Konstanz Bundestagswahl: Auch Schüler haben Lust auf Politik

Die Kandidaten des Wahlkreises haben sich bei einer Diskussion den Schülern des Suso-Gymnasiums gestellt. Dabei war die Absenkung des Wahlalters ebenfalls Thema – schließlich dürfen die Schüler noch nicht wählen.

Das Körbchen voller Zettel hat einige Überraschungen parat. Welche Superkräfte hätten sie gerne? Was ist ihre nervigste Eigenschaft? Sollten extreme Parteien verboten werden? Von persönlich bis politisch reichen die Fragen an die sechs Bundestagskandidaten im Landkreis, die sich bei einer Podiumsdiskussion am Suso-Gymnasium den Schülern stellen. Zusätzlich zum Fragekörbchen gibt es auch noch den „Anwalt des Volkes“, in Person von Moritz Müller, der drängende Fragen aus dem Publikum an die Vertreter des Volkes weitergibt.

Die wichtigste für die junge Zielgruppe: Was machen sie und ihre Partei eigentlich für Schüler und Jugendliche wie uns? Die Schüler ab der achten Klasse, die freiwillig in die Mensa gekommen sind, um sich die Politiker aus der Nähe anzuschauen, dürfen zwar noch nicht wählen, das heißt aber nicht, dass sie kein Interesse an Politik haben. Etwa drei Viertel der gut 200 Schüler befürworten die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre, wie eine spontane Abstimmung zeigt. Alle auf dem Podium heißen das ebenfalls gut, nur Andreas Jung von der CDU nicht. „Irgendwo muss eine Grenze sein“, so sein Argument. So bleibt den Schülern noch die Juniorwahl, die am 20. September, also kurz vor der Bundestagswahl, zum ersten Mal an der Schule stattfindet.

Einen ersten guten Eindruck von den Kandidaten können die Schüler an diesem Donnerstagmorgen gewinnen. Alle zeigen sich nahbar und entspannt. Martin Schmeding von den Grünen gibt zu, dass er auch heute noch nachts unbewusst am Daumen nuckelt. Gregor Glück von den Piraten wäre gern so cool wie Batman. Tobias Volz (SPD) berichtet eindrücklich aus Indien. Und ja, auch Andreas Jung hat schon einmal die Schule geschwänzt.

Aber es geht nicht nur um die kleinen Eigenheiten und persönlichen Lebenserfahrungen, sondern um handfeste Themen. Die beiden gut vorbereiteten Moderatoren Estelle Klevenz und Philipp Roller haben mit ihren Mitschülern vom Wahlkernfach Gemeinschaftskunde unter anderem Fragen zur Zukunft der Europäischen Union, der Flüchtlingskrise und zum G20 Gipfel vorbereitet. Die Kurzzusammenfassung: Die EU finden alle super, die Ausschreitungen vom G20 Gipfel werden verurteilt. Simon Pschorr (Linke) findet dafür sogar die stärksten Wort ("Das sind Idioten, die gehören eingesperrt."), seiner Meinung nach habe sich die Polizei mit dem Verbot eines friedlichen Protests allerdings "die Irren eingekauft". Mehr Beifall bekommt allerdings Tassilo Richter von der FDP, der die Schuld für die Ausschreitungen nicht bei der Polizei sieht. Uneins sind die Kandidaten auch bei der Flüchtlingsfrage und den Aufnahmekapazitäten Deutschlands. Ein paar Kontroversen also an einem spannenden Vormittag, den der Kandidat der AfD mal wieder schwänzt. "Es ist super gelaufen", erzählt Moderator Philipp Roller nach der Gesprächsrunde. "Meine größte Sorge war, wie lange die Kandidaten wohl reden. Wir sind alle total zufrieden, es war eine gute Diskussion."

Die Juniorwahl

An der Juniorwahl parallel zur Bundestagswahl 2017 nehmen nach aktuellem Stand 3299 Schulen in ganz Deutschland teil. Das Hauptziel der Aktion ist es, einen Beitrag zur politischen Sozialisation von Jugendlichen zu leisten. Dafür findet an den teilnehmenden Schulen eine möglichst realitätsnahe Durchführung der Wahl statt. Also mit Wahlunterlagen, Wahlurne und Wahlkabine. Die Ergebnisse der Wahl werden ausgezählt und veröffentlicht.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren