Von Vorfreude hat Douglas Wolfsperger in seiner Heimatstadt zuletzt nicht immer etwas gespürt. Seit zwei Jahren arbeitet er in Konstanz an einem Film, der den Namen der Stadt weit aus der Region hinaus tragen wird. Aber was er oft erlebt, beschreibt er so: "Alle hoffen, dass sich das verwächst – aber den Gefallen tue ich ihnen nicht."

"Das" – das ist die Sache mit dem Scala-Kino an der Marktstätte, das Ende des Jahres 2016 schließen und Platz für einen Drogeriemarkt machen musste. Und "ihnen", damit mit der Regisseur jene, denen der Vorgang noch immer ein schlechtes Gewissen mache. Die insgeheim spüren, dass ein Stück Kultur aus der Stadt verschwunden ist. Die bis heute merken, dass sich mit der Scala-Debatte etwas geändert hat in Konstanz.

Erlebt in Konstanz Hilfe und Anfeindungen: Douglas Wolfsperger ist in der Stadt aufgewachsen und hat hier auch seinen allerersten Film gedreht.
Erlebt in Konstanz Hilfe und Anfeindungen: Douglas Wolfsperger ist in der Stadt aufgewachsen und hat hier auch seinen allerersten Film gedreht. | Bild: Wolfsperger Filmproduktion / Joachim Gern

"So gerät das Scala nicht Vergessenheit, der Film wird auch in 30 Jahren noch gezeigt"

Was Douglas Wolfsperger also macht, scheint irgendwie etwas lästig. Ihm selbst aber macht das Projekt so große Freude wie an dem Tag, als er beschloss, dem Kino, in dem er selbst als Zuschauer seine ersten Filmerlebnisse hatte und in dem später seine eigenen Filme immer wieder gezeigt wurden, den cineastisches Denkmal zu setzen.

Durch seine Arbeit, ist Wolfsperger überzeugt, "gerät das Scala nicht in Vergessenheit, denn der Film wird auch in 30 Jahren noch gezeigt." So sagt es der Regisseur, und in seinen Worten liegt mehr Trauer als Trotz. Auch, weil die Geschichte des Scala eben nicht nur für sich steht. Sondern weil, wie Wolfsperger erklärt, das Kino-Sterben in den deutschen Innenstädten weitergeht.

In wichtigen Rollen: Uli Burchardt, Eva Mattes, Christoph Nix

Im Herbst, sagt der Regisseur, ist der rund 80 Minuten lange Film erstmals zu sehen. Bei Festivals, die solche Werke dann zeigen, wenn sie noch ganz frisch sind. Orte und Termine will Wolfsperger noch nicht nennen, die Verhandlungen laufen noch.

Und weil der Neuheits-Effekt verpufft ist, wenn ein Film in den regulären Kinos anläuft, ist der Bundesstart für Mitte Januar geplant. Dann kann jeder die "Tatort"-Schauspielerin Eva Mattes, Theater-Regisseur Christoph Nix, Scala-Unterstützer, Oberbürgermeister Uli Burchardt und weitere bekannte Konstanzer Gesichter in voller Leinwandgröße sehen.

Das ist fast zwei Jahre her: Dreharbeiten für den Dokumentarfilm über das Ende des Kinos Scala auf der Marktstätte. Hier sind Schauspielerin Eva Mattes, Regisseur Douglas Wolfsperger und Kameramann Frank Amann (von links) in Aktion.
Das ist fast zwei Jahre her: Dreharbeiten für den Dokumentarfilm über das Ende des Kinos Scala auf der Marktstätte. Hier sind Schauspielerin Eva Mattes, Regisseur Douglas Wolfsperger und Kameramann Frank Amann (von links) in Aktion. | Bild: Jörg-Peter Rau

Und immer wieder gäbe es neue Protagonisten

Als wären sie bestellt, sitzen während des Gesprächs mit Douglas Wolfsperger zwei Damen am Nebentisch des Cafés. "Als ich nach Konstanz kam", sagt die eine, "war es hier noch richtig nett, jetzt ist nur noch Ramsch." Ihre Begleiterin nickt, beide machen den Eindruck, als seien sie auf preiswerte Einkaufsmöglichkeiten nicht so dringend angewiesen.

Wolfsperger hört aufmerksam zu, er scheint fast ein wenig traurig, dass die Dreharbeiten abgeschlossen sind und der die beiden nicht noch mit in den Film aufnehmen kann. Der Titel übrigens steht schon fest. "Scala Adieu – Von Windeln verweht", eine Anspielung auf den großen Kino-Klassiker "Vom Winde verweht".

