Von der ersten Idee bis heute: Die Chronologie

  • März 2013: Erstmals berichtet der SÜDKURIER über die Pläne von Stadt Konstanz und IHK Hochrhein-Bodensee, die leerstehende Immobilie der Firma Centrotherm am Seerhein gemeinsam zu kaufen. Davor gab es bereits jahrelange Debatten über verschiedene Ideen für ein Konzert- und Kongresshaus.
  • Mai 2014: Der Gemeinderat beschließt mit 32 Ja-Stimmen, drei Enthaltungen und drei Nein-Stimmen den Kauf des Gebäudeteils durch die Stadt. Die Kosten werden mit 12,3 Millionen Euro brutto für Kauf und Umbau plus 3,8 Millionen Euro für die Einrichtung angegeben. 2018 soll das Haus laut Businessplan im Betrieb schwarze Zahlen schreiben.
  • August 2014: Stadt und IHK unterzeichnen den Kaufvertrag. Als Eröffnungstermin nennt die Stadt den Juli 2016. An der Kostenberechnung wird zunächst festgehalten. In einer Pressemitteilung der Stadt Konstanz heißt es wörtlich: "Damit wird ein langer Traum für Konstanz wahr."
  • Juni 2015: Die Stadt nennt als neuen Eröffnungstermin den November 2016, der Kostenrahmen sei weiterhin eingehalten.
  • Juni 2016: Nachdem neue Zahlen vorliegen, wird erstmals klar, dass ein profitabler Betrieb des Haues kaum vor 2022 zu erwarten ist. Ein Grund sind die Abschreibungen.
  • Oktober 2016: Das Bodenseeforum wird feierlich eröffnet. OB Uli Burchardt betont, der Kauf der Immobilie sei eine "historische Chance" gewesen.
  • März 2017: Der Betriebsausschuss diskutiert die ersten Wirtschaftszahlen zum Betrieb des Hauses. In den zwei Monaten des ersten Betriebsjahres beträgt das Defizit statt der geplanten 0,9 Millionen Euro nun knapp 1,7 Millionen Euro. Für 2017 gebe es eine "positive Prognose".
  • Juni 2017: Die Stadtverwaltung erklärt: "Die neuen Prognosen gehen für 2017 von einem Defizit von 2.468.000 Euro aus. Im Wirtschaftsplan ist ein Defizit von 943.000 Euro ausgewiesen. Das ergibt eine Abweichung von 1.525.000 Euro."
  • November 2017: Neue Zahlen zur Mittelfrist-Planung sagen bis 2021 ein Defizit von rund zwei Millionen Euro pro Jahr voraus. Damit läge der städtische Zuschuss für die ersten gut fünf Betriebsjahre inklusive Abschreibungen bei rund zwölf Millionen Euro.
  • Februar 2018: Auf der Gemeinderats-Tagesordnung steht der Punkt "Aufarbeitung der wirtschaftlichen Entwicklung des Bodenseeforums", tags darauf soll eine Klausurtagung die Zukunft des Hauses klären.
  • März 2018: Geschäftsführer Lohmar berichtet: Konstanz konnte eine Tagung im Bodenseeforum nicht ausrichten, weil es in der Stadt an Hotelbetten fehlte.
  • Dezember 2018: Die Bestätigung: Das Bodenseeforum wird wohl zwei Millionen Euro Verlust machen - jedes Jahr bis 2022. Es mehren sich die Stimmen zum Ausstieg.

Ein Oberbürgermeister, ein Berater und drei Geschäftsführer: Wer welche Rolle spielte

Uli Burchardt, Oberbürgermeister: Noch im ersten Amtsjahr nach seiner Wahl im Sommer 2012 berät er mit der IHK den gemeinsamen Kauf der Centrotherm-Immobilie in bester Seelage. Als Chef der Stadtverwaltung und Vorsitzender des Gemeinderats trägt er wesentliche politische Verantwortung für das Projekt. Er hoffte, nach zwei vergeblichen Anläufen für ein Konzert- und Kongresshaus auf Klein Venedig unter Vorgänger Horst Frank, ein solches Haus für Konstanz verwirklichen zu können. Auf die immer lautere Kritik an dem Projekt reagiert er bisweilen empfindlich und appelliert, die Erfolgschancen nicht durch Schwarzmalerei zu schmälern.

Michel Maugé, Berater: Maugé gilt als Vater des Erfolgs des Congress Center Rosengarten Mannheim. Er ist seit Jahren als Berater für Kongresshäuser tätig. Die Stadt Konstanz hat er bereits bei dem 2011 durch Bürgerentscheid gekippten Klein-Venedig-Projekt unterstützt. Er gilt als Autor der ersten Businesspläne, die 2014 eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für den Gemeinderat sind. Ein profitabler Betrieb innerhalb weniger Jahre bei knappster Personalausstattung ist ein Motiv vieler Politiker, für das Projekt Bodenseeforum zu stimmen. Als bald nach der Eröffnung unter anderem bemängelt wird, es gebe zu wenige Toiletten, weist er das brüsk zurück.

Thomas Karsch, Gründungs-Geschäftsführer: Der promovierte Volkswirt Thomas Karsch wird vom Gemeinderat der Stadt Konstanz am 12. Mai 2016 zum ersten Geschäftsführer des Bodenseeforums gewählt. Die Verwaltung teilt mit, er habe "langjährige berufliche Erfahrung in leitender Funktion in Wissenschaft und Wirtschaft." Doch schon zwei Wochen nach der Eröffnung fällt er wegen Krankheit aus. Der Gemeinderat beschließt im November 2016 in nicht-öffentlicher Sitzung die Trennung von Thomas Karsch. Sie wird teuer – weil keine Probezeit vereinbart ist, muss die Stadt Konstanz eine Abfindung in sechsstelliger Höhe bezahlen.

Friedhelm Schaal, Interims-Geschäftsführer: Im Hauptjob ist er seit vielen Jahren der Leiter der Konstanzer Wirtschaftsförderung, einer direkt beim OB angekoppelten Stabsstelle. Weil von Anfang an er eng in das Projekt Bodenseeforum eingebunden war, übernimmt er auf Bitte von OB Burchardt nach Karschs überraschendem Ausscheiden zusätzlich die Geschäftsführung des Bodenseeforums. Nach anfänglich optimistischen Zahlen muss er mehrfach erklären, dass die Lage deutlich weniger rosig als angenommen. In öffentlicher Sitzung des Betriebsausschusses Bodenseeforum am 14. März 2017 sagt er, die Aufgabe führe ihn bis an seine Grenzen.

Jochen Andrew Lohmar, Geschäftsführer: Nach der Wahl im Mai 2017 tritt er zum 1. Juli seine Aufgabe als erster längerfristiger Geschäftsführer des Bodenseeforum Konstanz an. Er war zuvor in Berlin selbstständig im Bereich Tagungen tätig, nachdem er 13 Jahre lang das Tagungs- und Kongresszentrum des genossenschaftlichen Finanzverbundes am Brandenburger Tor geleitet hatte. Er weiß von Beginn an, dass die Zahlen bei weitem nicht den Erwartungen entsprechen. Er setzt vor allem auf der Einnahmenseite an und engagiert sich für die Gewinnung zusätzlicher Kunden.

Ruth Bader, Geschäftsführerin: Am 1. März 2019 übernahm sie das Bodenseeforum, Zuvor hatte sie den Eigenbetrieb Konzilstadt geleitet.