Meine Tochter ist jetzt in der zweiten Hälfte ihres ersten Lebensjahres angekommen. Worüber ich kürzlich noch gegrinst habe, mache ich jetzt also selbst: Altersangaben in Mathematik-Textaufgaben verbergen. Gerade jetzt während meines zweiten Elternzeitmonats erlebe ich die täglichen Veränderungen hautnah.

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Weil sich unser Erwachsenengehirn auf das ständige Wechselspiel erst einmal einstellen muss, es also ratlos ist bis überfordert wird, macht ein junger Vater was? Er beobachtet seine Geschlechtsgenossen, fragt sie – beiläufig, er will ja nicht doof dastehen –, wie sie ihre Rolle interpretieren. Folgende Papa-Spezies fallen auf.

Der Besorgte

Wie mache ich das bloß? Und noch wichtiger: Mache ich das alles richtig? Um solche Fragen dreht sich die Welt dieser Spezies Papa. Er will irgendwie alles miterleben: Kinderarzt-Besuche, Baby-Kurse, Kita-Eingewöhnung, Füttern, Spielen, Singen, Wickeln – na ja, hören wir an dieser Stelle auf.

Bei so viel Erwartung an sich selbst, das sonstige Leben soll ja schließlich auch nicht beendet werden, scheitert er irgendwann krachend an Überforderung – oder schläft zumindest im Stehen ein.

Bild: Brumm, Benjamin

Der Souveräne

Diese Unterart hat bereits ein bis drei weitere Kinder. Sie ist daher ein gern gesehener Gast, jedenfalls zeitweise. Denn einerseits legen diese Papas kraft Erfahrung ein schier endloses Maß an Gelassenheit an den Tag. Jede Geste, jedes Wort strahlt aus: „Mir kann keiner mehr etwas erzählen, ich weiß Bescheid.“

Die erste Reaktion des unbeholfenen Erstlings-Papas: Wow, dieser Mann wird mein Lexikon. Mit der Zeit kann darauf diese Reaktion folgen: Meine Güte, du warst doch auch einmal in meiner Situation. Du hast nicht gewusst, welche Träne gerade für Bauchweh und welche für den ersten Zahn steht. Sei gnädig mit mir und erkläre mir nicht die Welt, die ich gerade erst erfahre.

Der Abwesende

Ich spreche hier gerne auch vom bedauernswerten Typus. Nicht jeder kann sich ein Jahr oder mehr Auszeit vom Job nehmen und sich der Bindung und Erziehung eines Kindes widmen – selbst, wenn er es wollte. Selbstständigkeit, Arbeitsplatz in der Schweiz, finanzielle Nöte, Gründe gibt es für Männer wie für Frauen genug.

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Aber hier soll es um das negative Extrem gehen, die offen Desinteressierten. Jene Herren, die heimlich den Feierabend immer weiter hinauszögern, weil zuhause die zweite Schicht wartet: ein schreiendes Kind, das jetzt gerne noch Zeit mit seinem Papa verbringen will.

Wenn ich in beruflichen Gesprächen zuletzt meine wenig spektakulären vier Monate Elternzeit erwähnte, lautete meine liebste Reaktion, vorgebracht mit größter Begeisterung: „Genießen Sie das unbedingt. Ich habe zur Geburt meiner Kindes auch erst einmal zehn Tage freigenommen, diese Zeit gibt einem sonst ja niemand zurück.“

Ich habe zu zählen aufgehört, wie oft ich Sätze wie diesen hörte. Beendet wird das Gespräch gerne mit: „Also dann, erst einmal einen schönen Urlaub – und viel Spaß im Latte-Macchiato-Leben.“ Darüber kann man lächeln oder gähnen, oder dem bedauernswerten Gegenüber einfach mitleidig auf die Schulter klopfen.