Eigentlich könnte sich Dieter Bös, Festivalchef bei Rock am See, jetzt auch mal entspannt zurücklehnen. Die 30. Auflage seines Festivals ist gerade erfolgreich über die Bühne gegangen, von etlichen Seiten haben Bös und sein Team großes Lob für Organisation und das diesjährige Programm erhalten. Und trotzdem gibt es da eine Sache, die selbst einen erfahrenen Konzertmanager wie Dieter Bös unsicher macht: Woran liegt es, dass selbst bei einem allseits hoch gelobten Programm nur 15.000 statt der möglichen 25.000 Zuschauer ins Bodenseestadion kommen?

"Es ist schwierig, dafür einen konkreten Grund zu nennen", meint Dieter Bös, im Grunde könne man da nur mutmaßen: "Das Wetter hat sicher seinen Teil dazu beigetragen, vielleicht sind wir auch zu spät mit dem Programm in die Öffentlichkeit gegangen, vielleicht gibt es doch längst ein Überangebot an solchen Veranstaltungen", bemüht sich Bös um eine Erklärung.
 


Letztlich ist es für den Veranstalter auch eine wirtschaftliche Frage – wie viele mäßig besuchte Festivals kann er sich leisten, ehe es an die Existenz der Veranstaltung geht? Akute Sorgen müsse man sich da jetzt nicht machen, "aber es wäre schon mal gut, wenn wir bald wieder ein ausverkauftes Rock am See vermelden könnten", so Bös. Sein Geschäftsmodell baut schließlich oft genug auf Querfinanzierung: Finanziell gute Jahre helfen immens bei der Überbrückung von schlechten Jahren.

Ein Blick auf die Zuschauerzahlen der vergangenen Jahre zeigt – für den Veranstalter wäre ein ausverkauftes Stadion mal wieder wünschenswert: 15 000 (2016), 11 000 (2015), ausgefallen (2014), 23 000 (2013), der Besucherzuspruch war zuletzt eher schwankend. Für Dieter Bös trotzdem kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken: "Wir müssen jedes Jahr aufs Neue unsere Attraktivität unter Beweis stellen. Dann bleiben uns auch ausreichend Zuschauer treu", ist Bös überzeugt.

Ein anderer Grund für die Stagnation bei den Zuschauerzahlen könnten auch die Ticketpreise sein. 2015 hat der Veranstalter die Eintrittspreise um mehr als 30 Prozent angehoben, auch in diesem Jahr blieben sie mit 82 Euro auf hohem Niveau. Nicht auszuschließen, dass diese Summe das Budget manches früheren Festivalgängers sprengte. So oder so: Billiger werden die Karten künftig eher nicht mehr. Immerhin: Einen Termin für 2017 hat Dieter Bös jedenfalls schon reserviert – am 2. September soll das Bodenseestadion erneut gerockt werden.

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