Heinrich Preiß schnappt sich eine Tageszeitung und zeigt auf das große Titelbild, auf dem mehrere Bundespolitiker zu sehen sind, wie sie wild gestikulierend Seite an Seite an einem Tisch stehen. „Das geht gar nicht“, sagt er dann: „Diese Helden verzichten auf den Mundschutz. Dabei sollten sie Vorbild sein.“

Heinrich Preiß mit selbst gebasteltem Mundschutz vor seiner Praxis.
Heinrich Preiß mit selbst gebasteltem Mundschutz vor seiner Praxis. | Bild: Schuler, Andreas

Heinrich Preiß ist seit vielen Jahren Tierarzt, während seines Studiums schon beschäftigte er sich intensiv mit Virologie und mit den von Viren ausgehenden Gefahren. In Virologie musste er Prüfungen ablegen.

Eine Serviette, zwei Baumwollfäden, ein Tacker – mehr benötigt man nicht zur Herstellung eines Mundschutzes.
Eine Serviette, zwei Baumwollfäden, ein Tacker – mehr benötigt man nicht zur Herstellung eines Mundschutzes. | Bild: Schuler, Andreas
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Grundsätzlich ist er zu hundert Prozent davon überzeugt, „dass jeder Mundschutz ohne Frage besser ist als gar kein Mundschutz„. Jetzt, da es keine oder kaum noch Exemplare zu kaufen gibt, rät er den Menschen zur Handarbeit. „Das kostet nicht die Welt, ist schnell hergestellt und eine perfekte Option, um sich und andere zu schützen.“

Schritt eins: Die Serviette wie einen Fächer falten.
Schritt eins: Die Serviette wie einen Fächer falten. | Bild: Schuler, Andreas
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Er selbst behandelt in seiner Praxis nur noch mit dieser umfunktionierten Serviette vor Mund und Nase. Grund ist die aktuelle Coronovirus-Pandemie. Dieser Virus verursacht Covid-19, eine akute, zum Teil schwer verlaufende Atemwegserkrankung. „Von daher ist es absolut wichtig, sich etwas übers Näschen zu ziehen“, sagt Heinrich Preiß. Es existieren unterschiedliche Wege, wie sich der Virus von Mensch zu Mensch übertragen kann.

Die Enden umknicken und rund drei Zentimeter vom Rand zusammen tackern.
Die Enden umknicken und rund drei Zentimeter vom Rand zusammen tackern. | Bild: Schuler, Andreas
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Bei der Tröpfcheninfektion gelangen Krankheitserreger, die im Rachenraum oder im Atmungstrakt siedeln, beim Niesen, Husten, Sprechen durch winzige Speichel-Tröpfchen an die Luft und werden anschließend von einem anderen Menschen eingeatmet oder direkt über die Schleimhäute der oberen Luftwege aufgenommen.

Die Baumwollfaden nun durch die entstandene Öse ziehen – am besten mithilfe eines Kugelschreibers. Die Enden der Fäden zusammenbinden, sie gehen dann ums Ohr und halten den Mundschutz über Nase und Mund fest.
Die Baumwollfaden nun durch die entstandene Öse ziehen – am besten mithilfe eines Kugelschreibers. Die Enden der Fäden zusammenbinden, sie gehen dann ums Ohr und halten den Mundschutz über Nase und Mund fest. | Bild: Schuler, Andreas
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Bei der Kontaktinfektion oder Schmierinfektion werden Erreger über eine Kette von Berührungen weiter gereicht. Wenn ein Patient in die Hand niest, haften die Viren an der Handfläche. Gibt der Erkrankte nun einem anderen Menschen die Hand, können die Viren weiter wandern. Falls dieser Mensch danach seine Hand zum Mund, zur Nase oder den Augen führt, kann er sich über die Schleimhäute mit dem Erreger anstecken.

Nun den Fächern vorsichtig entfalten – und fertig ist der Mundschutz.
Nun den Fächern vorsichtig entfalten – und fertig ist der Mundschutz. | Bild: Schuler, Andreas
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Auch an Gegenständen können Erreger haften. Werden Türgriffe oder Armaturen gemeinsam genutzt, können auch hier die Keime über die Hände weiter gegeben und anschließend unbemerkt zum Mund geführt werden. Gründliches Händewaschen ist ein wirksamer und einfacher Schutz, um einer Infektion vorzubeugen.

Seife zerstört die Schutzhülle des Virus

„Der Coronavirus hat eine Fetthülle, eine so genannte Lipidhülle“, erklärt Heinrich Preiß, „und die wird durch die Seife zerstört. Dadurch ‚stirbt‘ das Virus.“ Wichtig sei deshalb regelmäßiges Händewaschen, das Tragen eines Mundschutzes sowie von Schutzhandschuhen. „Zuhause mit der Familie oder bei Spaziergängen ist das nicht notwendig“, erklärt der Tierarzt weiter. „Aber bei Kontakt mit anderen Mitmenschen schon.“

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Im Internet kommen immer wieder Gerüchte auf, dass Hunde oder Katzen Menschen mit dem Virus infiziert hätten. „Das ist Blödsinn“, sagt Heinrich Preiß dazu. „Viele Katzen haben zwar wie Hühner, Puten oder Schweine auch Corona-Viren in sich, doch sie übertragen diese nicht auf den Menschen und es handelt sich auch nicht um den Virus, über den im Moment alle sprechen.“

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Untereinander übertragen Katzen den Virus lediglich in besonderen Situationen, wenn sie mit vielen Artgenossen zusammenkommen, beispielsweise in der Zucht oder auf Ausstellungen. „Unsere normalen Hauskatzen sind normalerweise nicht gefährdet, denn sie sind Einzelgänger.“ Haustiere können außerdem geimpft werden. „Von daher ist es so wichtig, dass auch wir Menschen so schnell wie möglich einen wirksamen Impfstoff erhalten.“