Dauerärgernis Bahnhof: Seit vielen Jahren wird darum gerungen, die Bahnhöfe in Konstanz und entlang der ganzen Seehas-Strecke zu modernisieren. Für den Fahrgast ist indes nichts Spürbares passiert. Was die Bahn zu Gründen, Plänen und Ideen sagt:

  1. Das Bahnhofsmodernisierungsprogramm wurde 2009 aufgelegt. Warum hat sich sieben Jahre später am Konstanzer Bahnhof immer noch nichts für den Fahrgast Sichtbares getan? Ein Pressesprecher der Bahn begründet dies damit, dass sich immer wieder Planungen und Wünsche der Stadt geändert hätten – und führt die Ideen, die Unterführung zu den Gleisen bis zum Seeufer durchzubinden oder eine neue Brücke zu bauen als Beispiele an. Letztlich seien all diese Ideen gescheitert, etwa an den Finanzen, doch: "Das führt dazu, dass man da ist, wo man jetzt ist."

    Eine Stellungnahme der Stadtverwaltung dazu war gestern nicht zu bekommen – es ist aber zu erwarten, dass man im Rathaus die Sache anders sieht. Inzwischen ist die Planung der Bahn, dass der Innenstadtbahnhof 2019 barrierefrei wird. Bei den Bauarbeiten an den anderen Haltepunkten entlang der Seehas-Strecke begründet der Bahn-Sprecher die Verzögerung damit, dass sich durch Bauarbeiten Einschränkungen im Betrieb ergäben. Um deren Auswirkungen zu minimieren, würden mehrere Maßnahmen zusammengefasst. 2018 sollen die weiteren Seehas-Haltepunkte aber saniert sein. Das Bahnhofsmodernisierungsprogramm, eine Vereinbarung zwischen Land Baden-Württemberg und Deutscher Bahn, schreibe zudem vor, dass nur betrieblich notwendige Maßnahmen bezuschusst werden.

  2. Vor allem von Schweizer Seite her dürfte sich der Zugverkehr in den nächsten Jahren deutlich steigern. Neben mehr Nahverkehr steht für die Zeit nach der Elektrifizierung der Hochrheinstrecke die Idee einer Verbindung von St. Gallen nach Basel durch Konstanz im Raum. Reicht die Kapazität des Bahnhofs dafür aus? Das komme darauf an, wann und wohin ein Zug fahren solle, sagt der Bahnsprecher. So gebe es Zeiten, zu denen nur ein oder kein Zug im Bahnhof stehe. Dann wäre Platz für eine weitere Verbindung. Und der Sprecher bringt den eingleisigen Abschnitt über die alte Rheinbrücke als Nadelöhr ins Gespräch. Wirklich offiziell ist die Idee Schweizer Politiker, St. Gallen und Basel über die Hochrheinstrecke zu verbinden, allerdings noch nicht. Zuvor muss erst die Hochrheinstrecke elektrifiziert werden, worauf sich alle Beteiligten zwar grundsätzlich geeinigt haben. Ein genaues Datum gibt es aber nicht.
  3. Es kommt immer wieder die Idee auf, einen weiteren Bahnsteig am Innenstadtbahnhof zu bauen, um den Verkehr zu entzerren. Ist das realistisch? Man plane nicht im Vorfeld auf Verdacht, heißt es dazu aus der Presseabteilung der Bahn, sondern erst, wenn sogenannte Trassenbestellungen für Zugverbindungen vorliegen – im Klartext: Wenn der Bedarf schon da ist. Sei dann ein Bahnhof quasi überbucht, werde zuerst geprüft, ob man das Problem durch Verschiebungen im Fahrplan lösen könne. Erst wenn das Angebot deutlich ausgebaut werden sollte, würde es fahrplantechnische Studien über einen Umbau am Bahnhof geben. Und der eingleisige Abschnitt würde als Nadelöhr natürlich trotzdem bleiben und die Kapazität beschränken.
  4. Die Unterführung im Bahnhof in der Innenstadt ist ziemlich schmal. Wird sie erweitert? Die derzeitige Unterführung, die aus dem Jahr 1981 stammt und zu Stoßzeiten regelrecht überfüllt ist, sei aus Sicht der Bahn ausreichend, sagt der Bahnsprecher. Die beiden Aufzüge, die eingebaut werden müssen, sollen nicht in die Unterführung ragen. Auch wenn auf dem Bahnsteig an den Gleisen zwei und drei der Platz knapp ist, werde der Aufzug dort einem Rollstuhl Platz bieten. Übrigens: Der 1981 im SÜDKURIER veröffentlichte Sommerfahrplan verzeichnet 64 Abfahrten an einem Tag. Heute fahren an einem Wochentag laut Fahrplan der Deutschen Bahn 121 Züge ab.
Der Umbau am Haltepunkt Wollmatingen wird Thema in der nächsten Sitzung des Technischen und Umweltausschusses sein: Donnerstag, 8. Dezember, 16 Uhr, Sitzungssaal des Verwaltungsgebäudes Laube

Das sagen Kommunalpolitiker zum Thema

Was aus Sicht der Ratsfraktionen passieren muss, um den Bahnhof zeitgemäß zu machen – aufgelistet nach Fraktionsstärke: 

  • Freie Grüne Liste: "Die jetzige Situation ist eines zeitgemäßen Bahnhofs unwürdig und ein Schandfleck für die Bahn", sagt Fraktionsvorsitzender Peter Müller-Neff. Die für 2018 und 2019 geplante Erhöhung der Bahnsteige samt Einbau von Aufzügen sei für die Stadt "vordringlichst". Aufzüge im Bestand seien aber nur eine "Notlösung".
  • CDU: "Die jetzige Situation für Menschen mit Behinderung ist nicht tolerierbar", schreibt Fraktionschef Roger Tscheulin. Außerdem müsse die Bahn gewährleisten, dass der wachsende Verkehr problemlos abläuft. Der Bahnhof sei in "erbärmlichem Zustand", Infrastruktur von Wickeltisch bis WLAN sollte vorhanden sein.
  • SPD: "Wenn das Ziel ist, Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bekommen, muss man auch die Infrastruktur dafür bereitstellen", sagt Sprecher Jürgen Ruff. So würde es Sinn ergeben, einen neuen Bahnsteig zu bauen. Da die Wünsche nach mehr Zügen aus der Schweiz kommen, könne man auch über Geld reden, so Ruff. Bis ein Zug von St. Gallen nach Basel fahren könnte, habe man noch ein paar Jahre Zeit. Doch die sollte man nutzen, sagt Ruff.
  • Freie Wähler: "Die derzeitige Situation an unserem Hauptbahnhof ist höchst unbefriedigend, ja, eigentlich untragbar", schreibt Fraktionschef Ewald Weisschedel. Auch die Freien Wähler mahnen den baldigen barrierefreien Ausbau an.
  • FDP: "Nur einige hundert Meter weiter gibt es zwei vorbildliche moderne Bahnhöfe, den Kreuzlinger Bahnhof und den Hafenbahnhof", schreibt Fraktionssprecher Heinrich Everke. Er bringt ebenfalls einen neuen Bahnsteig ins Spiel. Im Frühjahr plane die FDP eine große Infoveranstaltung.
  • Junges Forum: Durch eine zeitnahe und zeitgemäße barrierefreie Erschließung "wäre schon viel gewonnen", schreibt Sprecher Matthias Schäfer. Mittelfristig sollten die Gleise als Barriere zum See überwunden werden.
  • Linke Liste: Bei der LLK gibt es eine ganze Reihe von Ideen. Fraktionschef Holger Reile nennt etwa Fahrstühle an beiden Unterführungen und an der Brücke im Süden des Bahnhofs, eine Verbreiterung der Unterführung zu den Gleisen und überdachte Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. (eph)