Eigentlich müsste die Politik Ümit Dagdelen und Kay Brüggemann ziemlich dankbar sein. Mitten in der Debatte um die Zuschussforderungen des Campusfestivals hätten sich die beiden Veranstalter locker hinstellen und sagen können: „Wir hätten übrigens auch ganz gerne einige tausend Euro aus dem Stadtsäckel. Unser Festival ist für junge Leute mindestens so wertvoll wie das Campusfestival.“

Dagdelen und Brüggemann haben darauf verzichtet und der Politik damit eine schwere Entscheidung abgenommen. Statt zu jammern, haben sie einfach gemacht. Und das auf eine bemerkenswerte Weise. Heimlich, still und leise haben sie in den vergangenen Wochen und Monaten für ihr Doppelfestival Fresh-Open-Air (Freitag, 27. Mai, 16 Uhr) und Gute-Zeit (Samstag, 28. Mai, ab 14 Uhr) ein erstaunlich reifes und doch ziemlich innovatives Line-up auf die Beine gestellt. Mit Haftbefehl, OK Kid, Lexy & K-Paul und Moguai kommen echte Größen an den Bodensee.

Das ist auch deshalb außergewöhnlich, weil die Richtungen Elektro und Hip-Hop in den vergangenen Jahren im Livekonzertprogramm der Stadt eher, nun ja, marginal vertreten waren. Die Lücke, die es hier gab, haben Dagdelen und Brüggemann nun prominent besetzt.

Wir treffen Ümit Dagdelen wenige Tage vor Beginn des Festivals und sein Smartphone ist sein ständiger Begleiter: „Es gibt immer noch genügend zu tun“, sagt er. Anfragen hier, Nachfragen der prominenten Gäste hier. Langweilig wird dem Veranstalter in den Tagen vor dem Festival eher nicht mehr. Worüber er jetzt eigentlich gar nicht mehr reden will – die elende Zuschussdebatte. „Das ist für uns durch, wir blicken jetzt nach vorne“, sagt er nur.
 

Sehr wahrscheinlich ist das die richtige Einstellung. Was sollte alles Nachkarten auch bringen? Die Dinge sind wie sie sind. Fertig. Viel lieber redet Ümit Dagdelen, den viele in der Stadt auch als Party-DJ Unique kennen, über das Programm der Festivals. „Dass wir jetzt schon im zweiten Jahr des Bestehens auf zwei Tage erweitern, ist eigentlich ein logischer Schritt“, findet Dagdelen.

Die Rückmeldungen auf die erste Auflage im vergangenen Jahr seien durchweg positiv gewesen, 2000 Besucher kamen damals ins Bodenseestadion zum Gute-Zeit-Festival. Es war so etwas wie das erste Elektro-Open-Air der Stadt. Mit dem Fresh-Open-Air bekommt das Elektrofestival nun eine etwas verzogene und derbere Schwester an die Seite gestellt: Interpreten wie eben der deutsch-türkische Rapper Haftbefehl geben da den Ton vor. Seine Texte sind rau, er arbeitet mit den üblichen Hip-Hop-Klischees und rappt über sein Leben zwischen Drogen und Waffen in einem kleinkriminellen Milieu. Bei den Fans kommt das an: Seine Alben landeten zuletzt locker in den Top-Ten des Landes.

Für weniger Hau-drauf- und klügeren Zeitgeist-Hip-Hop stehen OK Kid aus Gießen. Mit Songs wie „Kaffee warm“ oder „Gute Menschen“ sind die drei Jungs regelmäßige Gäste in den Charts des österreichischen Jugendsenders FM4. Motrip, Romano, Sxtn und ein Überraschungsgast komplettieren das Programm des Hip-Hop-Festivals. Auch das Gute Zeit hat mit Lexy & K-Paul, Moguai und Oliver Huntemann internationale Prominenz zu Gast.
 


Promo-DJ Set für das Gute Zeit-Festival von dem Konstanzer Chris Pascott