Konstanz Bürgervereinigung Allmannsdorf-Staad: Der Kampf um Mitwirkung beginnt von vorn

Trotz Enttäuschung über die Pflegeheim-Entscheidung in der Jungerhalde wollen sich sie Mitglieder der BAS weiterhin einbringen. In der Mitgliederversammlung wurde allerdings die Frage laut, was Bürgerbeteiligung in Konstanz eigentlich wert ist.

Wer bei der Mitgliederversammlung der Bürgervereinigung Allmannsdorf-Staad (BAS) am vergangenen Freitag im Gemeindesaal St. Georg scharfe Worte über Verwaltung und Gemeinderat erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Die Enttäuschung über die Gemeinderats-Entscheidung zum Thema Pflegeheim Jungerhalde sitze zwar tief, so Vorsitzender Sven Martin, dennoch wolle man weiterhin „konstruktiv an dem wichtigen Projekt mitarbeiten“. Und trotzdem stellten sich etliche Mitglieder die Frage: Was ist die von Oberbürgermeister Uli Burchardt viel beschworene Bürgerbeteiligung bei solchen Projekten eigentlich wert?

Seit vielen Jahren hatte die BAS an einem Entwurf für ein Pflegeheim in der Jungerhalde-Süd gearbeitet, das anders ist als andere. Herausgekommen ist ein Konzept, das auch so genannte Pflege-Wohngemeinschaften beinhaltete. Doch der Gemeinderat entschied sich in seiner vergangenen Sitzung Ende November mit knapper Mehrheit für ein 60-Betten-Haus des Awo-Kreisverbands – und gegen das in aufwändigen Workshops erarbeitete Konzept.

„Ein Modellprojekt, wie wir es wollten, ist anstrengend. Aber es wäre für Konstanz die Chance gewesen, in eine moderne Form der Pflege zu gehen“, sagte Sven Martin vor rund 60 Mitgliedern. „Wir wissen jetzt: Wenn sich die Akteure in der Verwaltung und Politik ändern, muss Bürgermitwirkung wieder neu erkämpft werden.“

Doch ob alle Mitglieder der BAS Kraft und Motivation für einen neuen Kampf haben, bleibt abzuwarten. Der stellvertretende Vorsitzende Sigfried Musterle fand deutliche Worte: „Da haben wir mit großem Tamtam Workshops veranstaltet und dann wird unser bürgerschaftliches Engagement mit einer Entscheidung – zack – vom Tisch gefegt.“ Der ehemalige Vorsitzende Alexander Gebauer forderte: „Wir müssen jetzt wenigstens verhindern, dass uns da ein grausiger Baublock hingesetzt wird.“

Dass die Enttäuschung bei vielen Mitgliedern noch tief sitzt, wurde auch bei einem Vortrag von Martin Wichmann, dem stellvertretenden Leiter vom Amt für Stadtplanung und Umwelt, zum Lärmaktionsplan deutlich. Als dieser Workshops vorschlug, in denen sich Bürger zum Thema Lärmbelastung in Allmannsdorf äußern könnten, ging ein unüberhörbares Raunen und sarkastisches Lachen durch den Raum. „Dieser Aktionsplan ist das einzige Instrument, mit dem wir endlich Tempo 40 auf der Mainaustraße durchbekommen“, beschwichtige Sven Martin.

Neben dem Pflegeheim in der Jungerhalde und dem Neubau des Kindergartens St. Georg stehen 2015 die Themen Verkehr, Lärm und Bauen auf dem Programm der Bürgervereinigung. Vor allem der jüngst beschlossene Rahmenplan mit dem die künftige Bebauung des Wohngebiets Schiffstraße bis Staader Straße zumindest rudimentär geregelt werden soll, dürfte für viel Diskussionsstoff sorgen.

Und auch die Stadt wird nicht darum herum kommen, sich mit der regen BAS auseinander zu setzen. „Ich hätte nicht gedacht, dass es in dieser frühen Phase des Lärmaktionsplans schon so viel Diskussionsbedarf gibt“, schloss Martin Wichmann seinen Vortrag ab. „Doch das ist auch gut so“, ließ er schnell noch wissen.

Und so sorgte bei den Wahlen des Vorstands und der Beisitzer, die allesamt einstimmig wieder gewählt wurden, auch nur eine Personalie für eine kleine Überraschung: Martin Schröpel, Staader seit Geburt und seit rund einem Jahr auch Beauftragter für Bürgerbeteiligung und bürgerschaftliches Engagement im Rathaus, ließ sich zum Kassenprüfer wählen. Auch so kann Dialog entstehen.


Die BAS

Die Bürgervereinigung Allmannsdorf-Staad (BAS) wurde 1978 gegründet und hat rund 350 Mitglieder. Sie versteht sich als Mittler zwischen den Bürgern dieser Ortsteile und der Stadt. Neben politischen Themen wie Verkehr, Bauen und Wohnen engagiert sich die BAS in der Nachbarschaftshilfe.

Nachbarschaftshilfe: Unter dem Motto Lebendige Nachbarschaft bietet die BAS einmal im Monat einen generationenübergreifenden Mittagstisch im St. Georg Gemeindesaal an. Seit 2014 gibt es auch ein Helfernetzwerk. Hier können sich ältere Menschen Hilfe im Alltag holen. Bisher gab es rund 40 Anfragen für die Nachbarschaftshilfe. Mehr Infos: www.bas-konstanz.de und unter (0176) 51 91 91 80 (Mo., Mi., Fr. 10 bis 12 Uhr).

Der Vorstand: Vorsitzender Sven Martin, Stellvertreter Sigfried Musterle, Kassenwart Manfried Riedle, Schriftführer Wolfgang Francke, Beisitzer: Margarete Zimmermann, Wolfgang Brückner, Bernd Heuer, Helmut Jungmann, Bernd Uwira, Hans Weinbacher, Jürgen Hoeren, Kassenprüfer: Giovanni Galizia, Martin Schröpel.

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