Ein paar halblaute Eingeständnisse, ein paar klare Bekenntnisse, ein paar kritische Nachfragen: In der Generaldebatte des Gemeinderats zur Akte Bodenseeforum haben sich zunächst keine neuen Perspektiven für das Tag­ungs- und Kongresshaus ergeben. Das war auch nicht erwartet worden, denn zu diesem Thema wollten sich die Kommunalpolitiker am Freitag zu einer 8000 Euro teuren Klausurtagung auf der Mainau treffen; die Ergebnisse sollen dann am 6. März auch öffentlich diskutiert werden. Und doch gab es eine kleine Überraschung. Oberbürgermeister Uli Burchardt räumte ein übereiltes Vorgehen bei der Beschlussfassung und Projektplanung ein und gab zu, dass die Kosten über weite Strecken nicht hinreichend transparent gewesen seien.

OB Burchardt würde heute zwei Dinge anders machen

Burchardt, der die Aufarbeitung der Zahlen in Auftrag gegeben und eine detailreiche Ratsvorlage hatte erstellen lassen, wirkte in der Sitzung nachdenklich. Er gab mit Blick auf die Entwicklung zu, "dass mich das am meisten ärgert". Zwei Dinge würde er heute anders machen, sagte er: die Zahlen "früher, in kompakter und verständlicher Form" bekannt machen, dem Projekt mehr Zeit geben und notfalls die Eröffnung eben verschieben. Dass er den Gemeinderat oder die Öffentlichkeit getäuscht habe, wies er zurück: "Ich habe auf das wirtschaftliche Risiko hingewiesen." Zudem erklärte er, die Darstellung von einem jährlichen Minus von zwei Millionen Euro sei falsch. Knapp die Hälfte der Summe, die Abschreibungen, hätte das Haus nie erwirtschaften sollen. Sie wären allerdings im großen Gesamthaushalt der Stadt verbucht worden. Charlotte Biskup, die im Rathaus die städtischen Beteiligungen steuert, sagte dazu: "Es ist nicht sauber, die zwei Millionen Euro Verlust mit der schwarzen Null zu vergleichen."

Zahlreiche Politiker üben teils harsche Kritik

Stadträte verschiedener Fraktionen zeigten sich sehr unzufrieden mit der Situation. Till Seiler (Freie Grüne Liste) warf Interims-Geschäftsführer Friedhelm Schaal eine "Fehlleistung" vor und nahm auch den OB in die Pflicht: "Es ist Ihre Verantwortung, Personal zu führen und nicht zu überlasten." Jan Welsch (SPD) warnte angesichts der Fehler von Beratern vor "blindem Vertrauen" in Experten und mahnte zur Vorsicht vor "Überhöhungen" à la Jahrhundertchance. Jürgen Faden bedauerte, die Freien Wähler seien nicht skeptisch genug gewesen: "Wir haben den Fehler gemacht, nicht vehement an unseren Zweifeln festzuhalten." Matthias Schäfer (Junges Forum) bemängelte, dass "Kritik an der Beratungsleistung als Majestätsbeleidigung empfunden wurde", Holger Reile (Linke Liste) nannte die Ratsvorlage ein "Dokument des Grauens", und Günter Beyer-Köhler (FGL) erklärte angesichts des Defizits wörtlich: "Inzwischen ist das Versagen sozialisiert."

Die CDU steht weiter treu zu dem Projekt

Viel Rückhalt hat das Bodenseeforum dagegen noch bei der CDU. Fraktionschef Roger Tscheulin sagte: "Natürlich ist das ein Haus, das Konstanz gebraucht hat." Nach eineinhalb Jahren habe es "immer noch Potenzial". Wolfgang Müller-Fehrenbach erkärte, dass Konstanz "mit diesem Haus eine Riesenchance für die nächsten 20 und mehr Jahre hat" und nannte es ein "Pfund, das man jetzt nicht schlechtreden darf". Sein Fazit: "Das lasse ich mir von niemandem nehmen, dass wir im Interesse der Bürger abgestimmt haben." Heinrich Everke sagte für die FDP: "Wir wollten das unbedingt haben wegen der Umwegrentabilität", also wegen der Umsätze mit Kongressbesuchern in Handel oder Hotellerie.

Bofo-Chef Jochen Lohmar genießt hohes Vertrauen

Einhelliges Lob gab es für den seit 1. Juli 2017 aktiven Geschäftsführer Jochen Lohmar, fast alle Redner würdigten seine Arbeit ausdrücklich. Er versprach, alles für eine gute Zukunft des Hauses zu tun, denn "das Bodenseeforum verdient eine Chance". Mit den Stadträten will er eng zusammenarbeiten und sie zugleich in die Pflicht nehmen: "Das ist eine gemeinsame Aufgabenstellung" – so gab er auch gleich den Ton für die Klausur am Folgetag vor.

Ertrag und Erwartung

Viel Geld bringen am Bodenseeforum ausgerechnet jene Anlässe, zu denen die Konstanzer wenig Kontakt haben: Tagungen und Kongresse. Kultur- und Vereinsveranstaltungen holen viele Gäste ins Haus, sind aber weniger lukrativ. Dieses Dilemma zwischen Ertrag und Erwartung ist eine der wichtigsten Zukunftsfragen. Denn als "Haus für alle Konstanzer" wird das Bodenseeforum wohl Zuschussbetrieb bleiben. (rau)