Das Zeltfestival ist tot. Zum zweiten Mal. Nach der großen Euphorie um die Wiederbelebung im Jahr 2015 ist das Bedauern jetzt von allen Seiten groß, dass Koko hinschmeißt. Wer dieses Jahr auf dem Zeltfestival war, wird aber bemerkt haben: Viel los war nicht. Umso weniger dürfte es überraschen, dass sich ein Wirtschaftsunternehmen aus dem Geschäft zurückzieht, wenn die Kartenverkäufe die Kosten am Ende nicht decken können – trotz Zuschuss und Sponsoren. Das ging nicht allein dem Zeltfestival so. Auch andere traditionsreiche Veranstaltungen wie „Omas Teich“ in Ostfriesland und das „Greenville“ bei Berlin überlebten den Festival-Boom und die zunehmende Konkurrenz nicht. Gerade die Festivals mit Besucherzahlen zwischen 2000 und 10 000 haben vor allem ein Problem: Sie sind so groß, dass man einiges investieren muss, um sie möglich zu machen – aber zu klein, um von den Besuchern den gleichen Ticketpreis wie bei den richtig großen Festivals verlangen zu können. Das Risiko ist für Veranstalter dementsprechend groß.

Jetzt gibt es in Konstanz zwei Möglichkeiten. Erstens: Man überlässt die Festivallandschaft sich selbst beziehungsweise dem freien Markt. Die gestiegene Anzahl an Open-Air-Veranstaltungen alleine im vergangenen Jahr zeigt, dass der Standort Konstanz durchaus attraktiv ist. Der See bietet eine im Sommer mediterrane Atmosphäre und die Nähe zur Schweizer Grenze eine gute Anbindung an besonders zahlungskräftige Besucher. Engagierte junge Macher wie die des Campusfestivals oder des Gute Zeit-Festivals, die im vergangenen Jahr ein gutes Gespür für attraktive Bands und Solo-Künstler bewiesen haben, werden es dann aber schwer haben.

Auf dem Markt werden in Zukunft vielleicht nur die Festivals langfristig überleben, die von großen Veranstaltern gestemmt werden. Das Unternehmen FKP Scorpio zum Beispiel, das unter anderem das Southside Festival ausrichtet und zu den führenden Konzertveranstaltern in Deutschland gehört, stellt sich inzwischen so breit – und zwar bis nach Skandinavien – auf, dass es das Risiko auf möglichst viele Veranstaltungen verteilen kann. Kleine Festivals von lokalen Akteuren werden in der Regel auf Zuschüsse angewiesen sein, um zumindest ein wenig Sicherheit zu haben.

So bleibt nur noch die zweite Möglichkeit: Man überlegt sich, bei welchen Angeboten es Sinn macht, sie zu unterstützen. Denn während beim Stadttheater, der Philharmonie oder bei den Museen ganz selbstverständlich das Defizit gedeckt wird – warum dann nicht bei popkulturellen Festivals? Konstanz und der Kulturausschuss stehen im März also vor der nicht ganz einfachen Aufgabe, zu klären, wo es eigentlich hingeht mit dem Festivalstandort Konstanz. Denn das Kernkriterium für eine Veranstaltung, die aus öffentlichen Geldern mitfinanziert wird, lautet: Hat es eine Bedeutung für die Stadtgesellschaft? Vielleicht lohnt sich dann ein Blick zum Kulturufer nach Friedrichshafen oder zum Tollwood-Markt nach München. Zwei Veranstaltungen, die breit aufgestellt sind und ein kulturelles Angebot von internationaler und lokaler Musik, Theater, Kabarett, Kulinarik und Kinderprogramm verbinden. Kooperationen zwischen den etablierten Intitutionen und der freien Kultur können so für alle gewinnbringend sein – Besucher, Veranstalter, Stadt.