Dicke Luft im Klinikum. Zwei Ärzte und die Café-Pächterin kämpfen für ein rauchfreies Krankenhaus. Zwei Dinge liegen dem Trio dabei besonders am Herzen: die Gesundheit – und die Sauberkeit. „Die neu angelegten Beete sind oft voller Stummel und müssen täglich gesäubert werden“, hat Thomas Kiefer, Chefarzt für Thoraxchirurgie und stellvertretender ärztlicher Direktor, festgestellt. Und Markus Dettenkofer, Chefarzt für Krankenhaushygiene und Umweltmediziner, ergänzt: „Das ist eine inakzeptable Umweltverschmutzung und damit ein Umweltvergehen, gesundheitsgefährlich besonders für Kleinkinder und insgesamt weit unter dem Niveau des homo sapiens.“

Der Rauch zieht von der Terrasse in die Krankenzimmer

Die beiden sitzen mit Susanne Krachenfels im Außenbereich ihrer Bäckerei, der im Zentrum der Veränderungen steht. Schon jetzt gibt es hier einen Nichtraucherbereich, „doch viele Gäste sagen: Ich brauche zu einer Tasse Kaffee meine Zigarette“, weiß die Pächterin des Cafés. Das Problem dabei ist: „Über der Terrasse sind Krankenzimmer, und da zieht der Rauch hoch“, so Krachenfels. Das widerspreche dem Gedanken, Kranke wieder gesund zu machen, sagt Thomas Kiefer. „Im Jahr sterben in Deutschland 120.000 Menschen in Folge des Rauchens“, sagt er. Daher sollen künftig alle Tische des Cafés rauchfrei werden.

Rauchen auf den Gängen war früher normal

Der Konstanzer Mediziner kann sich noch gut an die 70er-Jahre erinnern, als es Ärzte gab, die bei der Visite die Kippe im Gang gelassen und weitergeraucht haben, als sie aus dem Zimmer kamen. Diese Zeiten sind längst Geschichte. „Heute haben wir für Mitarbeiter zwei Raucherbereiche und zwei für Patientenbesucher. Das sind ausgewiesene Stellen außerhalb der Gebäude“, erklärt Kiefer.

Wer Raucher wegschickt, wird beschimpft

Wenige Meter von Terrasse und Eingangsbereich entfernt steht eine solche gläserne Raucherbox, wie sie in anderen öffentlichen Gebäuden längst üblich ist. „Auf Flughäfen funktioniert es. Ich denke, dass das auch hier zumutbar ist“, sagt Krachenfels, die künftig auf mehr Verständnis hofft. „Im Moment ist es oft so, dass man beschimpft wird, wenn man die Leute wegschickt“, sagt Thomas Kiefer.

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Erfahrungen anderer Kliniken für Konstanz nutzen

Um für ihr Anliegen zu werben und Konflikten vorzubeugen, werden Susanne Krachenfels, Markus Dettenkofer und Thomas Kiefer in den nächsten Wochen Poster aufhängen und Flyer auslegen. „Aufklärungsarbeit ist vonnöten, da es sich um einen Außenbereich handelt“, sagt Susanne Krachenfels. „Das sind zwar nur kleine Bausteine, der eine oder andere schafft es aber vielleicht trotzdem, in einem kritischen Lebensabschnitt mit dem Rauchen aufzuhören“, hofft Markus Dettenkofer.

Er selbst weiß, dass ein rauchfreies Klinikum möglich ist. „Wir haben in anderen Kliniken bereits richtig gute Erfahrung gesammelt“, sagt der Umweltmediziner, „und diese wollen wir auf Konstanz übertragen.“