Die Party kann so schön sein – und lang wird sie gelegentlich auch an einem lauen Sommerabend im Konstanzer Herosé-Park. Hier feiern viele gern: Familien mit Kindern an den Nachmittagen, Studenten, Schüler, junge Leute an den Abenden, mit Grillgut oder ohne, bereit, sich jederzeit beim Sprung ins Wasser abzukühlen.

Was den Feierfreudigen Spaß macht, geht den Anwohnern gehörig auf die Nerven. Zu laut ist es, Müll und Unrat hinterlassen die Feiernden und stören somit die Ruhe der Menschen, die am Seerheinufer wohnen. Es war ein Konflikt von Anfang an.

Seit April sind nun Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) auch im Herosé-Park unterwegs, um der Sommerparty Grenzen zu setzen und für gegenseitige Rücksichtnahme zu sorgen.

CDU-Fraktion macht sich zum Anwalt der Anwohner

Die CDU-Fraktion des Gemeinderats hat sich in einem offenen Brief an die Stadt gewandt und fordert mit Nachdruck, dass die Stadt den Konflikt zwischen Feiernden und Anwohnern durch weitere Maßnahmen entschärfen möge. Zwar habe das Grillen zwischen den Häusern auch durch den Einsatz des Kommunalen Ordnungsdienstes abgenommen.

"Aber die ständigen unhygienischen und menschlich abstoßenden Verhaltensweisen müssen geahndet werden", schreiben die Fraktionsleiter Roger Tscheulin und Wolfgang Müller-Fehrenbach. "Anwohner schildern eindrücklich, dass nächtliche Besucher Urin und sogar Kot auf den Flächen, besonders in Beeten hinterlassen."

Forderung nach zweiter Toilettenanlage

Die CDU macht konkrete Vorschläge. Die Situation sei nur zu bewältigen, wenn man an einer zweiten Stelle sanitäre Anlagen zur Verfügung stelle. Unweit der Fahrradbrücke hat man bereits einen Toilettenwagen installiert, die CDU-Fraktion fordert nun einen zweiten im Bereich des Kompetenzzentrums Seerhein. Auch müsse man noch enger mit den Gastronomiebetrieben kooperieren: Wer am Seerhein Getränke verkaufe, müsse auch Toiletten zur Verfügung stellen. Die CDU-Fraktion werde sich des Themas weiter annehmen.

Nils Wagner, Benedikt Voit, Lucas Zierlein, Nico Fischer und Johannes Eube genießen gerne einen Abend feiernd am Seerhein. Übertreiben wollen sie es aber nicht, Konflikte mit Anwohnern gab es noch nie. Bilder: Claudia Wagner
Nils Wagner, Benedikt Voit, Lucas Zierlein, Nico Fischer und Johannes Eube genießen gerne einen Abend feiernd am Seerhein. Übertreiben wollen sie es aber nicht, Konflikte mit Anwohnern gab es noch nie. | Bild: Wagner, Claudia

Stadtverwaltung signalisiert Aufgeschlossenheit

Die Stadtverwaltung zeigt sich weiteren sanitären Anlagen gegenüber durchaus aufgeschlossen, sofern der Standort aus städtebaulicher Sicht geeignet und Anwohnerbelange nicht beeinträchtigt würden, schreibt Pressesprecher Ulrich Hilser. Das Dezernat III werde sich die Prüfung des Anliegens der CDU-Fraktion annehmen.

Erste Bilanz des KOD ist positiv

Sehr zufrieden ist die Stadtverwaltung mit der ersten Bilanz des KOD. Die Zahl der Anwohnerbeschwerden sei trotz des warmen Sommers geringer geworden. Der KOD werde durch seine Präsenz im öffentlichen Raum wahrgenommen und wirke präventiv.

Ernst Zwanziger, Michael Waldert und Markus Zackl sind fast jeden Abend hier unterwegs, um nach der Situation im Park zu sehen und, wo nötig, einzugreifen. Alle drei sind Mitarbeiter des KOD und vor allem in den Abendstunden präsent. Über erste Erfolge ihres Auftretens freuen sie sich. So hätten sie es geschafft, das private Grillen, das fast überall auf der Wiese stattfand, zurückzudrängen. "Anfang der Saison hat man noch überall die Rauchsäulen gesehen", berichtet Ernst Zwanziger, "inzwischen sieht man nur eine Rauchsäule am Grillplatz – und dort darf sie sein."

Seit Samstag hat der Kiosk an der Fahrradbrücke geöffnet. Feierliche Eröffnung ist am 8. Juni. Einer der vier Froobie-Gründer Leonard Thielmann und seine Mitarbeiterin Isabel Bauer. Bild aufgenommen am 5.6.2018 von Marc-Julien Heinsch.
Froobie-Kiosk an der Fahrradbrücke: Drei Monate lang bietet der Foodtruck regionale Produkte an. Limonade, Eistee, Smoothies, Bio-Chips und das froobie-Eis des studentischen Start-Ups aus Markelfingen. Kein Bier, kein Gin-Tonic. Preislich zwischen 1,50 und 2,50 Euro. Alles mit Pfand, um keinen Müll zu verursachen.

Beim Lärm ist's mit der Einsicht nicht immer weit her – je nach Alkoholpegel

Nicht ganz so gut läuft es beim Thema Lärm. Die wichtigste Zeit ihres Einsatzes liege daher nach 22 Uhr, bestätigen alle drei Männer. "Eine schwierige Phase ist der Zeitpunkt, wenn die Kneipen schließen und viele Leute auf dem Heimweg hier vorbei kommen, den ein oder anderen Bekannten treffen und sich unterhalten. Das geht eben nicht leise vonstatten", sagt Markus Zackl.

Ein weiteres Problem sind die Trinkspiele. Ob Beer-Pong oder Flunky Ball, die Spiele haben in Konstanz die Herosé-Partygäste des Sommers bei Laune gehalten. Die Spiele sorgten aber zum einen für einen ordentlichen Lärmpegel, jedes Mal, wenn eine Flasche getroffen werde, sagt Ernst Zwanziger. Zum anderen nimmt die Vernunftorientierung mit steigendem Alkoholpegel der Spieler ab. Die wenigsten seien einer Diskussion über Rücksichtnahme in dem Zustand noch zugänglich, berichten die KOD-Mitarbeiter.

Wenn die Einsicht fehlt, gibt's eine Anzeige

Auch die Frage, wie laut Musik noch sein darf, wenn es dunkel ist, darüber gehen die Ansichten von Feiernden und Ordnungshütern in der Regel auseinander. Bei ihrer Runde weisen die KOD-Mitarbeiter die Party-Kleingruppen höflich darauf hin, die Musik auszumachen. Wenn sie Einsicht zeigen, ist der Fall erledigt. Sind wiederholte Ermahnungen nötig, so kann der Ordnungsdienst mit einer Anzeige drohen und diese umsetzen. Das hilft.

Feiern gern – aber bitte friedlich

Nils Wagner und seine Kommilitonen halten sich gern am Seerheinufer auf, auch wenn das Wetter nicht ideal ist. Schlechte Erfahrungen haben sie noch nie gemacht: "Bis jetzt gab es nie Stress. Es ist megacool hier". Wer friedlich und angemessen feiert, ist weiterhin gerne willkommen am Herosé. Auch dafür wollen die KOD-Mitarbeiter sorgen.