Die Miete für die Zwei-Zimmer-Wohnung soll 950 Euro betragen. Für die Eigentumswohnung in mäßiger Petershauser Lage ruft der Verkäufer 5000 Euro pro Quadratmeter auf. Und in den Stadtvillen am Rande des Musikerviertels geht unter einer halben Million gar nichts – für 68 Quadratmeter. Drei aktuelle Beispiele, die nicht repräsentativ sind für den ganzen Markt, die aber umso mehr dazu beitragen, dass die Angst vor Spekulation größer und das Vertrauen in eine soziale Stadtentwicklungspolitik geringer wird.

So ist es kein Zufall, dass am Montagabend mehr als 100 Bürger in den Treffpunkt Petershausen kamen, als ein buntes Bündnis aus Umweltgruppen und sozialen Initiativen zur Debatte über ein alternatives Handlungsprogramm Wohnen lud. So unterschiedlich die Motive und Ziele waren, so groß war die Einigkeit darüber, dass es in der Stadt nicht wie bisher weitergehen kann. Darin liegt mehr politischer Sprengstoff als in fast allen anderen Debatten der letzten zehn Jahre.

Dass es so weit kam, dafür liegen einige von vielen Ursachen durchaus in Konstanz selbst: Anstatt dem zunehmenden Druck echtes Wachstum entgegenzusetzen, hat sich Konstanz im Klein-Klein der Nachverdichtung gefallen. Anstatt Konstanz punktuell auch einmal in die Höhe zu entwickeln, wurden Flächen am Boden bis auf den letzten Quadratmeter genutzt. Anstatt Realitäten anzunehmen, wurden Wunschbilder weitergezeichnet.

Umso wichtiger ist jetzt eine Verständigung über Grundlegendes. Dass beispielsweise eine Begrenzung des Zuzugs weder praktikabel noch sozial, sondern einzig und allein spekulationstreibend ist. Die links-grünen Akteure sollten anerkennen, dass das Reihenhäuschen im Eigentum spießig sein mag, für viele Familien aber das Ziel bleiben wird. Und das neue Bündnis sollte akzeptieren, dass es breit aufgestellt ist, aber keinerlei Mandat hat, für alle zu sprechen oder ihnen gar ihre Lebensvorstellungen von Gemeinschaftsküche bis Autoverzicht aufzuzwingen.

Genauso muss sich aber die Stadtverwaltung bewegen. Die Forderungen des Bündnisses damit abzutun, das sei doch alles im Handlungsprogramm Wohnen drin, wird weder dem Engagement der Bürger noch dem Ernst der Lage gerecht. Wer von Bürgerbeteiligung redet, muss sich daran messen lassen, wie er auch kritisches und unbequemes Potenzial einbindet und ob es ihm gelingt, diese Akteure zum Teil der Lösung werden zu lassen.

Zu tun ist genug. Verhandelt wird die soziale Frage der Stadt. Mondpreise und Wuchermieten sind darauf ebenso die falsche Antwort wie ideologische Grabenkämpfe oder selbstherrliche Basta-Politik.