Der Konstanzer Alexander Hizli reist in den späten 90er Jahren als Tennisprofi von einem zum nächsten kleinen Turnier um den Globus. Seine beste Platzierung weist ihn im Sommer 1997 als Nummer 670 der Weltrangliste aus.

Nur ein Jahr später sorgt eine Verletzung dafür, dass aus dem mittelmäßig erfolgreichen Spieler ein auf der ganzen Tour bekannter Trainer wird, auf Du und Du mit den Weltbesten der Szene. Hier spricht er über seine Begegnungen mit Roger Federer und Anna Kournikowa sowie seinen nervenaufreibenden Auftritt auf dem Centrecourt bei den US Open.

Trainer von Frau Federer

Roger Federers Frau Mirka auf der Tribüne bei den Australian Open 2019.
Roger Federers Frau Mirka auf der Tribüne bei den Australian Open 2019. | Bild: David Crosling

Hizli ist in der Saison 1998 für den damaligen Zweitligisten TC Konstanz im Einsatz, als er in der Partie gegen Hannover auf sein Handgelenk fällt und sich verletzt. Zunächst macht der damals 21-Jährige das, was viele Topsportler machen: Er ist unvernünftig, lässt sich fitspritzen und spielt einfach weiter, als sei nichts gewesen.

„Vier Wochen habe ich das durchgezogen. Dann war die Entzündung so gravierend, dass ich monatelang pausieren musste.“
Alexander Hizli

Doch plötzlich stand der Zufall in Person von Miroslava Vavrinec, die alle nur Mirka nennen, vor der Tür, ein 20-jähriges Talent aus Bottighofen bei Kreuzlingen. „Wir kannten uns vom Training. Sie wusste, dass ich verletzt bin und hat mich gefragt, ob ich sie als Trainer zum Turnier nach Tel Aviv begleite“, sagt Hizli, der sich zunächst ziert und lange überreden lassen muss.

Schließlich sagt er doch zu – und aus dem spontanen Aushilfseinsatz wird eine vierjährige Erfolgsgeschichte.

Zur Arbeit des Tennistrainers gehört auch das Bespannen der Schläger.
Zur Arbeit des Tennistrainers gehört auch das Bespannen der Schläger. | Bild: Oliver Hanser

In kurzer Zeit klettert die junge Schweizerin unter der Anleitung ihres Konstanzer Coaches von Platz 300 der Weltrangliste auf Position 76. Das Duo fliegt um den gesamten Globus, ist bei allen vier Grand-Slam-Turnieren im Einsatz und begegnet den weltbesten Tennisfrauen jener Zeit.

„Gleich beim ersten Turnier in Tel Aviv habe ich zwei Spielerinnen gesehen, von denen ich nach fünf Minuten wusste: Die gewinnen mal ein Grand Slam. Das waren Kim Clijsters und Justine Henin.“
Alexander Hizli

Die Teenager von einst werden später tatsächlich beide jeweils die Nummer eins der Welt.

Einer der Höhepunkte ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2000 in Sydney – allerdings mehr für Vavrinec, die bei dem Turnier Roger Federer kennenlernt, den sie neun Jahre später heiratet. So ist sie noch immer bei allen Top-Turnieren mit dabei, nun eben in der Loge ihres Mannes, statt selbst auf dem Court zu stehen. 2001 endet die sportliche Zusammenarbeit von Vavrinec und Hizli nach den Australian Open.

Roger und Alex, zwei alte Bekannte

Roger Federer (hier bei den Australian Open 2019).
Roger Federer (hier bei den Australian Open 2019). | Bild: AARON FAVILA

Der Schweizer Roger Federer ist im Tennis der Mann der Superlative. 310 Wochen lang war der heute 37-Jährige die Nummer eins der Welt, 20 Mal gewann er einen Grand Slam, ein Turnier der wichtigsten Kategorie – und in den ersten Tagen seiner Karriere kreuzen sich auch seine Wege mit dem vier Jahre älteren Alexander Hizli.

