Wie viel Gewerbe brauchen die geplanten neuen Wohngebiete am Hafner, wie sieht die Verkehrsführung im Detail aus und wo sollen Sportplätze und Schulen liegen? Das waren Fragen, die rund 100 Bürger beim Debattenforum über die fünf favorisierten Entwürfe für die neuen Quartiere aufgeworfen haben. Trotz Sommerhitze haben viele sich Stunden Zeit genommen, die Pläne genau zu studieren und ihre Anregungen einzubringen. Die Planer wollen diese aufgreifen. Rund 2500 Wohnungen sollen im Westen Wollmatingens entstehen.

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Burchardt ist zufrieden über Entwicklung

„Ich bin froh, dass wir eine leicht wachsende Stadt sind“, sagte OB Uli Burchardt mit Blick auf Regionen, die mit Bevölkerungsschwund zu kämpfen haben, zum Auftakt des zweiten Bürgerforums. Es gebe keine Akzeptanz mehr für eine weitere Verdichtung innerhalb der Stadt. Konstanz müsse sich deshalb am Rande weiter entwickeln. Baue man, wie geplant, weiter 400 bis 450 Wohnungen im Jahr, dann sei dies gerade halb so viel wie in den 70er-, 80er- und 90er-Jahren. Und so haben die Bürger diskutiert:

Die Diskussion übers Gewerbe

Fünf Entwürfe lagen vor, alle hatten die Vorgabe, etwa ein Viertel der Flächen für Gewerbe einzuplanen. Nur ein Entwurf hat das Gewerbe in kleineren Einheiten am Rande verteilt. Die Planer sagen, sie wollten so vermeiden, dass sich die Schaufenster um die eigentlichen Wohnquartiere als unattraktive Viertel darstellen. Bei allen liegen die Gewerbeeinheiten an der Landesstraße. Bürger warfen die Grundsatzfrage auf, ob so viele Gewerbeflächen überhaupt notwendig sind. Es gehe darum, Wohnen und Arbeiten zu verknüpfen, und um Erweiterungsperspektiven für ansässige Firmen, sagte Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn.

Reges Interesse an den Planungen für die Quartiere am Hafner. Bürger nehmen in der Wollmatinger Halle die fünf Entwürfe unter die Lupe, die eine Jury als die besten ausgewählt hatte.
Reges Interesse an den Planungen für die Quartiere am Hafner. Bürger nehmen in der Wollmatinger Halle die fünf Entwürfe unter die Lupe, die eine Jury als die besten ausgewählt hatte. | Bild: Claudia Rindt

Skepsis bei Mischgebieten

Mischgebiete stoßen bei einigen auch auf Skepsis, in ihnen seien Konflikte vorhersehbar, etwa wegen des Werksverkehrs. Einige Bürger wünschen sich Flächen, die je nach Bedarf flexibel nutzbar sind; andere fragen sich, ob Gewerbe nicht grundsätzlich an anderer Stelle besser aufgehoben wäre. Ein Planer sagte, man habe eher das digitalisierte Gewerbe im Blick gehabt. Der erste, der sich dort ansiedle, müsse die Maßstäbe für die anderen setzen.

Bürger Rudi Löhr sagt: "Wo Schulen und Sportzentren sind, wollen die Leute parken. Wie soll das mit dem Verkehr funktionieren?"
Bürger Rudi Löhr sagt: "Wo Schulen und Sportzentren sind, wollen die Leute parken. Wie soll das mit dem Verkehr funktionieren?" | Bild: Claudia Rindt

Was bei Sport- und Betreuungsstätten geplant ist

Einige Planer sehen einen Bildungscampus für Schulen am Rande oder an den Rändern des Quartiers vor. Manche befürworten die Lage als Anknüpfungspunkt zum alten Wollmatingen. Andere wollen Kindergärten und Grundschulen zusammen und so zentral im Quartier verteilt sehen, dass sie von Familien auf kurzen Wegen erreichbar sind. Auch die Lage von weiterführenden Schulen sowie von Sportplätzen zog Debatten nach sich. Hier sei mit viel Anfahrverkehr zu rechnen, es müsse Parkmöglichkeiten geben, dies alles müsse in den Planungen berücksichtigt werden. Hans-Peter Klauda, Vorsitzender des Stadtseniorenrats, forderte, Pflegeheime in die Mitte der Wohnquartiere zu setzen, am besten kombiniert mit Kindergärten. Denn so könnten Gemeinschaftsprojekte mit Kindern und Senioren leicht initiiert werden. Er habe bisher nur gute Erfahrungen beobachtet. Einige Entwürfe kommen diesem Wunsch entgegen.

Bürgerin Brigitte Wind sagt: "Mir ist wichtig, dass hier bei der Infrastruktur an alle Bedürfnisse gedacht wird."
Bürgerin Brigitte Wind sagt: "Mir ist wichtig, dass hier bei der Infrastruktur an alle Bedürfnisse gedacht wird." | Bild: Claudia Rindt

Wie der Verkehr laufen soll:

Die Planer haben Ideen vorgelegt, wie sich der motorisierte Inidvidualverkehr teilweise aus dem Quartier halten lässt. Es gibt dann Quartiersgaragen am Rande und Stichstraßen sowie eine oder mehrere zentrale Erschließungsachsen. Die Planer sprechen von autoarmen Quartieren und Verkehrsberuhigung mit Alternativ-Angeboten wie Buslinie, Carsharing oder Lastenräder. Bürger wollten konkret wissen, ob sie Einkäufe bis vor die Türe fahren können, ob es Einfahr- und Parkmöglichkeiten für Pflegedienste gibt. Bei der konkreten Vorstellung, wie ein autoarmes Quartier funktionieren könnte, gibt es noch viele Unsicherheiten.

Hans-Peter Klauda, Vorsitzender des Stadtseniorenrats sagt: "Betreuungseinrichtungen für Senioren gehören nicht an den Rand einer Siedlung."
Hans-Peter Klauda, Vorsitzender des Stadtseniorenrats sagt: "Betreuungseinrichtungen für Senioren gehören nicht an den Rand einer Siedlung." | Bild: Claudia Rindt

Bürger wollen zugänglichen Hügel

Alle Entwürfe lassen den Hafner und teilweise auch Grünzüge frei von der Bebauung. Bürger wollten die Zusicherung, dass der Hügel öffentlich zugänglich bleibt. Alle Entwürfe haben Rücksicht auf Kaltluftschneisen genommen. Bei einigen gab es Fragen, ob dies ausreicht.

Bürger Marius Ullmann sagt: "Die Bürgerbeteiligung ist wichtig. Es geht hier nicht ums Meckern, sondern ums Mitmachen."
Bürger Marius Ullmann sagt: "Die Bürgerbeteiligung ist wichtig. Es geht hier nicht ums Meckern, sondern ums Mitmachen." | Bild: Claudia Rindt