Das Wetter meinte es gut mit Douglas Wolfsperger. Mit Sonnenstrahlen startete der Sonntag in der "schönsten Stadt der Welt", als die Oberbürgermeister Uli Burchardt Konstanz im Film "Scala Adieu – Von Windeln verweht" bezeichnet.

Mit prasselndem Regen und teils heftigen Windböen empfing der Abend die Besucher der offiziellen Deutschland-Premiere im Stadttheater. Es ist der Film über die Schließung des Scala-Filmpalasts 2016, dem Programmkino in Wolfspergers Heimatstadt. Unter Begleitung eines Bürgerprotests wurde es vom damals fünften Konstanzer dm-Drogeriemarkt abgelöst.

Das könnte Sie auch interessieren

Das Wetter schlägt um wie die Stimmung im Film

Der Wetterumschwung am Premierentag passte zum Stimmungswechsel in der sehr persönlichen Dokumentation des Konstanzer Regisseurs, die zugespitzt werde kann auf die Formel: Die Marktstätte, einst Heimat von ehrbarer Filmkultur, wird zum düsteren Ort von Kommerz und Einkaufstourismus.

Ansehen wollten sich die erste Aufführung der Dokumentation nicht nur mehrere der damals gegen die Schließung Protestierenden oder Freunde des Programmkinos an der Marktstätte. Auch zahlreiche Konstanzer Stadträte jeder politischen Färbung von Rot über Grün bis nach Schwarz besuchten die ausverkaufte Vorführung im Theatersaal.

CDU-Stadtrat stellt sich der Kritik des Premierenpublikums

Bild: Brumm, Benjamin

Darunter auch Marcus Nabholz (CDU), der im Film als Befürworter der Kinoschließung auftritt und in der späteren Diskussion dem ihm gegenüber kritischen Publikum sagte: "Ich stehe zu meiner Meinung, akzpetiere aber, wenn Sie das anders sehen."

Die damalige Entscheidung sei unumgänglich gewesen, da der Käufer des Gebäudes einen rechtlich sauberen Bauantrag gestellt habe. Dass der CDU-Mann quasi einen Satz später selbst zur Kapitalismuskritik ausholt und große Handelsketten als verantwortlich für die Verödung der Vielfalt im Einzelhandel bezeichnet, wirkte kurios.

Der Widerpart im Film, Oberbürgermeister Uli Burchardt, bleibt der Premiere fern

Regisseur Wolfsperger und CDU-Stadtrat Marcus Nabholz (von rechts) blicken auf Peter Müller-Neff (FGL, im Vordergrund).
Regisseur Wolfsperger und CDU-Stadtrat Marcus Nabholz (von rechts) blicken auf Peter Müller-Neff (FGL, im Vordergrund). | Bild: Brumm, Benjamin

Einer jedoch wurde bei der Premiere von "Scala Adieu" nicht gesehen und hatte bereits angekündigt, den Film nicht ansehen zu wollen: der Hauptdarsteller. Nach 75 Minuten muss man sagen: der Bösewicht, zumindest aber Widerpart zum im Film auftretenden Regisseur.

Einer Einladung Douglas Wolfspergers folgte Oberbürgermeister Uli Burchardt, der einen beträchtlichen Anteil der Redezeit einnimmt, nicht. Was er verpasste? Lacher aus dem Publikum, als Wolfsperger ihn Däumchen drehend abbildet und als "vielbeschäftigten Mann" bezeichnet; Buhrufe und leise Pfiffe, als er "Demut und Dankbarkeit" statt Missmut und Protest gegenüber der Drogeriekette fordert, die nach seinem Dafürhalten ein "sehr anständiges deutsches Unternehmen" sei.

Regisseur Douglas Wolfsperger: "An Konstanz gehen seit dem Aus des Scala wichtige Filme vorbei"

Bild: Brumm, Benjamin

Zum Schluss des Films sagt Wolfsperger: Ein Ort der Träume sei zu einem Ort des Kaufens geworden. Zum Publikum der Premierenvorführung gewandt ergänzte er während seiner Danksagung: "An Konstanz gehen seit dem Aus des Scala wichtige Filme vorbei". Er hoffe, mit seiner Dokumentation auch an anderen Orten Aufmerksamkeit zu erhalten. "Kinosterben ist derzeit in ganz Deutschland eine bedenkliche Entwicklung", erklärte Wolfsperger.

Weitere Aufführungen in Konstanz und Kreuzlingen

  • Montag, 18.3., 20 Uhr Stadttheater Konstanz (Infos und Tickets)
  • Dienstag, 19.3., 20 Uhr Kult-X-Kino, Kreuzlingen (CH)
  • Donnerstag, 21.3., 20 Uhr, Kult-X-Kino, Kreuzlingen (CH)
  • Sonntag, 24.3., 17 Uhr, Kult-X-Kino, Kreuzlingen (CH)
  • Montag, 25.3., 19 Uhr, Konzil Konstanz
  • Dienstag, 26.3., 19:30, K9, Konstanz
  • Sonntag, 31.3., 18 Uhr, Konzil Konstanz
  • Samstag, 6.4., 19 und 22 Uhr, Konzil Konstanz