Wer bei Maria Klein auf der Couch sitzt, ist auf der Suche. Nach dem Partner fürs Leben. Nach der großen Liebe. Nach Zweisamkeit. Nach Glück und Geborgenheit. Hier im Kreuzlinger Schloss Bellevue, nur ein Steinwurf von der Deutschen Grenze entfernt, ist der Sitz der Partnervermittlung von Maria Klein. „Das bekommt fast niemand mit“, sagt sie lächelnd.

Bekannt durch Funk und Fernsehen

Bekannt ist ihre Firma sehr wohl – die Geschäftsführerin ist regelmäßig in Talk Shows zu Gast, wird in bunten Magazinen porträtiert und gibt Interviews in Funk und Fernsehen. „Das hat sicherlich auch mit meinen Büchern zu tun“, erklärt sie. In ihren Werken behandelt sie das Thema, das ihr so am Herzen liegt und mit dem sie Geld verdient: Partnervermittlung. „Das ist ein super-spannendes Metier, da ich den ganzen Tag mit interessanten Menschen zu tun habe“, erzählt sie. Neulich war sie zusammen mit dem Singener Kondomberater Jan-Vinzenz Krause Gast bei einer Talk Show im Insel-Hotel – eine spannende Diskussion mit hohem Unterhaltungswert, die Gäste war begeistert.

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Maria Klein stammt aus dem Sauerland, wohnte aber lange Zeit in Dingelsdorf.

Die Kinder sind in Konstanz geboren und aufgewachsen. Zu ihrem Beruf kam die gelernte Sozialarbeiterin eher zufällig. Anfang 20 zog sie nach Essen, wollte dort drei Monate später eine Stelle bei der Caritas antreten. „Dann habe ich eine Anzeige gelesen, dass eine Partnervermittlung Mitarbeiter sucht“, blickt sie zurück. Sie ging zur Firma, stellte sich vor – und bekam den Job.

Mit Mitte 20 an den Bodensee

Ein paar Jahre später erhielt sie den Auftrag, von Konstanz aus den Schweizer Markt zu erschließen. Vor 35 Jahren machte sie sich schließlich selbstständig. Erst in Konstanz, nun in der Schweiz. „Das mit dem Büro in Kreuzlingen hat sich vor dreizehn Jahren ergeben“, sagt sie. „Das war echt ein Glücksgriff.“ Hier sitzt sie am Computer, organisiert Termine und Gespräche. Und hofft, jeden einzelnen Kunden so schnell wie möglich zu verlieren – ist das der Fall, hat sie nämlich erfolgreich vermittelt.

Das kostet die Vermittlung

„Rund 60 Prozent meiner Kunden finden in den ersten sechs Monaten Partner“, sagt die 62-Jährige. Die Suchenden kommen nicht nur aus Deutschland – auch aus der Schweiz und Österreich. Über ihre Preise redet sie nicht gerne. Das erste Couch-Gespräch kostet nichts, erst bei Aufnahme in die Datei und aktiver Suche fallen Gebühren an. „Das beginnt bei 4000 Euro“, sagt sie. Sie bietet auch Coaching und Beratung für Singles an, hier nimmt sie 100 Euro für die erste Stunde, 180 für die weiteren. „Ich bin da ganz ehrlich“, erklärt sie. „Nicht jeder Mensch ist leicht vermittelbar.“

Bild: Oliver Hanser

Die Methoden scheinen aus einer anderen, längst vergangenen Welt zu sein. Warum? Bei Maria Klein geht es so gar nicht digital zur Sache. Das Telefon und das persönliche Gespräch auf der Couch zählen zu ihrem Werkzeug. „Natürlich spielen auch Emails eine Rolle“, erzählt sie. „Doch wir verstehen uns als eine klassische Partnervermittlung.“ Sie nimmt Anrufe entgegen, trifft sich mit den Menschen zur ersten Unterhaltung und nimmt sie in ihre Datei auf. Der nächste Schritt ist die Sondierung der passenden Gegenstücke. Maria Klein studiert die Protokolle der Gespräche und begibt sich auf die Suche.

Das ist ihr Herzblatt...

Wenn sie überzeugt ist, dass es passen könnte, mailt sie die beiden Personen an und fragt, ob sie bereit sind für ein Treffen und Kennenlernen. Bis zu diesem Zeitpunkt wissen Mann und Frau noch nicht, wer ihr Herzblatt ist. Wenn sie der Vermittlerin trauen, was nach ihrer Aussage fast immer der Fall ist, kommt es zum ersten Telefonat und in aller Regel zum ersten Treffen. „Danach habe ich dann Pause und ziehe mich für ein paar Wochen oder Monate zurück.“

„Manche muss man zum Glück zwingen“

Sie habe nach 35 Jahren im Geschäft schon sehr schnell ein Gefühl, ob ihre Auswahl erfolgreich ist oder nicht. „Manche muss man aber auch zu ihrem Glück zwingen.“ Irgendwann kommt die ultimative Frage: Hat‘s gefunkt? Seid ihr ein Paar? Wenn ja, verschwinden die beiden frisch Verliebten aus der Kartei. Wenn nein, bleiben sie dort und gelten weiter als Suchende.

Die Kunden werden immer jünger

Im Laufe der Jahrzehnte hat Maria Klein eine große Veränderung bei der Partnersuche ausgemacht: „Früher war die meisten Kunden um die 50“, berichtet sie, „heute sind die meisten um die 30.“ Es sei mittlerweile normal und nicht mehr anrüchig, sich bei der Suche helfen zu lassen. „Fragen sie Singles, ob und wo sie angemeldet sind. Tinder, Parship, Klein – sie werden überrascht sein, wie viele mitmachen.“ Die besten Aussichten auf Erfolg haben nach Maria Klein diejenigen, die nur wenige Vorgaben machen und positiv denken. So kommt es gut an, wenn man sein Hobby nicht unbedingt mit dem neuen Partner teilen muss, wenn man viele Vorlieben und Interessen hat. „Dann ist es auch so, dass das Alter keine Rolle spielt.

Kein Platz für Fremdgeher

Positives Denken sei immens wichtig, sagt die Partnervermittlerin Maria Klein. „Ich habe eine super-tolle 62-jährige Frau vom Bodensee in der Datei. Sie ist Witwe und sucht einen Partner.“ Das sei zunächst einmal eine schwierige Voraussetzung, „aber diese Frau ist so positiv, das ist einfach toll“. Was Maria Klein nicht ist: Eine Börse für Fremdgeher und reine Sexkontakte. „Das kommt für mich nicht in Frage“, sagt sie. Wer auf ihrer Couch sitzt, sucht kein Abenteuer, sondern die große Liebe.