Konstanz Café Mondial freut sich über die neue Basis

Ende Oktober packen Konstanzer und Flüchtlinge gemeinsam an: Schon der Umbau des Sozialgebäudes soll die Begegnung ermöglichen. Bis 2019 darf der Verein den Zweckbau nutzen.

Der Verein Café Mondial will das Sozialgebäude im Palmenhauspark so schnell wie möglich nutzen und den Zweckbau in eine Begegnungsstätte mit und für Flüchtlinge umwandeln. Dirk Kirsten, der sich als Vorstand des Vereins engagiert, zeigte sich am Mittwoch zuversichtlich, dass es noch in diesem Jahr losgehen könnte. Zugleich dankte er dem Gemeinderat, der den seit vielen Jahren versprochenen Abriss des Gebäudes um weitere drei Jahre hinausgeschoben hatte. Nach dem Beschluss ist die Nutzung bis maximal Ende 2019 möglich, Café Mondial soll bis dahin auch Unterstützung bei der Suche nach einer dauerhaften Bleibe erhalten.

Schon der anstehende Umbau – er soll nach letzten Abstimmungen mit der Stadtverwaltung Ende Oktober beginnen – sei ein „Teil des Projekts“, bei dem von Beginn an Flüchtlinge eingebunden seien, erklärt Dirk Kirsten. Das Angebot von Café Mondial sei ohnehin nichts Festgefügtes, sondern sei vom Wandel und der Anpassung an immer neue Fragen und Aufgaben gekennzeichnet. Daher geht auch die On-Tour-Reihe zunächst weiter. Im Oktober ist Café Mondial im Foyer der Universität, in Hedickes Terracotta und im Quartierszentrum Berchen-Öhmdwiesen zu Gast. Wer das Café, seine Akteure und Flüchtlinge kennenlernen will, hat dazu auch jetzt am Sonntag, 4. Oktober, Gelegenheit: Café Mondial gestaltet das Finale der Interkulturellen Woche von 13 bis 17 Uhr im Rathaus-Innenhof.

Mit seinem Beschluss, die Nutzung des Sozialgebäudes bis 2019 zu begrenzen, hatte sich der Gemeinderat überraschend über das Votum des Technischen und Umweltausschusses hinweggesetzt. 18 Stadträte hatten für die Befristung gestimmt, 17 dagegen. Zuvor hatte Martin Wichmann, Vizechef des Amts für Stadtplanung und Umwelt eindringlich darauf hingewiesen, dass die Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit der Verwaltung auch gegenüber der Bürgergemeinschaft Paradies auf dem Spiel stehe. Das sei „nicht geleitet von Drohungen mit oder Ängsten vor Klagen“, sondern eine rechtliche und politische Verpflichtung. Man habe die Sache auch mit der Frist von drei Jahren „vielleicht sogar überreizt“.

SPD-Fraktionsvorsitzender Jürgen Ruff sprach von eine „illegalen Situation“, dass das Sozialgebäude nicht längst abgerissen sei. Sabine Feist (CDU) warnte, im Paradies werde es noch enger, wenn das Döbele bebaut sei. Da sei es umso wichtiger, die Anwohner mit ihren Sorgen ernst zu nehmen. Johannes Kumm (SPD), früherer Chef des städtischen Hochbau- und Liegenschaftsamts, warnte, eine Nutzung über 2019 hinaus würde hohe Investitionen erzwingen. Wolfgang Müller-Fehrenbach prangerte gar den Versuch der „vorsätzlichen Bürgertäuschung“ an. Peter Müller-Neff (Freie Grüne Liste) gehörte zu den Gegnern der Befristung und sagte: „Ersatz müssen Sie erst mal finden.“ Auch Anselm Venedey (Freie Wähler) warnte vor den Unsicherheiten beim Thema Flüchtlinge: „Nichts ist wirklich vorhersehbar, was in dem Bereich noch passieren wird.“ Holger Reile, dessen Linke Liste sich als erstes für Café Mondial eingesetzt hatte, sagte, es sei „fahrlässig, das in ein temporäres Fenster zu pressen“.
 

Nächste Termine

Hier kann man Menschen und Ideen von Café Mondial kennenlernen:

Sonntag, 4. Oktober, 13 bis 17 Uhr: Finale zum Abschluss der Interkulturellen Woche, Rathaus-Innenhof.

Freitag, 23. Oktober, 13 bis 18 Uhr: Veranstaltung b-welcome@café-mondial im Foyer der Universität.

Donnerstag, 29. Oktober, 16 bis 19 Uhr: Café Mondial spielt, Hedicke's Terracotta, Luisenstraße 9.

Samstag, 31. Oktober, 15 bis 20 Uhr: Café des Femmes (nur für Frauen), Quartierszentrum Berchen-Öhmdwiesen, Allensteiner Straße 1b.

 

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