Der Circus Krone tourt durch Deutschland und mit ihm die Protestaktionen. Tierschützer sind überzeugt, dass ein artgerechtes Leben im Zirkus nicht möglich ist für wilde Tiere. Kommunalpolitiker erklären, was sie über ein Wildtierverbot denken.

Normen Küttner (FGL): Meine persönliche Meinung: Die Stadt Konstanz sollte in Zukunft (bereits geschlossene Verträge mit Zirkusunternehmen sind einzuhalten!) keinen Zirkusbetrieben mit Wildtieren öffentliche Flächen zur Verfügung stellen. Ich stütze mich dabei auf die Stellungnahme der Bundestierärztekammer, der Beschlusslage des Bundesrates und mehrerer repräsentativer Umfragen großer Meinungsforschungsinstitute (z.B. Forsa). Seit vielen Jahren fordert die Bundestierärztekammer ein generelles Verbot von Wildtieren im Zirkus auf Reisen. Eine artgerechte Haltung ist in diesem Umfeld nicht möglich. Aus der Stellungnahme der BTK geht u.a. hervor, dass enge Transportwagen und temporäre Kleingehege Verhaltensstörungen und Krankheiten bei den Tieren verursachen können. Die bundesgesetzlichen Vorgaben wurden dem aktuellen Kenntnisstand der Forschung leider noch nicht angepasst. In Europa sind viele Länder einen großen Schritt weiter. Viele andere europäische Länder haben ein Verbot von Wildtieren in Zirkussen ausgesprochen. Ich halte es für dringend erforderlich, im Sinne des Tierschutzes auf kommunaler Ebene zu handeln und nach dem Beispiel vieler anderer Städte und Gemeinden kommunale Flächen nicht mehr an Zirkusse oder andere reisende Betriebe mit o.g.Tieren, zu vermieten. Der Gemeinderat der Stadt Heilbronn hat hier beispielhaft im November 2015 einen entsprechenden Ratsbeschluss gefasst.

Ein Beschluss, wie er zuletzt in Heilbronn gefasst wurde, steht auf einem starken gesellschaftlichen Fundament. Eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung (82%) ist nach einer repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts der Überzeugung, dass eine artgerechte Haltung im Zirkus nicht möglich ist. Der Zirkus ist ein wertvolles Kulturgut. Ich bin der Überzeugung, dass der Zirkus unserer Tage auch ohne Wildtiere bestehen kann. Dies wird z.B. durch das erfolgreiche Programm des Zirkus Roncalli und anderen Zirkusunternehmen eindrucksvoll belegt. Die FGL Fraktion diskutiert z.Z. intern, ob wir einen entsprechenden Vorstoß der Verwaltung unterstützen würden, oder ob wir einen eigenen Antrag einbringen. Der Meinungsbildungsprozess ist noch nicht abgeschlossen. Wir haben in der Sitzung des GR am 16.06.16 eine Anfrage zu diesem Thema an die Verwaltung gerichtet. Diese Antwort steht z.Z. noch aus.

Roger Tscheulin (CDU): Das Halten und die Dressur von Wildtieren im Zirkus wird zunehmend kontrovers diskutiert. Zum einen zu beachten sind die Interessen des Tierschutzes, zum anderen sind aber auch die lange Tradition und die Möglichkeit des Erlebens dieser Tiere im Zirkus gegeneinander abzuwägen. Das Tierschutzgesetz regelt verbindlich und eingehend, unter welchen Bedingungen ein Zirkus Wildtiere halten und zur Schau stellen darf. Wenn ein Zirkus über diese Genehmigung verfügt, so erscheint es problematisch, hier der Kommune einen eigenen Entscheidungsspielraum bezüglich der Spielerlaubnis für einen Zirkus zu eröffnen. Hier bedarf es einer einheitlichen und nachvollziehbaren Regelung. Insoweit ist der Bundesgesetzgeber gefordert.

Jürgen Ruff (SPD): Wir haben uns noch nicht mit dem Thema befasst. Momentan sehe ich keinen Bedarf, auf kommunaler Ebene zu handeln. Da haben wir zu wenig zu sagen. Ich würde es mir nicht erdreisten wollen, ein Urteil zu fällen. Erst müsste ich mir die Umstände ansehen. Wildkatzen sind natürlich etwas anderes als Pferde, aber ich bin kein Fachexperte. Wir haben ein Tierschutzgesetz, an das sich auch Zirkusse halten müssen. Bei einem dokumentierten Verstoß eines Zirkusbetriebes sollte man diesem den Platz nicht mehr zur Verfügung stellen.

Ewald Weisschedel (Freie Wähler): In einem Zirkus werden traditionell Tiernummern dargeboten, die, solange sie mit bei uns üblichen Haustieren, wie Hunden und Pferden,etc. dargeboten werden, für mich durchaus akzeptabel sind, solange diese tiergerecht gehalten werden. Bei Wildtieren scheint es mir eigentlich unmöglich zu sein (dies trifft auch für die Haltung vieler Tiere im Zoo zu) diese so zu halten, wie sie es in der Freiheit gewohnt sind. Ich hatte deshalb schon immer Mitleid mit diesen Kreaturen. In der Fraktion haben wir über dieses Thema noch nicht debattiert.

Matthias Schäfer (Junges Forum): Das JFK hat über die Tierhaltung im Zirkus noch keine abschließende Meinung. Wir sind uns aber einig darüber, dass eine gute Tierhaltung Pflicht für einen Zirkus mit Tieren und auch Grundlage für dessen Geschäft ist. Diese Verantwortung liegt beim Zirkus und sollte durch regelmäßige, unabhängige und nicht angekündigte Kontrollen überprüft werden.

Heinrich Everke (FDP): Unsere Meinung war, dass die Tiere lieber in Freiheit leben sollten und dass wir, falls es zu einer Abstimmung im Gemeinderat käme, vermutlich eher für ein Verbot stimmen würden. Dies war aber alles unter dem Vorbehalt, dass uns das vermutlich gar nichts angeht. Offenbar ist es so, dass die Tierhaltung der großen Zirkusse von amtlicher Seite gut überwacht wird. Wenn die Tierärzte da kein Problem sehen, könnte man alles so belassen. Wir halten allerdings die Tierdressuren für ein traditionelles Überbleibsel aus einer Zeit, als es noch eine Sensation war, wilde Tiere Männchen machen zu sehen. Wir hoffen, dass sich diese Idee mangels Nachfrage in wenigen Jahren von selbst erledigt.

Anke Schwede (Linke Liste): Meine Meinung und die der Linken Liste dazu ist klar: Wir lehnen die mit der Haltung, dem häufigen Transport und der Dressur verbundenen Qualen für die Tiere ab. Mehr als ein Dutzend Verbände sowie die Bundestierärztekammer fordern ein Wildtierverbot in Zirkussen. Bereits drei Mal, 2003, 2011 und 2016 hat auch der Bundesrat ein bundesweites Wildtierverbot in Zirkussen gefordert, bis heute ist seitens der Bundesregierung nichts geschehen. Eine entsprechende Rechtsverordnung verhindert nach wie vor das zuständige Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz. Deshalb müssen die Kommunen mit einer Zwischenlösung handeln. Nur am Rande sei vermerkt, dass Deutschland hier übrigens Ländern wie Bulgarien, Costa Rica, Singapur oder Bolivien hinterherhinkt. In 14 europäischen Ländern ist die Haltung von Wildtieren in Zirkussen verboten oder eingeschränkt. Die Position der Konstanzer Linken Liste und der Linkspartei im Bund und den Ländern ist eindeutig: Wir treten für ein generelles Verbot von Wildtieren in Zirkussen ein. Die LLK wird heute über das geeignete Vorgehen beraten, das die Bereitstellung von städtischen Flächen an Zirkusse mit Wildtierhaltung künftig verhindern soll.

 

Protestaktion

Am Sonntag, 17. Juli demonstrieren Tierschützer von 10 Uhr bis 15.30 Uhr in der Hafenstraße auf Höhe des Zirkusgeländes gegen "die Tierausbeutung im Circus Krone". Denn die Zurschaustellung der Tiere im Zirkus basiere auf Ausnutzung des Schwächeren.

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