Konstanz Britta Hering: "Sport spendet Willenskraft"

Auf einen Kaffee mit Britta Hering, die bei einem Milchkaffee im Le Sud erzählt, wie sie mit einer Rennradtour Krebskranken helfen will.

Frau Hering, Sie wollen mit dem Rennrad 16 000 Höhenmeter überwinden. Quälen Sie sich gern?

(lacht) Radprofi Udo Bölts feuerte 1997 auf der Tour de France Jan Ullrich einmal mit den berühmten Worten an: "Quäl dich, du Sau!" Für mich ist die geplante Tour keine Quälerei, sondern ein Überwinden von Grenzen. Ich bin zufrieden und stolz, wenn ich solche Herausforderungen meistere. Eine tolle Aussicht ist eine weitere Belohnung. Natürlich muss man dabei auch mal ein Tal durchschreiten, im wörtlichen und übertragenen Sinn.

Sie wollen 16 000 Höhenmeter und 640 Kilometer Distanz in zwölf Tagen bewältigen und in Alpe d'Huez ankommen, ein berüchtigtes Ziel der Tour de France. Ganz schöne Herausforderung!

Nur den Pass hochzufahren, ist nicht so schlimm. Das sind 13 Kilometer den Berg hoch. Bei der Tour de France absolvieren die Profifahrer das am Ende einer 200-Kilometer-Strecke. Das tue ich ja nicht. Ich habe mir die gesamte Strecke gut eingeteilt und plane auch zwei Pausentage ein. Aber natürlich kann es sein, dass ich unterwegs umplanen muss, weil mich die Kräfte verlassen oder das Wetter zu schlecht ist. Das wird eine Er-Fahrung. Dieses Wortspiel finde ich ganz schön.

Wie kamen Sie auf die Idee, die Tour für einen guten Zweck zu unternehmen?

Ich kenne die Verantwortliche der Münchner Organisation Outdoor against Cancer (Unternehmungen im Freien gegen Krebs) schon sehr lange. Sie bieten Krebskranken ein großes Angebot an Sport- und Outdooraktivitäten an, weil das einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden hat. Ich habe dort angefragt, ob ich meine Radtour zur Unterstützung anbieten könne, und sie waren sofort begeistert. Wer helfen möchte, kann pro Höhenmeter, den ich zurücklegen werde, einen selbstbestimmten Betrag spenden. Oder aber auch unabhängig von meiner Strecke Geld geben, um die Organisation zu unterstützen. Sport bringt Krebspatienten unglaublich viel in Sachen Willenskraft. Das passt auch zu mir. Mitglieder von OaC begleiten mich eine Etappe auf der Tour, und wir hoffen, dass das Projekt keine Eintagsfliege bleibt.

Auch andere Interessierte können Sie ein Stück begleiten. Nehmen Sie jeden mit, auch ohne Radrenn-Vorkenntnisse?

Ich will keinen großen Pulk hinter mir herziehen, aber das wird auch nicht passieren. Wer mich ein Stück begleiten will, kann sich vorher bei mir melden und gern mitkommen. Meine geplanten Etappen sind im Internet unter www.bovelo-rr.de/veranstaltungen zu sehen. Ich werde unterwegs keine Zeitrekorde aufstellen, denn auch ich fahre erst seit sechs Jahren Rennrad und bin kein Profi. Dennoch möchte ich überwiegend allein fahren und sehen, was das mit mir macht. So ähnlich wie bei Menschen, die auf dem Jakobsweg pilgern. Eine solche Erfahrung wollte ich schon ganz lange machen. Nun setze ich es tatsächlich um.

Wie bereiten Sie sich auf die Reise vor?

In diesem Frühjahr habe ich angefangen, mehr Höhenmeter zu fahren, um den inneren Schweinehund auch den Berg hinaufzujagen. Unter anderem bin ich beim Säntis Classic mitgefahren, da haben wir an einem Tag 130 Kilometer und 1800 Höhenmeter zurückgelegt. Ich wollte sehen, ob ich mein Vorhaben wirklich weiterverfolgen will. Danach stand fest: Ich will, eindeutig ja! Danach bin ich auf den Mont Ventoux in Frankreich gefahren, ebenfalls bekannt von der Tour de France. Jetzt traue ich mir die Reise zu und freue mich zunehmend darauf, vor allem, wenn ich in die Berge schaue. Auch sonst habe ich fast alles fertig geplant. Beispiel Gepäck: Damit ich nicht so viel schleppen muss, will ich es auf sechs Kilogramm reduzieren. Das ist eine ganz schön große Herausforderung für eine Frau (lacht).

Wissen Ihre Schüler von dem Vorhaben?

Ja, und sie wissen auch, dass ich wie eine Verrückte Rennrad fahre. Wenn es zeitlich hinkommt, möchte ich nach meiner Tour noch die Hamburg Cyclassics am 20. August anhängen. Meine Tour beginnt am 1. und endet am 12. August, wenn alles läuft wie geplant.

Was fasziniert Sie am Rennradfahren?

Ich habe den Sport meines Lebens gefunden. Rennradfahren hilft mir beim Stressabbau, sowohl im Arbeits- als auch im Privatleben. Das Dahingleiten finde ich toll. Man tritt in die Pedale und es geht so leicht und elegant voran. Ich genieße das vor allem auf kleinen Straßen abseits vom Verkehr. Ich bin jetzt 57 Jahre alt. Diesen Sport kann ich noch lange ausüben.

Fragen: Kirsten Schlüter

Zur Person

Britta Hering, 57 Jahre, aus Fürstenfeldbruck, absolvierte nach dem Abitur eine Lehre als Fotosetzerin und arbeitete einige Jahre in diesem Beruf. 1992 zog sie mit ihrer Familie an den Bodensee und begann mit 35 Jahren ein Lehramtsstudium. Zehn Jahre lang unterrichtete sie an der Sommertalschule Meersburg, bevor sie Konrektorin und Rektorin an der Ratoldusschule Radolfzell wurde. Parallel ließ sie sich zum Coach und zur NLP-Trainerin ausbilden. Seit 2013 arbeitet Britta Hering teilselbstständig als Coach und unterrichtet nun wieder in Teilzeit an der Sommertalschule. Hering hat zwei erwachsene Söhne. Ein Tourentagebuch ist später auf Instagram zu finden: behabodensee_bovelo. Kontakt: Telefon (0170) 865 60 29; E-Mail info@bovelo-rr.de (kis)

Wo Britta Hering übernachtet: www.suedkurier.de/plus

Ihre Meinung ist uns wichtig
Mehr zum Thema
Auf einen Kaffee mit...: Die Interview-Reihe in Konstanz: Jede Woche unterhalten sich SÜDKURIER-Redakteure mit interessanten Menschen aus der Region. Hier gibt es alle Gespräche zum Nachlesen.
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren