Konstanz Das Jugendblasorchester Konstanz hat zum ersten Mal im Bodenseeforum gespielt

Das Jugendblasorchester Konstanz spielt eine Uraufführung im Bodenseeforum. Das Ensemble überzeugt auf ganzer Linie und auch der Veranstaltungsort erweist sich als gute Wahl.

Symphonisch war das Jugendblasorchester (JBOK) schon immer und war damit im Ambiente des Konzils gut aufgehoben. Jetzt wagte sein agiler Leiter Ralph Brodmann einen Ortswechsel: Das Bodenseeforum mit mehr Platz für Spieler und Konzertbesucher, für Klang und Bewegung, atmosphärisch dafür einige Grad kühler, schien der richtige Raum auch für eine moderne Uraufführung zu sein. Sie war auch gleich ein musikalisches Wagnis, kennt man doch Brodmanns Kollegen, den Schlagwerklehrer Ralf Kleinehanding, als tiefsinnigen Komponisten, der sich nie gefälligerem Hören andient.

Die Konfuzius-Betrachtung über zögernd sich nähernde Zukunft, schnell entfliehende Gegenwart und starr gefügte Vergangenheit war für den Komponisten überaus reizvoll: Wie ein Metronom tickt die Zeit, nähert sich in diffusen, geheimnisvollen Dissonanzen, nimmt breite Klangflächen ein, regt sich in der Gegenwart in harten Forte-Rhythmen unsteter Metren auf, addiert nach und nach die farbigen Register des Orchesters, entschwindet mit wieder bloßgelegtem Metronomticken, schließt den Zyklus rondoartig ab.

Wie das JBOK, sonst in Filmmusik und Musicalsound zuhause, mit diesen avantgardistischen, freitonalen Strukturen umzugehen wusste, war erstaunlich: Da war nichts Zögerliches zu spüren, ging man mit ungewohnten Akkordflächen und Klängen sicher um, hatte keine Probleme mit dem Auszählen von Fünfer-, Sechser- und Siebener-Metren, schien sich dem Neuen offen, mit Lust und Ernst hinzugeben: Mit Auszeichnung bestanden!

Musik aus Film und TV

Natürlich kam auch die Blassymphonik nicht zu kurz: Sie umrankte die 16-minütige Uraufführung in gewohnt breitem Ausmaß, eröffnete in rumba-sattem Fanfarenstil ("Concert Prelude"), setzte einen ersten Glanzpunkt in Camille Saint-Saens' romantischem Konzertstück für Horn und Orchester, das der 17-jährige Felix Fischer virtuos mit aller Finesse vom melodischen Pianissimo bis zu rasanten Läufen in Solo- und Wechselspiel mit dem anpassungstrainierten Orchester servierte.

Wuchtige Erzählung von gefährlicher Bergtour ("Mountain of Dragons"), Gute-Laune-Tanz-Symphonik ("Omens of Love"), "Batman" mit tollen Solo-Einlagen und "Chess"-Medley: Das alles hatte mächtigen Ausdruck, war bestens einstudiert, kam glanzvoll rüber, gekrönt von der "Hawaii 5-0"-Zugabe, wo die hauseigenen Schlagwerker (Felix Griener und Frederik Meisel) ein Solo hinlegten, das den vollen Saal – endlich – zum Kochen brachte.

Den instrumentalen Nachwuchs hatte man nicht vergessen: Das Vororchester hatte sich tüchtig mit seinem Leiter Andreas Blum in vier übersichtliche Stücke eingearbeitet, die fröhlich und zackig abgeliefert wurden, anmoderiert von bühnentauglich keck auftretendem Jungspund: "Shut up and dance" und "Born to be wild" gelangen mit erkennbarem Spaß an der Freud'.

Bleibt am Ende eine Frage offen, die über dieses eine Konzert mit seinen mehreren hundert Zuhörern hinausweist: Anheimelndes Konzil oder schickes Bodenseeforum? Die Musikschule wird darüber nachdenken. Der Beifall jedenfalls klang nach Akzeptanz.

Das Ensemble und sein Programm

Blasmusik ist mehr als Umta-umta-umta: Das beweist das Jugendblasorchester Konstanz seit Jahrzehnten. Das Ensemble hat sich der sinfonischen Blasmusik verschieben, deren Anspruch nicht geringer ist als der in Kompositionen für ein klassisch mit Streichern und Bläsern besetzten Orchester.

Gegründet wurde das Jugend­blas­orchester Konstanz 1962 als Jugend­kapelle Konstanz. Mit der musikalischen Leitung und der Jugend­ausbildung wurde der Musikmeister a. D. Martin Linke betraut. Nach dessen Tod übernahm Musikdirektor Douglas Bostock die Leitung. Die Besetzung der Jugend­kapelle wurde zu einem symphonischen Blasorchester erweitert. 1981 erfolgte die Umbenennung in "Jugendblasorchester Kon­stanz".

1994 wurde das Jugendblasorchester in die Musikschule Konstanz integriert und stand von 1995 bis 1999 unter der Leitung von Hubert Holzner. Das kommende Jahr wurde das Orchester von Markus Färber dirigiert und schließlich übernahm Robert Fink die musikalische Leitung. Seit April 2002 dirigiert Ralph Brodmann das Orchester.

Das Jugendblasorchester Konstanz, bestehend aus Musikschülern sowie Studenten aus Konstanz und Umgebung, hat sich zum Ziel gesetzt anspruchsvolle und zeitgenössische Originalliteratur der sinfonischen Blasmusik zu erarbeiten. Auf hohem Niveau präsentieren sie dies ihrem Publikum in eindrucksvollen Konzerten in Konstanz und über dessen Grenzen hinaus. Aber auch Werke aus dem Bereich der Filmmusik sowie anspruchsvolle klassische Bearbeitungen gehören zum ständigen Repertoire des aus über 70 Mitgliedern bestehenden sinfonischen Klangkörpers.

Zahlreiche Erfolge bei diversen Wettbewerben in der Ober- und Höchststufe und regelmäßige Konzertreisen ins In- und Ausland, u.a. in die USA, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Tschechien und Italien brachten dem sinfonischen Orchester einen beachtlichen Bekanntheitsgrad, auch weit über die Region von Konstanz hinaus, ein.

 

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