Arbeitsvertrag, Schufa, Selbstauskunft, die letzten drei Gehälter, einen kleinen Vorstellungstext und private Bilder: Was eher nach einer Bewerbung für einen Job klingt, ist heutzutage bei einer Wohnungsbesichtigung vorzulegen. Garniert wird das mit den obligatorischen Fragen nach Dauer der Beziehung, beruflicher Karriere, Familienplanung, Haustieren und weiteren privaten Details.

Doch was davon ist zulässig, liegt im Graubereich oder ist sogar verboten? Und wie wird mit den Daten umgegangen, wenn doch kein Mietverhältnis zustande kommt?

Was sagen Mieterbund und Vertreter der Vermieterseite?

„Eigentlich darf nur nach Namen, Anschrift, der Anzahl der Personen beim Einzug, Haustieren und Bonität gefragt werden“, sagt Thomas Daiger, Vorstand des Verbandes Haus und Grund. Natürlich übersteige gerade in Konstanz die Nachfrage das Angebot bei Weitem. Potentielle Mieter gäben unaufgefordert Daten an, die sie nicht angeben müssten, so Daiger. Der gläserne Bewerber liefert bei der Besichtigung sämtliche privaten Daten bereits aus Eigeninitiative.

Mieterselbstauskunft nur bei Interesse

„Auch die Mieterselbstauskunft kann verlangt werden“, so äußert sich Winfried Kropp, Vorstandmitglied des Mieterbunds Bodensee, in dem er außerdem als Pressesprecher fungiert. Jedoch dürfe diese nur bei bekundetem Interesse erfolgen. Bei falschen Angaben des potentiellen Mieters könnten hier allerdings rechtliche Schritte erfolgen.

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Private Fragen nach Kinderwunsch sind tabu

Laut Kropp sei die Frage, ob man Mitglied im Mieterbund sei, nicht erlaubt. Außerdem liege die Auskunft über die Familienplanung im privaten Bereich. Diese Angabe dürfe verweigert werden. Das findet im Alltag jedoch oft nicht statt. Ebenso sei ein großes Problem, dass Mietinteressenten die Schufa-Auskunft ungefragt zur Besichtigung mitbrächten. „Das sollte man nicht tun. Hierfür eignet sich die Verbraucherauskunft besser“, so Kropp.

Was ist eine Verbraucherauskunft?

Hintergrund ist, dass die Schufa-Auskunft nur dem Antragsteller selbst auf Anfrage übermittelt wird. Hier sind alle Daten aufgeführt, die der Schufa über den Betreffenden vorliegen. Hier sind neben persönlichen Daten auch Kredit- oder Leasingverträge mit Betrag und Laufzeit, Konten, Kreditkarten, Angaben von Schuldnerverzeichnissen oder auch Forderungen von Versandhändlern hinterlegt. Die Verbraucherauskunft verzichtet auf diese Details, dient lediglich zur Einschätzung des Mietinteressenten und führt Informationen über dessen Bonität auf. Die vollständige Schufa-Auskunft sollte, wenn überhaupt, erst unmittelbar vor Vertragsabschluss erfolgen.

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Was passiert mit meinen Daten?

Bis zu diesem Zeitpunkt ist der Vermieter dazu berechtigt, die personenbezogenen Daten der Mietinteressenten zu speichern. Bei Nichtzustandekommen eines Mietverhältnisses müssen die Daten vernichtet werden, sobald kein Verwendungszweck mehr besteht. „Der Mietinteressent hat das Recht auf Löschung der Daten“, sagt Daiger.

Makler dürfen die Daten speichern

„Makler handeln jedoch unter anderen rechtlichen Vorgaben. Nach der Erfragung und Einwilligung des Mietinteressenten dürfen diese die Daten speichern“, erläutert Winfried Kropp vom Mieterbund. „Hier herrscht seit 2015 aber auch das Bestellerprinzip: Bezahlen muss in diesem Fall der Auftraggeber, also der Vermieter, weshalb der Makler erst die Einwilligung des Mieters einholen muss.“

Vorsicht sei geboten, wenn ein Makler dem Mietinteressenten einen Vertrag für weitere Hilfe anbieten will, da hier zusätzliche Kosten anfallen können.

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