Konstanz Der Konstanzer im Schottenrock: Das ist Whisky-Experte Christian Rosenberg

Christian Rosenberg ist einer von Europas Whisky-Experten. Nur wenige wissen so viel über das Destillat wie der gebürtige Konstanzer. Von Tägerwilen aus dreht er ein ziemlich großes Rad.

Für viele andere wäre es vielleicht ein originelles Fasnachtshäs, für Christian Rosenberg ist es die Arbeitskleidung. Wenn er seinen Kilt anzieht, den Schottenrock im blau-gelb-braunen Tartan-Muster, und wenn er das Glas erhebt, wird es für ihn richtig ernst. Rosenberg, gebürtiger Konstanzer, macht in Whisky. Der Mann, der von seinem Büro in Tägerwilen aus ein kleines Imperium rund um Zeitschriften, Messen, Veranstaltungen mit mehr als einem Dutzend Mitarbeitern dirigiert, hat nah am Wasser gebaut. Am Wasser des Lebens, am uisgebeatha, wie die Spirituose im schottischen Gälisch heißt.

Für Rosenberg, 55, schafft der Whisky nicht nur Lebensunter-, sondern auch Lebensinhalt. Er, der einst das Gastronomiegewerbe als Lehrling im Inselhotel lernte, landete 1989 nach internationalen Stationen in der Spirituosenindustrie. Schnell erkannten seine Vorgesetzten, wie gut der junge Mann vom Bodensee mit Menschen kann. Denn Whisky, das kann Rosenberg so gut erklären wie wenige andere, ist eben mehr als ein Destillat aus Getreidemaische. Wer für 30, 50 oder 200 Euro eine Flasche Schnaps verkaufen will, muss eine Geschichte dazu erzählen und den Zuhörern das Gefühl geben, dass sie mit diesem edlen Tropfen ein Stück mehr zu einem Teil von etwas Besonderem werden.

Dass ihm das auf dem hart umkämpften und vielen kurzlebigen Modetrends unterworfenen Spirituosenmarkt nachhaltig gelingt, zeigen zwei Zahlen. Seit 20 Jahren gibt Christian Rosenberg mit seinem Verlag namens Medienbotschafter die Zeitschrift "Whisky-Botschafter" für den deutschen Markt und seit zehn Jahren den Schweizer Ableger "Whisky Time" sowie weitere Publikationen rund um das Getränk heraus. Außerdem verlegt er "Drinks", das Lifestyle- und Fachmagazin für Barmänner, Cocktail- und Longdrink-Fans und Gastronomen. Die erste Whisky-Messe, die er in Deutschland überhaupt veranstaltete, hat längst viele Nachahmer gefunden. Rosenberg stört es nicht: "Ich freue mich über jeden, der sich für Whisky einsetzt."

Wie wichtig ihm seine eigene Botschafterrolle ist, zeigt die Aufnahme in einen edlen Zirkel mit dem Namen Keepers of the Quaich. Die Bewahrer des schottischen Trinkgefäßes treffen sich regelmäßig. Destillerie-Chefs und -Inhaber, Großhändler, Experten treffen sich dort, der Whisky hat Rosenberg auch den Weg zu Prinz Charles und vielen anderen Promis geebnet. Rosenberg selbst ist bodenständig geblieben. "Wer auf Schickimicki macht, ist kein echter Freund des Whisky", sagt er.

Und wie geht es weiter? Laufen Gin oder Rum dem Whisky den Rang ab? Nein, sagt Marktexperte Rosenberg. Was unter Druck kommt, sind billige Schnäpse. Nicht nur als Verleger, sondern auch bei Veranstaltungen wie dem Branchenwettbewerb Drinks Open, den er regelmäßig an den Bodensee holt, spürt er den Trends nach. Um den Whisky macht er sich keine Sorgen. Die Nachfrage ist hoch, und der Markt kann nicht unbegrenzt liefern. Vor allem aber nicht schnell: Drei Jahre Reifung im Holzfass ist bei Whisky das Minimum. Schon deshalb, sagt Rosenberg, "ist mir um den Whisky in keiner Weise bange."

Sie feierten jüngst zusammen mit vielen Gästen glanzvoll im Inselhotel: Graham Boyes von Moët-Hennessy Deutschland und seine Ehefrau Michaele mit Gastgeber Christian H. Rosenberg (links). Seine beiden Magazine Whisky Time und Whisky-Botschafter hatten neulich erst Geburtstag. Bild: Christian Hartz/Genuss-Fotografie
Sie feierten jüngst zusammen mit vielen Gästen glanzvoll im Inselhotel: Graham Boyes von Moët-Hennessy Deutschland und seine Ehefrau Michaele mit Gastgeber Christian H. Rosenberg (rechts). | Bild: Christian Hartz

Zur Person

Christian H. Rosenberg, 55, stammt aus Konstanz und kehrte nach einer internationalen Karriere in der Hotellerie und Spirituosenindustrie 2002 an den Bodensee zurück. Seit 20 Jahren gibt er den auch in gut sortierten Kiosks erhältlichen "Whisky-Botschafter" heraus, das einzige deutschsprachige Fachmagazin dieser Art. Rosenberg gehört zu den wenigen Nichtschotten, die einen eigenen Tartan haben, also ein Karomuster für den Kilt. Die Farben blau, gelb und braun stehen für die Inhaltsstoffe Wasser, Gerste, Torf. Gute Whiskys, sagt er, gibt es aber auch anderswo, etwa in Irland, Japan, der Schweiz oder Deutschland. (rau)

Ihre Meinung ist uns wichtig
Adventskalender - weil Vorfreude die schönste Freude ist
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren