Hinter einer unscheinbaren Tür in der Nähe des Petershauser Bahnhofs verbirgt sich ein Trainingsraum. Doch nicht Hanteln und Laufbänder, sondern Maus und Tastatur bringen die Trainierenden hier ins Schwitzen. Denn hier, in den Räumen des E-Sports-Verein Mighty Pixels, findet das Geschehen vor den Bildschirmen und nicht etwa auf dem Rasenplatz oder der Sporthalle statt. Aber ohne Bewegung vor dem Computer oder der Spielekonsole sitzen – kann das überhaupt Sport sein? Ja, sagt der Vereinsvorsitzende Salvatore Gallace.

Salvatore Gallace, Vorsitzender des E-Sports-Vereins Mighty Pixels.
Salvatore Gallace, Vorsitzender des E-Sports-Vereins Mighty Pixels. | Bild: Halter, Maximilian

Gallaces Freude ist beinahe greifbar. Wenig verwunderlich, denn erst vor Kurzem hat das Clubhaus der Mighty Pixels erstmalig die Türen im Jugendzentrum in Petershausen geöffnet. Gleichzeitig ist es auch das Trainingsgelände für den Verein. Sechs Hochleistungscomputer mit bequemen Stühlen, Kopfhörern und anderem Zubehör stehen in dem kleinen Raum mit Dachschräge bereit.

Ausrüstung im Gegenwert von 10.000 Euro haben die Mighty Pixels in ihrem Clubhaus.
Ausrüstung im Gegenwert von 10.000 Euro haben die Mighty Pixels in ihrem Clubhaus. | Bild: Halter, Maximilian

In der anderen Ecke stehen zwei Fernseher mit Spielekonsolen. Was auf den ersten Blick etwas beengend wirkt, ist vollkommen ausreichend, um vernünftig zu trainieren. Denn für den E-Sports findet das Hauptgeschehen auf kleinstem Raum statt – auf dem Bildschirm vor der Tastatur.

Workshops auch für Eltern

Hier sollen sich künftig lokale Mannschaften bilden, um gemeinsam zu trainieren – und im besten Fall später an Turnieren teilnehmen. Dabei habe man Jugendliche und Studierende im Fokus, erklärt Gallace. Das Motto: „E-Sports aus Konstanz„, so der Vorsitzende.

Auch die Jugendförderung soll ein Element sein, wie zum Beispiel bei Fußballvereinen auch. Dafür habe man auch einen Sportwissenschaftler an Bord, der mit den Vereinsmitgliedern zusammenarbeiten soll. „Wir haben aber auch weitere Events geplant“, verspricht Gallace. So soll es auch Workshops für Eltern geben, um ihnen einen Einblick in die Welt des E-Sports zu geben oder wie man einen Computer zusammenbaut.

Ein Mitglied der Mighty Pixels ist in dem Spiel „Rocket League“, eine Art Fußball mit Autos, vertieft. Bild: Maximilian Halter
Ein Mitglied der Mighty Pixels ist in dem Spiel „Rocket League“, eine Art Fußball mit Autos, vertieft. Bild: Maximilian Halter | Bild: Halter, Maximilian

Zocken als Sportverein?

Die Mighty Pixels wollen mit ihrem Angebot dem eines Sportvereins gleichen. Doch kann das Zocken so ganz ohne große Bewegung überhaupt ein Sport sein? Mit dieser Frage musste sich der 35-jährige Gallace schon öfters auseinandersetzen. „Das ist ein gesellschaftlicher Diskurs, aus dem wir uns raushalten“, erklärt er. Dafür, dass das Spielen an Computern und Konsolen als Sport anerkannt werde, darum kümmere sich der eSport-Bund Deutschland (ESBD). Auch auf der politischen Ebene.

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E-Sports ist längst angekommen

Gallace ist der Meinung, dass der E-Sport auch ohne die allgemeine Anerkennung als Sport schon längst Fuß gefasst hat. „Es fließt mittlerweile so viel Geld in den E-Sport, der Bedarf ist da und wird noch weiter wachsen“, ist sich der 35-Jährige sicher. Dabei verweist er auch auf die Preisgelder. So hat zum Beispiel der 16 Jahre alte Amerikaner Kyle Giersdorf bei der erst kürzlich ausgespielten Fortnite-Weltmeisterschaft in New York für den Sieg ein Preisgeld in Höhe von 2,7 Millionen Euro bekommen.

Salvatore Gallace (links), Vorsitzender des E-Sports-Vereins Mighty Pixel, im Spiel mit Tom Reunis, Sportpsychologe des Vereins. Beide sitzen im Vereinshaus im Petershauser Jugendzentrum. Bild: Maximilian Halter
Salvatore Gallace (links), Vorsitzender des E-Sports-Vereins Mighty Pixel, im Spiel mit Tom Reunis, Sportpsychologe des Vereins. Beide sitzen im Vereinshaus im Petershauser Jugendzentrum. Bild: Maximilian Halter | Bild: Halter, Maximilian

Argumente für eine Anerkennung bringt Tom Reunis vor. Der hochgewachsene und sportliche 27-Jährige gehört sicherlich nicht zu den Klischeebildern, die mancherorts von Computerspielern vorherrschen. Trotzdem ist das Zocken eine Leidenschaft des Studenten der Sportwissenschaft. „Mit sieben habe ich angefangen, auf einem Nintendo zu spielen“, erinnert sich Reunis an die Anfänge.

Für Reunis kann Zocken Sport sein

Die Leidenschaft für Computer- und Konsolenspiele ist seitdem ungebrochen. Mittlerweile ist sie auch in seine wissenschaftliche Arbeit eingeflossen. In seiner Masterarbeit beschäftigt sich Reunis mit dem Thema E-Sports. Für ihn ist klar: „Es gibt auch wissenschaftliche Gründe, warum der E-Sport ein Sport ist.“ Als Beispiel gibt der 27-Jährige Schach an, das ebenfalls den Status als Sport genießt. „Sport ist nicht nur physisch. Vielmehr geht es um Leistung, um das Trainieren und darum, sich zu verbessern.“ All dies treffe auch auf den E-Sport zu, lautet Reunis Meinung.