Wolfgang Flick ist einer dieser Menschen, von denen die Bewohner des Ortes, in dem er wohnt, profitieren. In diesem Fall ist es Litzelstetten. Wolfgang Flick, selbstständiger IT-Manager, verbringt einen Großteil seiner Freizeit damit, seine Heimat attraktiver und schöner zu gestalten. Und das im Ehrenamt. Zusammen mit seinem Stellvertreter Dennis Riehle und weiteren Personen engagiert er sich als Vorsitzender des Vereins Bodanbürger für die Interessen der Konstanzer Teilorte Dettingen-Wallhausen, Dingelsdorf mit Oberdorf und Litzelstetten mit Insel Mainau sowie für Allensbach mit seinen Teilorten Hegne, Kaltbrunn und Langenrain-Freudental. Der jüngste Erfolg war das Aufstellen der Hinweisschilder für die Pfahlbaustätte Krähenhorn. „Die Pfahlbauten sind zwar nicht zu sehen, weil nur noch Überreste am Seegrund existieren und die auch noch zum eigenen Schutz mit Kies zugeschüttet sind“, sagt er, „doch wir sind der Meinung, dass das trotzdem eine Attraktion ist.“ Warum er davon überzeugt ist? „Wir sind doch über vergangene Dinge begeistert, die wir weder sehen noch anfassen können. Letztlich können wir unseren Glauben auch nicht sehen und sind doch fasziniert davon.“ In Seenähe wurden übersichtliche Schautafeln platziert, die das Krähenhorn und seine Geschichte erklären – alles aufgrund des Engagements der Bodanbürger.

Die Stadt Konstanz zeigt bis dato wenig Begeisterung für das Erbe des Krähenhorns. Nicht sichtbar, nicht nutzbar. Was Wolfgang Flick wenig begeistert: „Mich wundert es, dass die Verantwortlichen der Stadt mit dem Welterbe nichts anfangen können. Aber nun gut, dann sind wir Litzelstetter gefragt.“ Vor rund zwei Wochen wurden nun die Hinweisschilder an beiden Eingängen des Ortes aufgestellt. Ein weiterer Schritt in der touristischen Vermarktung der kleinen Siedlung, die aus den Jahren zwischen 3833 und 3805 vor Christus stammt. „Und das soll auch nur der Anfang sein“, sagt Wolfgang Flick, der weitere, große Pläne hat. So möchte er nach Dingelsdorfer Vorbild eine dritte Vitrine für das Foyer des Rathauses beschaffen. Dieser Vorraum soll dann zu einer großen Ausstellungsfläche werden. Bereits jetzt sind hier Utensilien des Ortes zu besichtigen – doch zwischen Prospekten, Werbezetteln und jeder Menge kleiner Plakate geht hier alles unter.

Die Urkunde der Unesco hing seit 2011 unbeachtet in einem Flur im Konstanzer Rathaus. Immerhin haben die tapferen Vorortkrieger nun ein Abbild der Urkunde erhalten. „Die soll Bestandteil der Ausstellung sein“, so Wolfgang Flick. Für den Tag des Welterbes am 3. Juni plant der Verein eine öffentliche Wanderung mit dem Unterwasserarchäologen Martin Mainberger von Litzelstetten nach Dingelsdorf – mit Pause an den sieben Pfahlbaustätten dort. Bei Kulturbürgermeister Andreas Osner bat Wolfgang Flick angesichts der kostspieligen Pläne um einen Zuschuss in Höhe von 1000 Euro. „Es müsste doch auch im Sinne der Stadt sein, wenn wir uns hier ehrenamtlich für das Ansehen der Stadt engagieren“, sagt er. „Das ist bestes Marketing für die Stadt.“ Rathaussprecher Walter Rügert schrieb gestern Abend dem SÜDKURIER auf Anfrage: „Das Kulturamt prüft die eingereichten Unterlagen und Wolfgang Flick erhält zeitnah eine Antwort.“ Der Verein hatte bereits vor rund vier Wochen angefragt.

Die Fundstätte Krähenhorn und ihre Geschichte

  • Der Ort: Litzelstetten-Krähenhorn hat als Unesco-Welterbe die Bezeichnung Welterbestätte DE-BW-07, Stadt Konstanz, Kreis Konstanz. Die Fundstelle Litzelstetten-Krähenhorn liegt gegenüber der Ortschaft Unteruhldingen. Sie wurde vor 1899 entdeckt und um 1950 erstmals von Schiele kartiert. 2003 und 2004 führte das Landesdenkmalamt Tauchsondagen durch. Litzelstetten-Krähenhorn repräsentiert eine spezielle Siedlungslage am Nordufer der Halbinsel Bodanrück. Die Siedlung liegt auf einer kleinen vorspringenden Landzunge. Ein ausgedehntes Pfahlfeld, zwei durch Seekreide getrennte Kulturschichtpakete und verschiedene Funde repräsentieren eine längere Besiedlungsdauer des Platzes. Es liegen Siedlungsfunde des Jung- und Endneolithikums, vor allem der frühen und späten „Pfyner Kultur“, vor. Experten schätzen die Siedlung auf die Jahre zwischen 3833 und 3805 vor Christus.
  • Der Schutz: Die Kulturschichten der Welterbestätte Litzelstetten-Krähenhorn liegen teilweise unter Seekreideabdeckung, teilweise sind sie durch künstlich angelegte, großflächige Kiesabdeckungen geschützt. Erosionsmarker sind eingebracht und durch das Landesamt für Denkmalpflege erfolgt ein Monitoring. Teile der Siedlung und die Pufferzone liegen im Naturschutzgebiet.
  • Die Hinweistafeln: Entlang des Rad- und Wanderwegs am Bodenseeufer zwischen Mainau und Dingelsdorf informieren drei Tafeln auf Deutsch und Englisch über die Fundstätte und ordnen diese in die Welterbe-Auszeichnung ein. Die erste Tafel in der Nähe des Campingplatzes erläutert das Welterbe und die Bedeutung der Fundstätte. Die zweite Tafel beim Strandbad bezieht sich direkt auf die Forschungsarbeiten an der Fundstätte und informiert über die zeitliche Einordnung des Fundes. Die dritte Tafel auf der Gemarkung Neuhof erläutert die Erkenntnisse über das Leben der damaligen Bewohner, ihre Lebensumstände und ihre Alltagsgegenstände.