Stadtwerke-Chef Norbert Reuter über...

...den Erfolg des Konstanzer Busnetzes:

"Zunächst einmal ist unser Bussystem überdurchschnittlich erfolgreich. Wir haben 85.000 Einwohner und haben über 13 Millionen Fahrgäste. Die Fahrten pro Einwohner sind bei uns überdurchschnittlich hoch, weil auch das Angebot sehr hoch ist. Die Erlöse aus den Fahrscheinverkäufen hingegen ist deutlich unterdurchschnittlich. Das zeigt uns: Wir haben ein sehr gutes Angebot und ein attraktives Preisgefüge."

...über ein mögliches Kurzstreckenticket:

"Derzeit wird ja darüber diskutiert. Da wird immer gesagt, dass man für drei Stationen 2,50 Euro zahlen muss. Kein Mensch redet davon, dass man für denselben Betrag vom Bahnhof bis nach Wallhausen fahren kann. Das geht in kaum einer anderen Stadt.

Das Kurzstreckenticket wird kommen bis zum zweiten Halbjahr. Das kann man über das Smartphone steuern. Drei Stationen von der Altstadt nach Petershausen sind natürlich kürzer als vom Bahnhof nach Dettingen. Das Thema Gerechtigkeit war ein großes. Das Kurzstreckenticket fürs Smartphone ist eine einfache und gerechte Lösung."

...über mögliche Zonentickets:

"Das scheidet aus, weil die damaligen Eingemeindungsverträge sagen, dass das, was für die Kernstadt zählt, auch für die Ortsteile gelten muss."

...die Zahl der Schifffahrtsgäste aus Konstanz:

"Es gab mal eine Umfrage unter 1500 Befragten, das war aber nicht repräsentativ angesichts von mehr als zwei Millionen Passagieren. Jetzt haben wir das in professionelle Hände gegeben. Die Uni, die schon bei der Fähre eine ähnliche Umfrage gemacht hat, wird das machen mit 10.000 Befragten."

...Konstanzer als Zielgruppe in der Schifffahrt:

"Wir brauchen den Touristen, der beispielsweise von Konstanz nach Bregenz fährt, um dort auf den Pfänder zu gehen. Wir brauchen aber auch den Einheimischen, der am Wochenende oder mal am Abend nur für kurze Zeit auf den See möchte. Für diese Menschen brauchen wir attraktive Angebote, ein Ergebnis ist die Summer Lounge im Konstanzer Hafen."

...die Idee eines Kreuzfahrtschiffs auf dem Bodensee:

"Bestrebungen, Hotelschiffe fahren zu lassen, gab es immer mal wieder. Das hat man dann schnell sein lassen. Das Potenzial war zu niedrig. Aber ansonsten wird sich die Gastschifffahrt nicht revolutionär verändern. Wir haben unser Portfolio angesichts der Wünsche und Ansprüche unserer Gäste geändert.

Als ich anfing, war die Samstagabend-Tanzfahrt mit Menü das Highlight – das kriegen wir heute nicht mehr los. Heute ist Party angesagt. Lange wollen die Menschen nicht mehr an Bord, lieber kurz und intensiv. Die Schifffahrt wird sich so entwickeln, wie die Gäste es wollen."

...Torture-Ship und SM-Schiff als Werbung für die Schifffahrt auf dem See:

"Das Torture-Ship gibt es ja noch. Das ist zwar Werbung, aber ob das unsere Zielgruppe anspricht oder eher abschreckt, sei jetzt mal dahingestellt. Es hat uns überregional aber Aufmerksamkeit gebracht. Ich sage immer: Schifffahrt lässt sich nicht digitalisieren und nach Osteuropa oder China auslagern.

Ich kann das nur hier erleben. Wenn wir auf den Schiffen sind, bestätigt sich das: Wenn man da sitzt, seine Ruhe hat und der Puls geht nach unten, dann ist das ein Erlebnis, das es schon vor 100 Jahren so gab und das es noch in 100 Jahren geben wird. Das können sie nicht durch ein Youtube-Video ersetzen."