Die Erwartung ist mit Händen zu greifen: Gut gelaunt streben die Menschen dem großen Zirkuszelt aus Klein Venedig entgegen. Ungeduldige Kinder und gespannte Erwachsene betreten am nostalgischen Kassenwagen eine andere Welt. Circus Krone ist in der Stadt. Dass dies das letzte große Gastspiel in Konstanz sein könnte, bei dem Löwen oder Elefanten in der Manege zu bestaunen sind, spielt nur am Rande eine Rolle. Proteste von Tierschützern sind nicht zu entdecken. Aber am Ausgang steht Martin Lacey junior, der Dompteur hat gerade für seine Nummer mit 26 Raubkatzen zugleich in der Manege großen Beifall erhalten. Er bittet um Unterschriften für eine Petition gegen ein Wildtierverbot in Zirkussen.

Lachen, Staunen, Träumen – für diese drei Ziele hat Chefin Christel Sembach-Krone ihre Künstler sorgsam ausgewählt. Los geht es mit dem Lachen, Petra und Roland Duss bringen eine Comedy-Nummer mit drei Seelöwen, die regelrecht Spaß zu haben scheinen an ihren Bällen. Die sechs Elefanten, die Jana Mandana und James Puydebois in die Manege führen, reagieren schon auf kleinste Kommandos und tragen ihre Reiterinnen erstaunlich grazil durchs Rund. Eng gezäumt die Pferde: Zehn wunderschöne schwarze Nonius-Hengste arbeiten sich gemeinsam mit Junior-Chefin Jana Mandana diszipliniert durch die Nummer.

Und dann Martin Lacey, dessen Raubtiernummer ein beeindruckendes Zeugnis von Vertrauen und Charakterstärke ist. Die Sympathien fliegen den sechs weißen Löwen zu, die vor vier Jahren beim vorigen Krone-Gastspiel in Konstanz geboren wurden. Lacey beherrscht seine Sache, erhebt sich über die Wildheit der Tiere und strahlt zugleich aus, wie sehr er diese gewaltigen Raubkatzen liebt. Das Publikum – das riesige 4000-Plätze-Zelt ist zur Nachmittagspremiere leider nur zu einem Viertel gefüllt – schwankt zwischen atemloser Stille und lautstarkem Beifall. Am Ende bricht sich Applaus Bahn, der Respekt gilt den Tieren und ihrem Partner gleichermaßen. Die überraschendste Nummer im Programm bringen Alessio und seine Vögel. Aras, Mini-Papageien und ein Kakadu flattern frei durch das Zelt, die Zuschauer kommen aus dem Staunen kaum heraus, wie die Tiere stets wieder zurückkommen, auf Kommando die Plätze an den Sitzstangen tauschen und synchron zur Musik sogar einen Umschwung machen wie ein Turner am Reck.

Auch die Artisten erwecken Staunen. Die Truppe Khadgaa aus der Mongolei hat das harte Krone-Casting geschafft, sie mischen pure Kraft (250 Kilogramm heben) mit Anmut. Hoch oben im Trapez bietet die Gruppe Zuniga mit ihren Kunststücken Nervenkitzel, Höhepunkt ist ein dreifacher Salto Mortale mit verbundenen Augen. Ebenso halsbrecherisch wirkt, was Crazy Wilson an einem Gerät zeigt, das wohl nicht umsonst Todesrad heißt. Spielerisch stolpert er auf dem drehenden Rad in luftiger Höhe, macht ebenfalls einen Salto Mortale und kommt dann doch wieder heil unten im Sägemehl der Manege an.

Die Qualität zeigt sich dabei nicht nur in den spektakulären Darbietungen, sondern gerade in einem Zirkus-Standard, der so oft nicht mehr richtig zünden mag. Doch die Clown-Nummern von Fumigalli und Daris wirken frisch, die beiden blödeln, ohne peinlich zu sein. Mehr noch gilt das für die vielleicht beste Entdeckung des Abends: Tonito Alexis, der junge – und wie alle anderen Künstler des Pogramms preisgekrönte – Weißclown, spielt Trompete und Saxophon, transportiert jene unvergleichliche Mischung aus Melancholie und Lebensfreude, die weit über schnelle Comedy und schieres Geblödel hinausgeht. Das ist hohe Kunst.

Nach drei Stunden entlässt der Circus Krone seine Gäste wieder in die Realität. Ja, sie haben gelacht, gestaunt und geträumt. Sie haben den strengen Geruch der Löwen erlebt, die Aras über ihre Köpfe fliegen gespürt, das Muskelspiel der Pferde wahrgenommen, haben ihr Adrenalin mit den Artisten und ihre Sympathie mit den Clowns geteilt. Alles live und mit allen Sinnen – das kann nur Zirkus. Wenn er so gut ist wie Krone.

Weitere Informationen unter: www.circus-krone.de

Die Vorstellungen

Der Circus Krone präsentiert sein dreistündiges Programm bis einschließlich Montag, 18. Juli, auf dem Festplatz Klein Venedig direkt am See. Die Vorstellungen beginnen von Mittwoch bis Samstag jeweils um 15.30 und 20 Uhr, am Sonntag um 11 und 15 Uhr, am Montag nur um 15.30 Uhr. Eintrittskarten zum Preis von 23 bis 48 Euro (Kinder, Schüler, Studenten und Rentner ermäßigt) gibt es direkt an der Kasse, die ab 10 Uhr geöffnet ist, oder über die Internetseite des Circus. (rau)