Man nehme William Shakespeares Bösewicht-Ikone Richard III, kleide ihn in Sportkleidung der 1980er Jahre, verpasse ihm ein blaues Stirnband und ersetze seinen Hof und die damit verbundenen Machtkonstellationen durch den Fitnessclub Body­palace: Entstanden ist der Anti-Sportler Richy, um den sich das neue gleichnamige Theaterstück der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) drehen wird. Das Projekt feiert am 15. Januar um 21.30 Uhr im Fitnessstudio Sportsfactory Premiere.

Der unbeliebte und unsportliche Richy wittert nach dem mysteriösen Tod seines Großvaters, dem Inhaber des Bodypalace, seine große Chance, die Leitung des Fitnessclubs an sich zu reißen und sich damit die ihm verhassten Schönlinge, Bodybuilder und Aerobicfanatiker mit ihren hautengen Leggins und Bodys, die ihn für seine körperliche Schwäche verachten, untertan zu machen.

Songs der 80er-Jahre und Aerobic

Die Kernfrage des Stückes beschäftigt sich mit der Suche nach Schönheitsidealen und mit der Frage, wie viel Macht äußerlich und innerlich schöne und hässliche Menschen über ihre Umwelt erlangen können.

Zusätzlich bebildern bekannte Songs der 80er Jahre Richys Gedankenwelt und versetzen den Zuschauer zurück in die Zeit des Aerobic-Booms.

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Bild: Larissa Hamann

Die Souveränität und Überzeugung sowie der Elan, mit der die Darsteller ihre Rollen verkörpern, lässt kaum erahnen, dass dieses Stück unter traurigen und schwierigen Bedingungen entstanden ist.

Das letzte Werk von Felix Strasser

Denn "Richy" ist das letzte Stück, das der im Oktober vergangenen Jahres verstorbene Theatermacher Felix Strasser zusammen mit Studentin Dorit Binder entwickelt und geschrieben hat.

Der verstorbene Autor Felix Strasser
Bild: Oliver Hanser

Dass Aufgeben jedoch auch nach Strassers unerwartetem Tod nicht in Frage kommt, stand für Annika Stross, Dorit Binder und Benedikt Sienz recht schnell fest: "Uns war klar: Wenn wir das machen wollen, müssen wir das schnell beschließen. So ein Semester ist eben doch immer eine knappe Zeitspanne, um ein Stück einzuüben", begründete Sienz die zügige Entscheidung.

Auch alle anderen Beteiligten und Theaterinteressierten nahmen die Idee weiterzumachen sehr positiv auf. In kürzester Zeit schusterten Stross, Sienz und Binder ein Organisationsteam zusammen, schrieben das Stück zu Ende, begannen mit der Rollenverteilung und mit der Probenarbeit.

Wie groß aber die Lücke wirklich ist, die Felix Strasser im Team des HTWG-Theaters hinterlässt, wird den Organisatoren im Laufe der Zeit immer klarer: "Jetzt fällt auf einmal ganz extrem auf, wie viel Felix alles tun musste. Wir bekommen das jetzt mit 14 Leuten gerade so jongliert", stellt Regisseurin Annika Stross fest.

Strassers Konzepte fließen ins Stück ein

Die Frage, ob Felix Strasser mit der Umsetzung des Stücks wohl einverstanden wäre, schwingt in jedem Arbeitsschritt mit. So wollten die drei Organisatoren auch unbedingt das Grundkonzept Strassers, dass alle Schauspieler immer auf der Bühne sind, beibehalten.

Auch andere strassersche Bilder und Kniffe, die der Theaterpädagoge über die Jahre geprägt und immer wieder benutzt hat, sollten in das Stück einfließen. "Es war schön, das nochmal hochzuholen, alte Bilder anzuschauen – nicht um das künstlich draufzusetzen.

Aber ich habe gemerkt, dass ich viele Inszenierungskniffe als Spielerin sowieso schon mitgenommen habe. Das Grundgerüst ist seines, aber mit ganz viel von uns gefüllt", betont Stross.

Wie geht es mit dem Theater weiter?

Wie die Zukunft für das HTWG-Theater ohne Felix Strasser nach diesem Semester aussieht, kann noch keiner sagen. Die Doktorandin der Verfahrenstechnik an der HTWG Katrin Jödicke hatte sich nach Strassers Tod kurzfristig bereit erklärt, die akademische Leitung des Theaters zu übernehmen, um es als Teil des Studium Generale intakt zu halten: "Das war eine Notlösung, weil schnell jemand die Betreuung übernehmen musste und ich war eben die erste Person, die sich zur Verfügung gestellt hat. Aber es war von Beginn an klar, dass das erstmal nur bis zum Ende dieses Stücks so läuft".

Die Aufführung

Nach der Premiere wird das sportliche Stück "Richy" außerdem am 16., 18. und 19. Januar jeweils um 21 Uhr und am 20. Januar um 20 Uhr gezeigt. Der Andrang ist jedoch so groß, dass nur noch Karten für die Vorstellungen des 16. und 18. Januars verfügbar sind. Das Theater empfiehlt daher, Karten von Montag bis Mittwoch von 11.30 bis 14 Uhr in der Mensa der HTWG für sechs bis acht Euro zu erwerben, da die Abendkassen an den jeweiligen Spielabenden nur noch eventuelle Restplätze verkaufen werden.