„Das erste Mal habe ich ihn gesehen, als ich selber noch gespielt hatte und er ein Youngster mit einer Wild Card war. Wenn mich damals jemand gefragt hätte, ob er einmal gut wird, hätte ich sagen müssen: Ich weiß es nicht.“
Alexander Hizli

Auf der Tour begegnen sie sich fortan immer wieder, zuletzt bei einem kleineren Turnier in der französischen Schweiz oder in der Nähe von Zürich, wo Hizli mit seiner Tennisschule einige Talente betreut. Man kennt und grüßt sich freundlich.

„Er weiß, wer ich bin und dass ich früher einmal seine Frau Mirka trainiert habe. Wir kennen uns nicht sehr gut, aber ich mag ihn als Typ.“
Alexander Hizli

Die häufigsten Fragen, die man ihm über Federer stelle, seien: Ist er arrogant? Und hat er sich verändert? „Arrogant habe ich ihn nie erlebt“, entgegnet der in Titisee-Neustadt aufgewachsene Konstanzer dann und ergänzt lachend: „Aber natürlich hat er sich verändert. Gott sei Dank. Als er 14 war, musste man sich ducken, weil er mit den Schlägern nur so um sich geworfen hat.“

Im Rampenlicht mit Martina Hingis

Das Arthur Ashe Stadium in Flushing Meadows im August 2005.
Das Arthur Ashe Stadium in Flushing Meadows im August 2005. | Bild: epa Lane

Als Alexander Hizlis Schützling Mirka Vavrinec bei den US Open in New York antritt, es muss im Sommer 2000 oder 2001 sein, da wird der Trainer als „Volltourist“, wie er selbst sagt, ins Rampenlicht gedrängt.

„Ich wollte mir eigentlich nur mit meiner Akkreditierung einmal das große Arthur-Ashe-Stadion anschauen“, sagt Hizli. „Den Platz hatte Martina Hingis für eine halbe Stunde zum Einspielen gebucht, als sich die Ränge für ein anstehendes Herrenmatch füllten“, fährt er fort.

Während sich die frühere Nummer 1 der Weltrangliste auf das Training vorbereitet, kommt plötzlich deren Mutter Melanie auf Hizli zu.

„Sie sagte: Alex, ihr Trainingspartner ist nicht da. Ein paar Augenblicke später stand ich mit Cap und Sonnenbrille auf dem Platz und musste ihr die Bälle zuspielen. Ich war so nervös.“
Alexander Hizli

Unter Druck klappen selbst die einfachsten Schläge, „die ich hier im Training mit dem Telefon am Ohr machen kann“, so Hizli, nicht mehr.

Ein Kaffee mit Kournikowa

Anna Kournikowa (hier beim Turnier in Wimbledon im Juni 1999).
Anna Kournikowa (hier beim Turnier in Wimbledon im Juni 1999). | Bild: Toby_Melville

In den 90er-Jahren ist die Russin Anna Kournikowa einer der großen Namen auf der internationalen Tennisbühne. Einen wichtigen Titel gewinnt die Nummer 8 der Welt nicht, die hübsche Blondine wird vielmehr auf den Titelseiten diverser mehr oder weniger seriöser Magazinen zum Star.

Alexander Hizli lernt die heutige Frau des Sängers Enrique Iglesias über seinen Freund Andrei Merinov kennen. Der Landsmann Kournikowas spielt eine Zeitlang für den TC Konstanz und trainiert später das Glamourgirl.

„Ich war auf dem Weg zu einem Turnier und hatte gerade auf dem Züricher Flughafen eingecheckt, da lief mir Anna über den Weg. Wir haben ein bisschen geredet und einen Kaffee getrunken.“
Alexander Hizli

Einige Tage später fahnden investigative Schweizer Journalisten nach dem Konstanzer. „Die Zeitung Blick hatte Fotos von uns veröffentlicht. Darüber stand in dicken Buchstaben: Wer ist der Mann an ihrer Seite? Oder so ähnlich“, sagt Hizli und lacht.

So schafft es der Konstanzer dank eines heißen Getränks aus dem Hintergrund in die erste Reihe.