„Der Deutsche hat ein zwiespältiges Verhältnis zum Baum: Man liebt ihn, aber wenn er zu groß ist, fürchtet man, dass er umstürzt und will ihn deshalb fällen.“ Christel Thorbecke ist dennoch optimistisch, dass die Eigentümer von Privatgärten sich in großer Zahl an der Aktion der Stadt „Klimabäume für Konstanz“ beteiligen werden: Im März werden die Bäume samt Pflanzanleitung per Lastenrad kostenlos angeliefert.

Eine streitbare Baumschützerin

In ihrem Kampf hat die streitbare Baumschützerin auch eine herbe Niederlage einstecken müssen. Noch heute schmerzt die 71-Jährige angesichts des „gefällten Turnschuhbaumes das Erlebnis der Machtlosigkeit“. Dagegen denkt sie stolz daran zurück, wie es ihr mit anderen Mitstreitern gelang, einen weiteren Kahlschlag in der Pappelallee im Tägermoos zu verhindern. Auch aus diesem Grund will sie als frisch gebackene Gemeinderätin die Kommunikation zwischen Bürgern und der Verwaltung verbessern.

Da stand er noch, der Turnschuhbaum, am 13. Februar 2018: Um 8.34 Uhr sägten die Facharbeiter bereits an ihm. In dem Baum hingen Turnschuhe, deshalb der Name.
Da stand er noch, der Turnschuhbaum, am 13. Februar 2018: Um 8.34 Uhr sägten die Facharbeiter bereits an ihm. In dem Baum hingen Turnschuhe, deshalb der Name. | Bild: Zieger, Philipp

Thorbecke: Stadt behandelt Bürger ignorant

Denn immer noch werden ihrer Ansicht nach „Menschen, die sich mit einem Anliegen an die Stadt wenden, ignorant behandelt.“ Eine weitere Herzensangelegenheit ist für sie der Schutz von Fußgängern und Fahrradfahrern. Hier verweist sie auf Kreuzungspunkte wie am Konzil oder vor dem Theater, wo sich Radler und Fußgänger in die Quere kommen. Hier und in anderen neuralgischen Bereichen schlägt sie vor, den Autofahrern eine Spur zu nehmen, um wie am Rheinsteig den Raum für Radler und Fußgänger zu erweitern.

Das ist vom Turnschuhbaum übrig geblieben.
Das ist vom Turnschuhbaum übrig geblieben. | Bild: Rindt Claudia

Ärgerliches Warten an Fußgängerampeln

Und da sie das lange Warten an Fußgängerampeln stört, plädiert sie dafür, manche Ampeln durch Zebrastreifen zu ersetzen. Ihre persönliche Umweltbilanz bewertet Thorbecke weitgehend positiv. Die leidenschaftliche Fußgängerin und Radfahrerin fliegt „so gut wie nie“ und ihren Garten pflegt sie nach dem Prinzip des „Lazy Gardening“ (wörtlich: faules Gärtnern), sprich: sie greift erst ein, bevor sie den Wildwuchs nur noch mit einer Machete bekämpfen kann. Vielstimmiges Summen und Zwitschern sind ihr dafür im Sommer als Dank gewiss.

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Zwölf Jahre Stadträtin in Darmstadt

Christel Thorbecke ist zwar neu im Gemeinderat; sie rückte kürzlich für Elisa Coccorese nach, die einen Studienplatz in Neuseeland annimmt. Aber unerfahren ist die seit 33 Jahren bei den Grünen aktive Politikerin beileibe nicht. Schon in ihrer Zeit in Darmstadt, wo sie an einer Gesamtschule unterrichtete, saß sie zwölf Jahre lang im Stadtrat, und wer im Archiv des SÜDKURIER stöbert, entdeckt auf manchem Demo-Foto aus den 1968-ern die gebürtige Konstanzerin. Seit ihrem Ruhestand lebt sie wieder in Konstanz, und nun endlich wird ihr „Traum vom Einzug ins Rathaus“ wahr.