Konstanz Das wünschen sich Bürger am Hafner

Rund 200 Teilnehmer haben am ersten Bürgerforum zum neuen Stadtteil bei Wollmatingen teilgenommen. Was klar wurde: Ein großer Teil der Anwesenden wünscht sich viel Grün.

Die Bürger als Stadtplaner: Der obere Konzilsaal war gut gefüllt, das Interesse groß an der Entwicklung des neuen Stadtteils Hafner. Etwa 200 Konstanzer haben beim ersten Bürgerforum zum neuen Quartier ihren Ideen freien Lauf gelassen, was sie sich wünschen. 20 Planerteams – von Kopenhagen bis Madrid – nehmen diese Anregungen auf und lassen diese in ihre Entwürfe für den Hafner einfließen. Auch Jury und Stadtverwaltungen hörten genau hin. „Wir wollen Qualität und einen Lebensraum gemeinsam gestalten. Trends um Wohnen und Leben wollen wir aufnehmen“, stellte Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn eingangs fest. Die Ideen der Bürger seien wesentlich, nämlich ein „Input mit Mehrwert“. In Detailfragen gab es Unterschiede, aber in Kernpunkten waren sich die meisten einig.

Ein Kleingruppen überlegten sich die Bürger, wie der neue Stadtteil gestalten werden kann. Bild: Aurelia Scherrer
Ein Kleingruppen überlegten sich die Bürger, wie der neue Stadtteil gestalten werden kann. Bild: Aurelia Scherrer

Wie die Landschaft aussehen soll:

Die Bürger wünschen sich nicht nur viele Freiflächen und damit einen hohen Grünanteil, sondern wollen den beliebten Schlittenhügel und den Reiterhof erhalten wissen. Mehr noch: Vielen ist es wichtig, dass das Landschaftsrelief in der Stadtteilplanung berücksichtigt wird. Michael Eberhardt beispielsweise machte auf vier Bachläufe aufmerksam, welche aufgewertet werden sollten, denn mit dieser Maßnahme ließe sich das Grün in das Quartier hereinziehen.

Wie die Erschließung laufen soll:

Um Wollmatingen vom Verkehr zu entlasten und Schleichverkehr zu verhindern, bevorzugen die Bürger eine Erschließung des neuen Stadtteils von Norden her. Von Süden her könne das Quartier mittels ÖPNV, aber auch via Rad- und Fußgängerwege zugänglich werden. Wichtig ist den Bürgern ein fließender Übergang vom Hafner zu Wollmatingen.

Michael Eberhardt (links) zeigt Planer Frank Kübler Bachläufe im Gebiet.
Michael Eberhardt (links) zeigt Planer Frank Kübler Bachläufe im Gebiet. | Bild: Aurelia Scherrer

Wie der Verkehr gelenkt werden soll:

Der Großteil der Anwesenden wünscht sich ein nahezu autofreies Quartier. Wesentliche Grundlage für ein autofreies Gebiet sei ein attraktiv ausgebauter ÖPNV ebenso wie ein entsprechendes Radwegenetz sowie eine umfassende Infrastruktur im Quartier selbst. Parkplätze sollten, so die Bürger, unterirdisch oder in Parkhäusern am Rand entstehen, wichtig seien Car- und Bike-Sharing.

Wie die Infrastruktur aufgebaut sein soll:

Das Quartier solle so ausgestattet sein, dass die Bewohner eigentlich nicht in die Stadt müssen, darunter mit: Einzelhandel, Supermarkt, Wochenmarkt, Ärzten, Cafés, Restaurants, Biergarten, Kindergarten, Schule, ökumenische Kirche, Einrichtungen für Senioren in der Mitte des Quartier (sie sollen am Leben teilhaben können), Quartierstreffpunkte, Spielplätze, Jugendbereich, Sportplatz und Freizeitanlagen.

Planspiel für interessierte Bürger: So könnte aus sicht einer Gruppe der neue Stadtteil Hafner aussehen: Unterschiedliche Arten der Wohnbebauung und viele grüne Freiflächen und vielfältige Infrastruktur. Bild: Aurelia Scherrer
Planspiel für interessierte Bürger: So könnte aus sicht einer Gruppe der neue Stadtteil Hafner aussehen: Unterschiedliche Arten der Wohnbebauung und viele grüne Freiflächen und vielfältige Infrastruktur. Bild: Aurelia Scherrer

Welche Quartiersgestaltung es geben könnte:

Die Bürger entwickelten unterschiedliche Quartierskonzepte. Die meisten Teilnehmer am Forum sprachen sich für eine zentrale Piazza aus, an der sich Geschäfte und Cafés reihen und um die sich die Bebauung kreis- oder spiralförmig reihe. Andere Konzepte favorisierten Reihenbebauung, um Kaltluftschneisen zu generieren. Gemeinsamer Tenor: In der Mitte eher dichtere Bebauung, die sich nach außen hin lichte. Ein anderes Bürgerkonzept hingegen teilte den Stadtteil in zwei Quartiere.

Etwa 30 stadtplanerische Entwürfe erarbeiteten Bürger im Rahmen des Bürgerforums für den neuen Stadt Hafner. Die Pläne wurden ausgehängt und darüber diskutiert.
Etwa 30 stadtplanerische Entwürfe erarbeiteten Bürger im Rahmen des Bürgerforums für den neuen Stadt Hafner. Die Pläne wurden ausgehängt und darüber diskutiert.

Welche weitere Ideen die Bürger haben:

Angeregt wurden auch Urban Gardening sowie Bewohner-Gärten und Dachbegrünung. Ein Bürger meinte: „Wenn der Taborturm wieder aufgebaut würde – das wäre die Krönung.“ Für diese Aussage erntete er Applaus.

 

Ein Baugebiet und ein zweites Forum

  • Der Hafner: Rund 121 Hektar umfasst das Areal, das für den neuen Stadtteil untersucht wird. Etwa 65 Hektar sollen als bebaubare Fläche dienen. Wohnungen für etwa 6000 Menschen seien zu schaffen; 15 Hektar sind für Gewerbe gedacht.
  • Der Wettbewerb: 20 Planungsbüros wurden zum Wettbewerb zugelassen. Sie waren beim Bürgerforum dabei, um die Wünsche und Anregungen der Einwohner direkt aufzunehmen und sie in ihre Planungen einfließen zu lassen.
  • Zweites Bürgerforum: Das nächste Bürgerforum Hafner findet am 14. Juli statt. Das Ergebnis des zweistufigen Wettbewerbs – fünf Entwürfe – soll den Bürgern dann vorgestellt werden. Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn geht davon aus, dass noch in diesem Jahr die Einigung auf einen Entwurf erzielt wird. Die Stadtteilplanung solle dergestalt sein, dass das Quartier, das ab 2025 entsteht, auch dann noch „für die Zukunft zukunftsfähig ist“, so Langensteiner-Schönborn.
"Ich finde es gut, dass die Bürger mitgenommen und mitbeteiligt werden und nicht einfach ein Viertel vor die Nase gesetzt bekommen."
Markus Huber, Bürger.
"Ich finde es gut, dass die Bürger mitgenommen und mitbeteiligt werden und nicht einfach ein Viertel vor die Nase gesetzt bekommen." Markus Huber, Bürger.

 

"Ich finde es sehr positiv, die Bürger einzubeziehen. Es ist wohl das aufwändigste Verfahren, das ich bislang gesehen habe.".Joachim Kraft, Planer, Madrid. .Bild: Aurelia Scherrer
"Ich finde es sehr positiv, die Bürger einzubeziehen. Es ist wohl das aufwändigste Verfahren, das ich bislang gesehen habe." Joachim Kraft, Planer, Madrid.
"Das Bürgerforum finde ich gut, denn wir kennen die Gegebenheiten und können unsere Anregungen in die Planungen einfließen lassen.".Ute Uhr, Bürgerin.Bild: Aurelia Scherrer.
"Das Bürgerforum finde ich gut, denn wir kennen die Gegebenheiten und können unsere Anregungen in die Planungen einfließen lassen." Ute Uhr, Bürgerin

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