Der Businesspark will sich erweitern und macht bei einem großen Projekt gemeinsame Sache mit der Spitalstiftung. Für das Gebiet Weiherhof Nord sind die Entwürfe für eine Bebauung mit Büro-, Wohn- und Apartmentgebäude sowie ein Pflegeheim fertig. Baubeginn des ersten Abschnitts soll bereits im Frühjahr 2018 sein.

  1. Was ist beim Bürogebäude geplant? Hier wird ein weiterer Teil von Petershausen, im Westen am Rand zum Industriegebiet, sein Gesicht erheblich verändern. Wo heute noch Parkplätze und Brachflächen sind, entsteht schon bald eine intensive Bebauung. Die Business Konstanz GmbH hatte bereits einen Wettbewerb für ein Bürogebäude mit rund 7500 Quadratmetern Nutzfläche ausgelobt, als Sieger ging das Münchner Architektur- und Stadtplanungsbüro Bogevisch hervor. Die ersten drei Sieger seien eingeladen worden, an einem folgenden Wettbewerb teilzunehmen, erklärt Markus Imholz. Er ist Geschäftsführer des Businessparks, der aktuell etwa 25 000 Quadratmeter Büroflächen an Unternehmen vermietet. Bei dem zweiten Wettbewerb ging es darum, ein Konzept für die Bebauung des restlichen Areals mit Pflegeheim und Wohnungen zu erarbeiten. Auch hier hat Bogevisch das Rennen gegen 23 Konkurrenten gemacht.
    Eine Jury hat die anonymen Einsendungen bewertet, am Ende wurden die Namen hinter den Arbeiten gelüftet.

  2. Wem gehört das Areal? Die Kooperation mit der Spitalstiftung kommt deshalb zustande, weil das Gelände in Eigentum von Businesspark (mehrheitlich), Stiftung und Stadt ist. Der Businesspark wolle sich öffnen, erklärt Markus Imholz. Bislang sei er ein geschlossener Industriebereich. Das neue Gebäude im Osten solle getrennt vom Park gesehen werden mit einem öffentlichen Zugang, erklärt der Geschäftsführer. Interessenten für einen Bezug gebe es bereits. Darunter seien bereits bestehende Mieter, die größere Flächen suchten, zudem sollen laut einer Pressemitteilung der Spitalstiftung Arztpraxen und Räume für Physiotherapeuten integriert werden. An den zur Bahnlinie hin siebenstöckigen Bau schließe sich südlich ein zweistöckiger Bau mit Dachterrasse an. Der zweite Planungsabschnitt beinhaltet einen lang gezogenen Gebäuderiegel entlang der Bahngleise. Dieser soll etwa 90 Mikrowohnungen in der Größe von 25 bis 55 Quadratmeter vorhalten. Dahinter verbirgt sich ein "Wohnen auf Zeit". Studenten, Beschäftigte auf Wohnungssuche oder der vorübergehend an einem Krankenhaus arbeitende Arzt, nennt Imholz als Beispiele, könnten sich einmieten – bei Bedarf mit einem vollen Dienstleistungsservice unter anderem mit Wäsche- und Raumreinigung.
    So sieht der Entwurf aus. Links oben ist der neue Bürokomplex mit sechsstöckigem Gebäude zur Bahnlinie hin und einem südlich angrenzenden zweistöckigem Haus. Im Riegel entlang der Bahnline entstehen Wohnungen, ebenso in den zwei fünfeckigen nebeneinander stehenden Gebäuden. Unten rechts innerhalb des begrünten Bereichs ist das Pflegeheim zu sehen, rechts daneben das bestehende Kinderhaus Dorothea von der Flüe. Bild: Spitalstiftung
    So sieht der Entwurf aus. Links oben ist der neue Bürokomplex mit sechsstöckigem Gebäude zur Bahnlinie hin und einem südlich angrenzenden zweistöckigem Haus. Im Riegel entlang der Bahnline entstehen Wohnungen, ebenso in den zwei fünfeckigen nebeneinander stehenden Gebäuden. Unten rechts innerhalb des begrünten Bereichs ist das Pflegeheim zu sehen, rechts daneben das bestehende Kinderhaus Dorothea von der Flüe. | Bild: Spitalstiftung

