500 Gäste, zwei gefeierte Redner, ein starkes Signal für die Zukunft Europas und ein rundum gelungener Festakt: Konstanz ist die in die Festwoche zum Höhepunkt des Konziljubiläums gestartet. Die Verleihung des Konstanzer Konzilspreises für Europäische Begegnungen und Dialog an Prälat Peter Klasvogt wurde zu einem Abend vieler Bekenntnisse zur europäischen Idee und zu einer Bühne für Jugendliche aus den Partnerstädten Konstanz, Fontainebleau, Lodi, Richmond und Tabor. Sie stellten konkrete Ideen vor, wie Städtepartnerschaften neu belebt werden könnten. Auch in den Vorträgen von Peter Klasvogt und dem diesjährigen Preispaten, Kardinal Reinhard Marx, wurde deutlich: Dreh- und Angelpunkt sind die Begegnungen von Menschen und das gemeinsame Engagement für soziale Fragen.

Viele Gäste der Preisverleihung sprachen am Sonntag nach den knapp zwei Stunden am historisch so passenden Schauplatz Konzilsgebäude von einem Abend, wie man ihn in Konstanz nur selten erlebt. Auch OB Uli Burchardt und das Team der Konzilstadt um Ruth Bader waren begeistert, dass von der Feier so viel Zutrauen in die Jugend und ein Auftrag auch an nachfolgende Generationen ausging. Nicht nur die rund 100 jungen Leute aus den fünf Partnerstädten, die sich beim Europakonzil engagiert hatten, trugen dazu bei. Auch die Initiativen des Preisträgers zielen vor allem darauf ab, junge Menschen zu Botschaftern Europas zu machen. Unter dem Namen "Socio movens" bringen sie zum Beispiel in Ostmitteleuropa Projektgruppen von Schülern zusammen, die in tätiger Arbeit mit Benachteiligten wie Straßenkindern, Sinti und Roma, Behinderten und Altern ein Stück Solidarität lernen.

Sie haben viele gute Ideen, wie Menschen gemeinsam Europa voranbringen können: Vorne die Europakonzil-Teilnehmer Lukas Röder und Selina Eschenweck (Konstanz), Emily Webb (Richmond), Estelle Meyer (Fontainebleau), Johanna Bayón (Konstanz), Felicity Challinor (Richmond), Matthieu Décobert (Fontainebleau) und Lisa Schommer (KN) und hinten Vertreter der fünf Städte: Uli Burchardt mit Evelyne Wenzel (Fontainebleau), Claudio Brigliano (Lodi), Eliška Zdenková und Lubomír Šrámek (Tabor) und Alan Mockford (Richmond).
Sie haben viele gute Ideen, wie Menschen gemeinsam Europa voranbringen können: Vorne die Europakonzil-Teilnehmer Lukas Röder und Selina Eschenweck (Konstanz), Emily Webb (Richmond), Estelle Meyer (Fontainebleau), Johanna Bayón (Konstanz), Felicity Challinor (Richmond), Matthieu Décobert (Fontainebleau) und Lisa Schommer (KN) und hinten Vertreter der fünf Städte: Uli Burchardt mit Evelyne Wenzel (Fontainebleau), Claudio Brigliano (Lodi), Eliška Zdenková und Lubomír Šrámek (Tabor) und Alan Mockford (Richmond). | Bild: Oliver Hanser

Burchardt sagte, mit der Auswahl des Preisträgers durch den Vorsitzenden der Deutschen wie der Europäischen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx, mit dem Profil von Preisträger Prälat Peter Klasvogt und mit dem Europakonzil habe sich erneut gezeigt, dass das Konziljubiläum für nichts mehr stehe als für Begegnung, Dialog und Impuls. Damit werde auch der Auftrag von Reinhard Marx eingelöst: "Es ist wieder einmal an der Zeit, über Europa zu sprechen; es ist wieder einmal an der Zeit, sich für Europa zu engagieren." Und an dem sichtlich von dem Abend beeindruckten Preisträger Peter Klasvogt lag es, den Appell ganz konkret zu machen: "Was Europa braucht, ist ein Aufbruch der Jugend."

2017: Der zweite Träger des Konstanzer Konzilspreises ist der Theologe Peter Klasvogt. Die Laudatio auf ihn hält Reinhard Kardinal Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.
2017: Der zweite Träger des Konstanzer Konzilspreises ist der Theologe Peter Klasvogt. Die Laudatio auf ihn hält Reinhard Kardinal Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. | Bild: Oliver Hanser

Welche Botschaften vom Konzilspreis 2017 ausgehen

Zum zweiten Mal wurde der „Konstanzer Konzilspreis. Preis für Europäische Begegnungen und Dialog“ verliehen. Einige Aussagen von der Verleihung am Sonntagabend: 

  • DieEuropakonzil-Teilnehmer: 100 junge Leute aus fünf Partnerstädten haben konkrete Projekte vorgestellt, mit denen sie die Partnerschaft voranbringen sollen. Unter anderem regen sie zum Abbau von Vorurteilen Austauschprogramme auch mit und für Flüchtlinge an, eine gemeinsame Internetseite der fünf Städte und einen Festivalpass, der in allen fünf Städten gilt. Leitmotiv ist der starke Wunsch nach persönlicher Begegnung, die Menschen aus allen sozialen Schichten und nicht nur Erasmus-Studenten ermöglicht werden soll.
  • Preisträger Peter Klasvogt: Stolz und Demut empfinde er angesichts der Auszeichnung. Sie gelte den über 200 angehenden Priestern aus früheren Ostblock-Ländern, die mit der Soziallehre der Kirche vertraut gemacht wurden – und den mehr als 400 Jugendlichen in diesen Ländern, die sich in Sozialprojekten engagierten. Es sei bezeichnend, dass Europa genau dann an Selbstzweifeln leide, wenn es von Bedrängten als Zuflucht aufgesucht werde. Die Antwort könne nur tätiges Handeln heißen: "Auch wenn Jammern verbindet – die Zukunft können wir so nicht gestalten." Europa brauche erstens die Besinnung auf gemeinsame Werte, zweitens die Schaffung von echter Gemeinschaft und drittens tätigen Einsatz gegen Ungerechtigkeit.
  • Preispate Kardinal Reinhard Marx: In einer komplett frei gehaltenen Rede sagte er, dass die Erzählung von Europa stets und von jeder Generation aufs Neue formuliert werden müsse. Nach den Hoffnungen von 1989 hätten die 1990er Jahre mit ihrem "globalisierten Kapitalismus" viel Zuversicht zerstört. Europa funktioniere nur mit Solidarität, Zuhören und ohne Überheblichkeit gerade der westeuropäischen Länder. Die Kirchen bei der Versöhnungsarbeit helfen. Dass Konstanz ein Ort für das "neue Nachdenken über Wirtschaft und Gesellschaft" ist, sei kein Zufall. Das Konzil vor 600 Jahren sei "ein Beispiel dafür, dass es gelingen kann, aus einer schwierigen Situation nach vorne zu gehen, wenn man ein gemeinsames Ziel hat." (rau)
Zwei der Mitglieder im Kuratorium, das sich ehrenamtlich für den Konstanzer Konzilspreis engagiert: Der emeritierte Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch (links) und Bettina Gräfin Bernadotte.
Zwei der Mitglieder im Kuratorium, das sich ehrenamtlich für den Konstanzer Konzilspreis engagiert: Der emeritierte Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch (links) und Bettina Gräfin Bernadotte. | Bild: Oliver Hanser