In Lago wird der Film wohl kaum gezeigt werden

Und wo wird dieser Film dann in Konstanz laufen? Zwischen den Betreibern des Cinestar im Lago und Wolfsperger ist das Tischtuch zerschnitten, spätestens seit dem Drehverbot im alten Scala. Das Zebra hat nur 99 Plätze und müsste den Film, der in Konstanz doch auf größeres Interesse stoßen wird, wohl viele Tage hintereinander zeigen und damit das sonstige Programm blockieren.

Wolfsperger, der für sein Projekt sehr wohl auch engagierte Unterstützer in der Stadt hat, hofft auf Hilfe. Ein Saal zur Zwischennutzung, in den provisorisch etwas Kino-Technik eingebaut würde, wäre prima, sagt er. Denn wenn schon die Uraufführung nicht in Konstanz stattfindet, zur Premiere würde er doch gerne einladen.

Das ist fast zwei Jahre her: Dreharbeiten für den Dokumentarfilm über das Ende des Kinos Scala auf der Marktstätte. Hier sind Schauspielerin Eva Mattes, Regisseur Douglas Wolfsperger und Kameramann Frank Amann (von links) in Aktion.
Das ist fast zwei Jahre her: Dreharbeiten für den Dokumentarfilm über das Ende des Kinos Scala auf der Marktstätte. Hier sind Schauspielerin Eva Mattes, Regisseur Douglas Wolfsperger und Kameramann Frank Amann (von links) in Aktion. | Bild: Jörg-Peter Rau

Mit Schulden ins Finale – rund 25.000 Euro fehlen noch

Denn neben der Überraschung, "wie viele Menschen sich auch nur einem Gespräch verweigert haben", bleibt ihm auch große Dankbarkeit. Eine Privatperson hat es mit einem Darlehen über 25.000 Euro möglich gemacht, dass der Film bis auf den Abspann fertiggestellt werden konnte. Dort können sich noch Sponsoren verewigen lassen, sagt der Regisseur, er mit seinem Team hat verschiedene Pakete für eine Unterstützung ausgearbeitet.

Denn seine Schulden muss er schon bald zurückzahlen. Trotz der Förderung durch die Stadt Konstanz mit mehr als 16.000 Euro*, den Lotteriefonds des Kantons Thurgau, die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg, die Stadt Kreuzlingen und durch weitere Gönner sind noch mehr als 25.000 Euro offen.

*An dieser Stelle war zunächst von rund 26.000 Euro die Rede. Wir haben die Zahl nach einem entsprechenden Hinweis korrigiert.

So unterstützen Sie den Scala-Fim

  • Aufführungsort: Douglas Wolfsperger will "Scala Adieu – Von Windeln verweht" gerne über mehrere Abende einem größeren Konstanzer Publikum zeigen. Wer einen leerstehenden Saal hat oder Kontakte vermitteln kann, unterstützt das Projekt in besonderem Maße. Wer helfen will, wendet sich am besten per E-Mail an info@douglas-wolfsperger.de.
  • Spenden: Auch eine klassische Spende ist möglich, sie geht an Douglas Wolfsperger, Commerzbank Berlin, IBAN DE09 1004 0000 0125 5355 02, wichtig ist der Verwendungszweck "Scala Filmprojekt". Wer fürs Finanzamt eine Bescheinigung braucht, den bittet der Regisseur vom vorherige Kontaktaufnahme.
  • Sponsoring: Für eine Nennung im Abspann und weitere Gegenleistungen können vor allem Unternehmen den Film sponsern. Wer daran Interesse hat, den bittet Wolfsperger, sich per E-Mail bei ihm zu melden.
  • Crowdfunding: Geld in einer Internet-Gemeinde zu sammeln, ist die Idee des Crowdfundings. Dazu hat Wolfsperger auf der Plattform Startnext eine Kampagne gestartet, auf der das Filmprojekt mit Beträgen ab fünf Euro unterstützt werden kann. Für größere Zuwendungen gibt es auch eine Gegenleistung, zum Beispiel eine DVD mit einem Wolfsperger-Film bis hin zu einer Privatvorführung des Scala-Films mit dem Regisseur.
  • Sachspenden: Schon bei den Dreharbeiten wurde Wolfsperger von vielen Konstanzern ganz praktisch unterstützt, bis hin zur Verpflegung für das Team. Diese Form der Beteiligung will er weiter anbieten, zum Beispiel hinsichtlich der geplanten Vorführungen in Konstanz (siehe ganz oben). Auch hier bittet der Regisseur um eine Kontaktaufnahme per E-Mail.


Alles über das Filmprojekt:
http://www.douglas-wolfsperger.com
Die Spendenkampagne auf Startnext:
http://www.startnext.com/scala-adieu-film