  3. Gibt es auch Wohnraum für Konstanzer? Etwa 150 Wohnungen werden auf dem gesamten Gelände entstehen. Es werden, sagt Markus Imholz, nicht nur vorübergehend anmietbare Apartments sein.
    In zwei fünfeckigen Gebäuden entstehen den aktuellen Entwürfen zufolge 60 weitere Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen. Hier könnten Einheimische zum Zug kommen. Der Businesspark will die Vorgabe nach dem Handlungsprogramm Wohnen der Stadt erfüllen und Wohnraum für Menschen mit geringerem Einkommen anbieten. Ob es auch die Möglichkeit zum Kauf geben wird, darüber gebe es noch keine Entscheidung, erklärt Markus Imholz. Fest stehe aber: Mit den Neubauten werde eine Unterführung zum auf der anderen Seite liegenden Siemens-Areal errichtet, wo ebenfalls ein ganz neues Wohnquartier entstehen wird.

  4. .Was macht die Spitalstiftung? Der Anteil des Businessparks am Gesamtprojekt macht laut Markus Imholz etwa zwei Drittel aus. Bei der Absicht der Spitalstiftung ist es geblieben, auf Weiherhof Nord ein Pflegeheim mit 75 Plätzen zu bauen. Hierfür setzt die Stiftung eine Spende über 500 000 Euro einer Konstanzer Familie ein. Das Heim soll nach dem Hausgemeinschaftsprinzip geplant und betrieben werden: Bewohner leben in Gruppen zu je 15 Personen und werden von festen Bezugspersonen betreut. Es seien Räume für fünf Wohngruppen geplant, heißt es in einer Pressemitteilung. Das Konzept sieht große Essküchen vor, die gemeinsam genutzt werden können. "Unsere Vorstellungen sind von den Architekten aufgegriffen worden und spiegeln ein modernes Leben im Alter auf hervorragende Weise wider", erklärt Stiftungsleiter Andreas Voß. Die Entwürfe sind unter gestalterischer Berücksichtigung des angrenzenden Kinderhauses Dorothea von der Flüe entstanden. Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn lobte als Jurymitglied die Arbeit des Münchner Büros Bogevisch, Dietmar Messmer von der Bürgergemeinschaft Petershausen stimmte zu: Der Entwurf passe gut in die Umgebung, "toll ist, dass er öffentliche Zugänge bereithält und zwar von allen Seiten." Es sei insgesamt, so die Spitalstiftung, eine qualitätsvolle, wirtschaftliche und nachhaltige Planung für die Hochbauten und die Außenanlagen gefragt gewesen als Antwort auf die jeweiligen städtbaulichen, funktionalen und wirtschaftlichen Anfordernung – und unter Berücksichtung von viel Grünraum.

 

Wo die Entwürfe zu sehen sind

  • Architektur: Baubeginn des neuen Bürotrakts des Businessparks soll im Frühjahr des kommenden Jahres sein. Beim Bau der weiteren Gebäude soll es so schnell wie möglich gehen. Allerdings bedarf das noch weiterer Vorbereitungen, deshalb gehen die Beteiligten nicht von einem Baustart innerhalb der nächsten eineinhalb bis zwei jahre aus. Die Entwürfe der Preisträger für eine Bebauung des Weiherhofs Nord sind bis zum 22. September im Verwaltungsgebäude Laube, sechster Stock, ausgestellt. Eine Besichtigung ist montags bis donnerstags von 7.30 bis 18 Uhr möglich, freitags von 7.30 bis 16 Uhr.
  • Zustiftung: Die Spitalstiftung lebt heute mehr von Zins- und Erbbauerträgen. Großzügige Spenden gab es eher im Mittelalter. Aus diesem Grund war die Stiftung überrascht, als eine Konstanzer Familie Ende des vergangenen Jahres 500 000 Euro übergab. Damals stand bereits fest, dass das Geld für den Bau des Pflegeheims Weiherhof-Nord eingesetzt werden soll. Die Spitalstiftung unterhält vier Pflegeheime, zwei Einrichtungen für Betreutes Wohnen, eine Tagesstätte und einen Ambulanten Pflegedienst.
  • Aussichten: Das wachsende Konstanz hat Bedarf an Pflegeplätzen. Es gibt bereits weitere Pläne, um die Nachfrage zu decken. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) will auf dem Gelände Jungerhalde-Nord eine Einrichtung mit etwa 60 Plätzen errichten. Die Caritas beabsichtigt anstelle des Klosters Zoffingen eine Pflegeinrichtung, zudem sind Senioren-WGs und Pflege-WGs in der Umsetzung.