Konstanz Der Aufklärer mit dem Schwarzbuch

Jürgen Grässlin weiß, wer in Deutschland Bombengeschäfte macht. Der Rüstungsgegner stellt Auszüge aus seinem neuen Buch zum Waffenhandel vor

Es ist ein dickes Ding, das Jürgen Grässlin da vorlegt: Auf 624 Seiten deckt der prominente Rüstungsgegner in seinem „Schwarzbuch Waffenhandel“ auf, wer in Deutschland am Krieg verdient und wie ein Netzwerk aus Politik, Banken und Industrie den Export von Waffen befördert. Am Bombengeschäft hätten bisher noch alle Bundesregierungen mitgewirkt, auch die Rot-Grüne, sagt Grässlin. In seinen früheren Büchern stellte der hauptberufliche Lehrer die Opfer von Waffensystemen in den Mittelpunkt, in diesem sind es die Täter, also die Manger von Rüstungsfirmen und Politiker. Ein Kapitel ist Claus Günther gewidmet, dem Manager bei der Diehl Defence Holding mit Sitz in Überlingen. Die Diehl Gruppe, unter anderem mit dem Schwarzwälder Tochterunternehmen Junghans Microtec (Hersteller von Zündern) bezeichnet Grässlin nach Heckler und Koch aus Oberndorf als das „zweittödlichste Unternehmen in Deutschland.“ Grässlin verweist auch auf die unbekannten Seiten von Mercedes Benz, mit der Sparte für Militärfahrzeuge. Grässlin füttert das Publikum mit detaillierten Daten zu Rüstungsunternehmen und zeigt, in welche Hände die Waffen ganz legal geraten. Viele landeten etwa in Saudi Arabien, wo Menschenrechte wenig zählen. Manchmal werde nicht die Waffe selbst verkauft, sondern nur die Lizenz zum Nachbau. Sollte auf dem Taksim-Platz in der Türkei das Militär gegen Demonstranten vorgehen, dann könnte es sein, dass es Waffen trägt, die in Deutschland entwickelt wurden.
Seine Ausführungen unterfüttert er mit gezielten polemischen Einwürfen.

So zeigt er etwa Bilder von „netten Menschen“. Es sind Rüstungsmanager, die angeblich am Sonntag in die Kirche gehen und am Montag dafür sorgen, dass der Tod ein Meister vom Bodensee ist. Grässlin legt sich gern mit Rüstungsunternehmen an. Er taucht als kritischer Aktionär auf Versammlungen auf und stellt unangenehme Fragen. Im Jahr 2010 erstattete Grässlin Strafanzeige gegen Heckler und Koch, weil das Unternehmen illegal Sturmgewehre in mexikanische Unruheprovinzen geliefert haben soll. Für seinen Kampf gegen die Aufrüster setzte Grässlin auch seine Existenz aufs Spiel. Es habe Zeiten gegeben, da sei er mit Prozessen überzogen worden und bei ihm seien wegen der Kosten für die Rechtsberatung bis 90 000 Euro Schulden aufgelaufen. Doch zuletzt habe er immer Recht bekommen und sei so auch dem finanziellen Ruin entgangen. Der Träger des Aachener Friedenspreises ist überzeugt: Der Waffenhandel helfe diktatorischen Regimes, ihre Macht zu sichern.
Grässlin will dies nicht hinnehmen. Er kämpft für das grundgesetzlich verankerte Verbot, Waffen zu exportieren. In seriösen Umfragen sollen sich 78 Prozent der Bürger gegen Waffenhandel ausgesprochen haben.

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