen Sause sein kulinarisches Wirken in dem Haus zu feiern. Seither arbeitete er bei der Bäckerei Fricke. Einmal Bäcker- und Konditormeister, immer Bäcker- und Konditormeister. „Er war ein feiner Kerl“, erinnert sich Peter Wettering, der Reinhard Mayer als „meinen besten Freund“ bezeichnet.

Das Bohe in der Wessenbergstraße.
Das Bohe in der Wessenbergstraße. | Bild: Scherrer, Aurelia

Das Bohe hatte bis weit über die Grenzen der Stadt einen exzellenten Ruf. Was nicht nur, aber sehr wohl auch und hauptsächlich an den Fertigkeiten von Reinhard Mayer lag. Nach dem Schulabschluss mit vierzehn Jahren absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Bäcker.

Konditor und Koch

Im Anschluss legte er erfolgreich eine weitere Ausbildung zum Konditor und schließlich noch eine zum Koch ab. Marlies Mayer-Olek erinnert sich an ihren Bruder: „Er schwamm sehr gerne im See und im Winter war er so oft wie möglich im Hallenbad“, erzählt sie. „Er fuhr gerne Fahrrad und auch wandern machte ihm Spaß.“

Die Auslage im Bohe war eine einzige Freude – für die Augen und für die Gaumen.
Die Auslage im Bohe war eine einzige Freude – für die Augen und für die Gaumen. | Bild: Karsten Meyer

Nach seinen Ausbildungen ging er wie in diesem Genre üblich auf Wanderschaft. Er arbeitete in der Bäckerei Fischer in Allmannsdorf, auf der Mainau als Koch, in Reutlingen, Stuttgart und in Florida. Dann ging es zurück nach Konstanz, wo er 1984 Pächter des Cafés mit Weinstube Bohe wurde.

Einladend: Im Innenraum des Bohe haben Generationen von Konstanzern schöne Stunden verbracht.
Einladend: Im Innenraum des Bohe haben Generationen von Konstanzern schöne Stunden verbracht. | Bild: Karsten Meyer

Generationen von Fasnachtern schwärmen noch heute von den närrischen Treffen dort, meistens bei Anbruch des Morgens, wenn die Backstube ihren Betrieb aufnahm. Dann holte Reinhard Mayer die eine oder andere Flasche Wein hervor und gewährte den nimmermüden Narren das letzte Viertele vor dem Gang ins heimische Bett.

Arbeit mit historischen Maschinen und Geräten

Doch das Bohe war mehr als nur ein Treff für Einheimische. Hier in der Wessenbergstraße wurde mit historischen Maschinen und Geräten sowie mit seit Jahrhunderten bewährten Praktiken gearbeitet. Die Baumkuchenmaschine, die sein Vorvorgänger Wilhelm Bohe 1930 vermutlich in Bonn erworben habe. Sie funktionierte auch 80 Jahre später noch einwandfrei.

Das legendäre Konstanzer Café Bohe, hier die seinerzeitige Mitarbeiterin Gisela Bussmann, schloss im Jahr 2010 seine Pforten.
Das legendäre Konstanzer Café Bohe, hier die seinerzeitige Mitarbeiterin Gisela Bussmann, schloss im Jahr 2010 seine Pforten. | Bild: Scherrer, Aurelia

Mit ihr produzierte Reinhard Mayer seine bekannten Baumkuchen, die in der Szene bundesweit anerkannt und beliebt waren. Zur Weihnachtszeit grüßte im Schaufenster stets ein 60 Zentimeter großer Weihnachtsmann die Passanten, produziert aus bester Schweizer Schokolade – darauf legte der Konditormeister wert.

Die Weitergabe des Wissens

Unter Reinhard Mayers Führung sind laut seiner Aussage sieben Konditormeister, 26 Gesellen und nicht 1424 ausgebildete Praktikanten hervorgegangen sind. Auch das lag ihm stets am Herzen: Die Weitergabe seines Wissens an die nächsten Generationen.