Anfang des Jahres waren laut Bundesverband Carsharing hierzulande fast 2,5 Millionen Kunden bei einem der verschiedenen Angebote angemeldet, das sind 350.000 mehr als im Vorjahr.

Auch die Stadt Konstanz setzt – neben dem Fahrradmietsystem Konrad und dem Wasserbus – auf dieses alternative Mobilitätsangebot

Derzeit sind hier drei Anbieter tätig, bei denen Nutzer Fahrzeuge buchen können: Ökostadt Konstanz, Stadtmobil Südbaden und Car-ship. Dabei handelt es sich um sogenanntes stationsbasiertes Carsharing, bei dem jedes Fahrzeug einen festen Stellplatz hat, an dem es ausgeliehen und zurückgegeben wird. 29 Fahrzeuge stehen an mehr als 20 Stationen zur Verfügung. Laut einer Pressemitteilung der Stadt ist ein stationsunabhängiges Carsharing ohne örtlich festgelegte Abhol- und Rückgabestellen „angesichts des Stellplatzmangels insbesondere in der Kernstadt ein für Konstanz ungeeignetes Modell“.

Wo stehen die Autos bereit?

Bisher befinden sich die Stellplätze entweder auf Privatgrundstücken oder auf Flächen der Stadt, die nicht öffentlich gewidmet sind. Die städtischen Flächen sind an die Carsharing-Anbieter vermietet. Laut der Stadt sind bei der Aufstellung neuer Bebauungspläne spezielle Flächen für Carsharing vorgesehen, etwa bei Paradies II, Teil B und Brühläcker in Dettingen.

Unsere Karte zeigt die Standorte der drei Anbieter:

Ökostadt Konstanz: "Die Stadt hält meist nur Sonntagsreden"

„Die Parkplätze waren schon immer ein Problem. Die Frage war immer: Wo kriegen wir ein neues Fahrzeug unter?“, sagt Bernhard Wittlinger, der 1992 Ökostadt Konstanz mitgegründet hat. Bei der Neugestaltung des Lutherplatzes etwa habe der Verein sich beim Rechts- und Ordnungsamt erkundigt, ob nicht zwei der neuen Parkplätze für Carsharing angeboten werden könnten.

Daraus wurde aber nichts. „Das sind meist nur Sonntagsreden bei der Stadt“, sagt Wittlinger, der im Paradies wohnt und nach eigener Aussage nur zwei- bis dreimal im Jahr ein Auto benötigt. „Alles andere erledige ich zu Fuß oder mit dem Rad“, erklärt er, „es lohnt sich für mich nicht, mir ein teures Auto zu leisten.“

Für ihn und seine Mitstreiter wäre es wichtig, noch mehr Abstellmöglichkeiten für ihre Autos zu haben. „Konstanz ist schon an der Grenze des Erträglichen. Die Stimmung kippt“, sagt Bernhard Wittlinger und schlägt einen „Generalparkschein“ für Carsharer in der Innenstadt vor. „Der müsste nicht umsonst sein“, sagt er.

Car-ship: "Wir würden in Konstanz gern jedem im Umkreis von 1000 Metern eine Möglichkeit bieten"

Auch Gisela Gloger von Car-ship meint: „Jeder Stellplatz hilft. Gerade Elektroautos wären im innerstädtischen Bereich passend.“ Mit ihrem jungen Unternehmen hat sie die Vision, auch auf dem Bodanrück und in den dortigen Dörfern flächendeckend vorzugehen. „Wir würden gerne in einem Umkreis von 1000 Metern eine Carsharing-Möglichkeit anbieten“, sagt sie, „da fehlen noch viele.“

Die rechtlichen Hürden – und wie die Stadt nun den Carsharing-Anbietern entgegenkommen will

Die Stadt erklärt in ihrer Mitteilung, dass das Reservieren von Stellplätzen im öffentlichen Straßenraum für Carsharing bisher rechtlich nicht zulässig gewesen sei. „Zwar wurde bereits 2017 das Gesetz zur Bevorrechtigung des Carsharing erlassen, dessen Anwendung war aber noch nicht möglich, da die Ausführungsvorschrift des Landes fehlte“, schreibt die Stadt.

Am 16. Februar trat nun die Änderung des Landesstraßengesetzes Baden-Württemberg in Kraft, die einen neuen Paragraphen beinhaltet, der Carsharing an Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen regelt. Künftig können den Anbietern Flächen im öffentlichen Straßenraum zur ausschließlichen Nutzung als Carsharing-Stellplatz zur Verfügung gestellt werden.

Die Verwaltung der Stadt werde auf dieser Grundlage ein Auswahlverfahren und Auswahlkriterien erarbeiten. „Gegebenenfalls ist eine Anpassung der Sondernutzungssatzung der Stadt erforderlich“, heißt es in der Mitteilung. Die Stellplätze für Carsharing sollen an gut wahrnehmbaren Standorten vorgesehen werden, an denen möglichst auch Ladestationen für Elektrofahrzeuge installiert werden können.

Dem Gemeinderat werde voraussichtlich noch dieses Jahr ein Vorschlag zu den Carsharing-Standorten und zum Auswahlverfahren für Stellplätze zum Beschluss vorgelegt. „Ich freue mich, dass die Stadt von sich aus etwas macht“, sagt Bernhard Wittlinger. Für ihn ist dies aber nur der erste Schritt: „Schöner und sinnvoller wäre es, vorher mit uns Anbietern zu reden.“

So funktioniert Carsharing

  • Beim Anbieter anmelden
  • Nachweis der Fahrerlaubnis
  • Gegebenenfalls Kaution bezahlen
  • Buchen
  • Losfahren

Anbieter in Konstanz sind: