Die Niederburg bleibt sich treu und zeigt, wie man ganz im Sinne der Verstorbenen Fasnacht feiern und einen Fasnachtsauftakt in ihrem Gedenken zelebrieren kann. Der erste Abend ohne den allseits geschätzten Menschen und Fasnacht-Alleskönner Alfred Heizmann fiel den Akteuren nicht leicht. Manch Texthänger war diesen besonderen, emotionalen Umständen geschuldet und wurde von den Zuschauern mit verständnisvoll-motivierendem Applaus bedacht. Die Niederbürgler verstanden es, zu gedenken und an die geschätzten Persönlichkeiten würdig zu erinnern: Sie widmeten die Textkischtle-Nummer ihren verstorbenen Vorbildern – ohne Pathos, mit viel Herz und leisem Humor.

"Ein harter Schlag"

Der Fasnachtsauftakt könne nicht so selbstverständlich über die Bühne gehen, stellte Niederburg-Präsident Mario Böhler eingangs fest, schließlich ist Alfred Heizmann im Oktober plötzlich gestorben. "Es war ein harter Schlag in die Grundfesten unserer Burg", so Böhler, der betonte: "Alfred hätte nicht gewollt, dass die Niederburg Trübsal bläst. Je dunkler die Stunde, umso lauter muss das Ho Narro erschallen."

Die Akteure nahmen das Vermächtnis ihrer Vorgänger an und gestalteten einen facettenreichen Abend launigen Humors, mit allem, was dazugehört: charmanten Ballett-Einlagen, Sketchen, Büttenreden und Gesangsdarbietungen. Mit dem sich durch original konstanzerische Sprachlyrik auszeichnenden Lied von "Sellere Schelle" begeisterten Christiana Gondorf, Norbert Heizmann und Dominik Werner; die Nummer hat das Potenzial zum Ohrwurm und zum Fasnachts-Hit. Über die veränderungsscheuen Konstanzer und die Streiche der lokalen Bürgervertreter – von Rheinrad über Bodenseeforum bis Z-Brücke – spöttelten Max und Moritz (Christian Eismann und Achim Schien) gekonnt, während Janis Zimmermann als bemitleidenswerter Schüler erfolgreich seine Bühnenpremiere feierte.

Ganz in seinem Element war Norbert Heizmann als Zöllner, der mit den Risiken und Nebenwirkungen des unendlichen Ausfuhrschein-Abstempelns zu kämpfen hat.

Die Textkischtle-Nummer

Das fulminante Fasnachts-Kaleidoskop gipfelte in der Textkischtle-Nummer, welche Alfred Heizmann und Peter Maier früher mit Inbrunst zum Besten gaben. In ihrem Andenken sangen Anja Uhlemann und Claudia Zähringer begleitet von Kurt Rohr, die von Niederburg-Ehrenpräsident Heinz Maser verfassten Zeilen in Erinnerung an Alfred Heizmann, Peter Maier, Sigrun Mattes, Karle Maurer und die vielen anderen, die jetzt im Himmel sind. Mit leiser Wehmut und einem Augenzwinkern schilderten sie, was sich jetzt hoch droben abspielen könnte, wenn Alfred Heizmann auf einer Wolke sitzend Harfe übt. Der Refrain überdies sprach vielen aus dem Herzen: "Wenn i dei Bild so vor mir seh, wird's mir's ums Niederbürglerherz so wind und weh." Vom heimlichen Tränenabwischen über sinnierendes Lauschen bis zum Kichern reichten die Reaktionen der Zuschauer, die letztlich in dankbarem Applaus und Zugabe-Bitten gipfelten.

Burgherr Burchart

Die Niederbürgler richteten ihren Blick nicht nur zurück, sondern auch in die Zukunft, in dem sie OB Uli Burchardt zum Burgherrn kürten. Er sei prädestiniert für diese Würdigung, schließlich stehe er dem Gemeinderat vor, dessen Sitzungen sich zuweilen zu bunten Abenden entwickelten, kommentierte Mario Böhler: "Egal ob Pappelfällung oder C-Konzept – an närrischen Ideen mangelt es ihm nicht." Auch der Name verpflichte, befand Laudator Andreas Hipp, der sich neben der Vita auch mit der Wortherkunft befasste: "Burgherr – Burchherr – Burchardt."

Furios und gepfeffert war Uli Burchardts Antrittsrede, schließlich handle es sich um ein Ereignis mit großer Tragweite, dass er in den sonnendurchfluteten Olymp der Burgherren aufsteigen dürfe. Gleichwohl setzte er sich kritisch mit der neuen Funktion auseinander, die sein Leben nun maßgeblich verändern werde. Zwar werde mit seiner Ernennung das Durchschnittsalter der Burgherren-Elite halbiert, doch seien auch für ihn die Zeiten des Nachtlebens vorbei und drifteten in den Graubereich. Zum Schluss wandte er sich an Mario Böhler und den 13er-Rat: "Ich gratuliere euch herzlich zu der richtigen und weisen Entscheidung, mich heute in den Burgherrenstand zu erheben." Ernst hingegen war Uli Burchardts Bekenntnis: "Alfred Heizmann, der mit Liebe gespottet hat, war für mich ein Vorbild."

 

 

Die Akteure

Mario Böhler, Karl-Heinz-Nack, Claudia Zähringer, Yasin Amin, Klepperlegarde, Bubi Kreuz, Christiana Gondorf, Dominik Werner, Norbert Heizmann, Janis Zimmermann, Roswitha Baumgärtner, Christian Eismann, Achim Schien, Anja Uhlemann, Kurt Rohr, Jürgen Greis, Simon Schafheitle, Andreas Hipp, Burgherrenchor, Jürgen Waidele, Fanfarenzug Niederburg, Musikverein Wollmatingen und das Ballett mit Adeline Tan, Alena Mauth, Bettina Schönle, Carmela Melone, Claudia Breyer, Elena Breitlich, Marina Schroff, Vanessa Ott.

Die Narrenspiele der Narrengesellschaft Niederburg und der Kamelia-Paradies finden am 19., 20., 23., 25., 26. und 27. Januar jeweils um 20 Uhr im Unteren Konzilsaal statt. Kartenvorverkauf über E-Mail: narrenspiel@online.de (as)