Das geplante und weiterhin umstrittene Gesundheitshotel auf dem Büdingen-Areal hat eine wichtige Hürde genommen. Der Gestaltungsbeirat zeigte sich am Mittwoch einverstanden mit der Architektur des Luxusbaus, in dem der Schweizer Hotelier Hans Jürg Buff ein medizinisches Angebot für zahlungskräftige Gäste machen will. Der Vorsitzende Jörg Aldinger sagte in bisher einmaliger Deutlichkeit: "Wir freuen uns schon auf das Objekt" und erklärte, das gegenüber bisherigen Plänen deutlich verkleinerte Gebäude mit seinen großen Fassaden erfülle nun alle von den Experten gestellten Anforderungen.

Parkschützer finden: Der Gestaltungsbeirat hat mit seinem großen Lob einen Kniefall vollzogen

Ganz anders Patrick Pfeiffer von der Bürgerinitiative Büdingenpark und seine Vorgängerin im Vorsitz, Anneliese Fearns. Sie empfanden das Lob der Experten als einen Kniefall, zudem überschreite das Vorhaben noch immer die Festsetzungen im Bebauungsplan. Er wundere sich über die "kritiklose Begeisterung" der Architekten und Kommunalpolitiker im Beirat. "Die Schauseite zum See ist beliebig und einfallslos", sagte Pfeiffer nach der Sitzung. 

Lebhafte Debatte: Zum Ortstermin auf dem Büdingen-Areal am 20. März 2018 kamen hunderte Bürger und hatten viele Fragen an den Grundstücksbesitzer Hans Jürg Buff.
Lebhafte Debatte: Zum Ortstermin auf dem Büdingen-Areal am 20. März 2018 kamen hunderte Bürger und hatten viele Fragen an den Grundstücksbesitzer Hans Jürg Buff. | Bild: Jörg-Peter Rau

Der Grünflächenplan wurde schon vor zwei Monaten gefordert, liegt aber weiter nicht vor

Was die Kritiker vor allem ärgert: Obwohl sie vor zwei Monaten vom Gestaltungsbeirat dazu aufgefordert waren, stellten Buff und sein Architekt Pablo Horvath auch dieses Mal keinen Grünflächenplan vor. Das Dokument soll zeigen, welche Bäume erhalten werden, wo die öffentlichen Wege durch das Areal verlaufen und wo Passanten die Möglichkeit haben, den Park zu betreten. Anneliese Fearns sagte dazu: "Die Öffnung des Parks ist festgeschrieben und muss vom Investor gewährleistet werden". Horvath hatte erklärt, ein Landschaftsarchitekt und auch der von den Tägermoos-Pappeln her bekannte Schweizer Baumpfleger Fabian Dietrich seien bereits beauftragt, aber noch an der Arbeit. Eine Verzögerungstaktik strebe er nicht an, betonte Hans Jürg Buff: "Wir haben doch selbst ein Interesse, jetzt bald einmal zu bauen." 

Rote Bänder künden von der Kettensäge: Der Streit um das Projekt kreist auch um die Frage, wie viele Bäume für den Neubau fallen müssen. Einige von ihnen waren im März bereits markiert.
Rote Bänder künden von der Kettensäge: Der Streit um das Projekt kreist auch um die Frage, wie viele Bäume für den Neubau fallen müssen. Einige von ihnen waren im März bereits markiert. | Bild: Jörg-Peter Rau

Von 74.000 Kubikmetern ist keine Rede mehr – aber noch ist kein neuer Bauantrag gestellt

Bevor die Bagger anrollen, muss Buff allerdings erst einmal einen Bauantrag stellen. Im ersten Anlauf war er mit 74 000 Kubikmeter umbautem Raum (erlaubt sind 53 000 Kubikmeter) bei der Stadt gescheitert. Jetzt hat er das Projekt deutlich verkleinert, wie Horvath sagte. So seien alle 60 geplanten Personalzimmer weggelassen worden, was das Gebäude an seinen beiden Schmalseiten verschlankt. Auch einen Teil des Gesundheitsbereichs verlegte er ins Untergeschoss. Eine genaue Aussage, wie groß das Gebäude jetzt noch ist, wollte Horvath nicht machen, es sollen aber unter 60 000 Kubikmeter sein. Buff kündigte an, den neuen Bauantrag "in den nächsten zwei oder drei Wochen" einzureichen. Ist dieser vollständig, muss das Baurechtsamt der Stadt dann innerhalb von drei Monaten entscheiden.

Ob Buff tatsächlich bauen darf, entscheidet das Baurechtsamt und nicht der Gestaltungsbeirat oder die Politik

Patrick Pfeiffer geht davon aus, dass die Stadt den Roten Punkt nicht erteilen wird: Der Bebauungsplan sei noch immer weit überschritten. Gestaltungsbeirats-Vorsitzender Jörg Aldinger betonte, das Gremium habe keinen Einfluss auf das Genehmigungsverfahren und gab auch keine Einschätzungen zu den Chancen für das Projekt ab. Man nehme es aber "wohlwollend" zur Kenntnis, dass das Projekt reduziert worden sei. Bis in die Details seien Architektur und Städtebau gut: "Kompliment, wie Sie das umgesetzt haben." 

Sie wollen das in Konstanz bisher beispiellose Projekt verwirklichen: Bauherr Hans Jürg Buff aus St. Moritz (rechts) und sein Architekt Pablo Horvath aus Chur.
Sie wollen das in Konstanz bisher beispiellose Projekt verwirklichen: Bauherr Hans Jürg Buff aus St. Moritz (rechts) und sein Architekt Pablo Horvath aus Chur. | Bild: Rau, Jörg-Peter

Das ist ein deutliches Signal: Stadträte von FGL, SPD und CDU loben das Projekt

Auch aus der Politik gab es viel Zuspruch. "Passt sehr gut rein", sagte Peter Müller-Neff (FGL) über das Gebäude auf dem Grundstück. Alfred Reichle (SPD) sagte, er habe Grund zur Hoffnung, dass Buff die versprochenen Wege im Park herstellen und ihn wie versprochen der Öffentlichkeit zugänglich mache. Auch Heinrich Fuchs (CDU) zeigte sich sicher, dass der Bauherr auch im Park auf Qualität achte, "das wäre ja sonst ein Schildbürgerstreich". Er ging schon einmal davon aus, dass Hans Jürg Buff sein Hotel auch tatsächlich bauen darf: Das Hotel werde "sicherlich eine ganz ausgezeichnete Adresse für Konstanz".

Büdingen-Projekt

Auf dem rund 70 000 Quadratmeter großen Grundstück, auf dem zunächst das Hotel Konstanzer Hof und später das Privatsanatorium des Dr. Büdingen stand, soll ein Gesundheitshotel der Luxusklasse entstehen. Bauherr ist der Hotelier Hans Jürg Buff, der in St. Moritz und Region nach eigener Aussage bereits sechs Betriebe besitzt. Er will dort zusammen mit dem designierten ärztlichen Leiter Alex Witasek einen Betrieb für wohlhabende Gäste errichten und etwa 100 Arbeitsplätze schaffen. Erstmals kam das Projekt in die Schlagzeilen, weil auch ein Hubschrauberlandeplatz geplant war. Seither gab es mehrere Umplanungen. Grundsätzlich gibt es für das Grundstück Baurecht, weil schon 1991 ein Hotelbau im Stil dieser Zeit an der Stelle genehmigt wurde.