Frau Sproesser, wie fit sind die Konstanzer?
 
Bei den Teilnehmern an unserer Life-Studie zeigt sich ein schönes Bild: Sie sind relativ gesund.

 
Was heißt relativ?
 
Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt und den medizinischen Grenzwerten. Beim BMI (Body-Mass-Index)  liegen wir mit 25 kg/m2 unter dem bundesdeutschen Durchschnitt von 26 kg/m2 – das ist gerade noch an der Grenze zum Übergewicht. Auch der Bauchumfang war noch im Normbereich, ebenso die  Werte von Blutdruck, -zucker und –fetten.
 
Setzen Sie fit mit gesund gleich?
 
Wir haben bei der Life-Studie verschiedene Maße erhoben: einmal die klassischen Gesundheitsparameter, die ich gerade aufgezählt habe, und dann noch kognitive und funktionelle Fitness. Für die Erfassung der funktionellen Fitness haben wir Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Balance gemessen. Hierzu gibt es allerdings keine Normwerte. Man kann nur sagen, dass es teilweise Richtwerte etwa für die Ausdauermessung gibt. Da lagen die Konstanzer mit ihren erzielten Werten eindeutig im positiven Bereich, was sehr erfreulich ist.
 

Gibt es Regionen, in denen es um die Gesundheit der Menschen schlecht bestellt ist?
 
Ja, es gibt Unterschiede zwischen den Regionen. Der BMI zum Beispiel ist geringer je höher der sozio-ökonomische Status ist. Dieser ist in Konstanz im Vergleich zu anderen Städten relativ hoch.

 
Ist der BMI tatsächlich aussagekräftig? Es gibt gewichtige Menschen, die durchaus sehr fit sind.
 
Er ist ein einfaches Maß, das man schnell erfassen kann. Es gibt Hinweise darauf, dass gesundheitsbedenkliche BMI-Werte erst ab starkem Übergewicht beginnen, also ab einem BMI von 30 kg/m2. Bei einem BMI zwischen 25 und 30 gilt man zwar als übergewichtig, da sind aber noch wenig gesundheitlichen Einschränkungen zu erwarten. Ein besseres Maß ist der Bauchumfang. Dieser wird herangezogen zur Bestimmung des sogenannten metabolischen Syndroms, das ein Risikofaktor für Diabetes ist. Das Bauchfett scheint das zu sein, was hormonell aktiv und gesundheitsgefährdend ist.

 
Erkennen Sie aus der Studie, wo es die Konstanzer bei ihrer Gesundheit und Ernährung schleifen lassen?
 
Wir haben auch nach Ernährungsweisen gefragt. Da hat sich gezeigt, dass die Konstanzer ziemlich viel Obst und Salat essen. Natürlich ist auch Schokolade dabei. Prinzipiell sieht es hierbei aber gut aus. Männer haben allerdings bei Fleisch und Wurst, Frauen bei Salat und Obst die Nase vorn.
Wo man noch etwas tun könnte, wäre bei den Cholesterinwerten, die lagen leicht über dem Grenzwert.

 
Erkennen Sie Unterschiede bei Frauen und Männern, bei Generationen?
 
Wir haben ein interessantes Bild vorgefunden, wenn man sich über das Alter hinweg ansieht, wie viele Personen die Empfehlungen für die körperliche Aktivität erfüllen: drei Mal die Woche für 20 Minuten intensiv oder fünf Mal die Woche für 30 Minuten moderat aktiv zu sein.  Bei den unter 30-Jährigen schaffen es 50 Prozent, im Alter steigt das aber an. Je älter die Bürger, desto mehr erfüllen die Empfehlungen. Ab einem Alter von 70 plus schaffen es 67 Prozent.

 
Was heißt denn intensiv und moderat aktiv?
 
Intensiv: Stark erhöhte Herzfrequenz, außer Atem sein, schwitzen. Moderat: etwas schnellerer Atem, leicht erhöhter Puls.
 
Haben die Konstanzer ihr Gesundheitsverhalten in den vergangenen Jahren verändert, werden sie es verändern?
 

Wir machen diese Studie seit vier Jahren und haben bereits viermal Konstanzer untersucht und befragt. Wenn ich angesichts dieser Zeit einen Ausblick geben soll, würde ich sagen,  es bleibt relativ stabil, das stimmt uns sehr optimistisch, da wir ja auf der Suche nach „Erfolgsmodellen“ sind.
 
Fragen: Philipp Zieger

 
  • Der Body-Mass-Index (BMI)


    Das Normalgewicht wird anhand des Body-Mass-Index (BMI) bestimmt, dafür wird das Gewicht in Kilogramm durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat berechnet. Ein BMI von 18,5 bis 24,9 gilt als normal. Bis 29,9 gelten Menschen als übergewichtig, danach beginnt die Fettleibigkeit.
     
    So berechnen Sie den Body-Mass-Index (BMI):
     
    Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße im Quadrat.

    Beispiel:
     
    Eine Frau wiegt 80 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,70 Meter:

    80                     
    2,89 (1,70x1,70)
    = 27,7

    Die Frau im Beispiel hat also einen
    Body-Mass-Index von 27,7