In der Nacht auf Sonntag waren in Litzelstetten mal wieder die Schmierfinken mit ihren Spraydosen unterwegs: Mehrere Wohnhäuser, eine Garagenwand, ein Stromverteilerkasten und ein Auto in der Adenauerstraße, im Dorffriedhofsweg, im Sant-Katharinen-Weg, im Marienweg sowie in der Raiffeisenstraße wurden verunstaltet. Die drei Buchstaben GPR, eine Art Raute sowie der Begriff Bonez sind zu erkennen, darüber hinaus undefinierbare Zeichen. Bonez ist ein deutscher Rapper. Schon 2017 sowie im Januar wurden Gebäude besprüht, im vergangenen Sommer zogen Jugendliche durch den Ort, klauten und beschädigten ein Dutzend Motorroller und demolierten eine Tischtennisplatte.

Böllerschüsse in der Nacht

Die Polizei geht von einer Tatzeit zwischen ein Uhr und neun Uhr aus. "Genau können wir das noch nicht sagen", erklärt Polizeisprecher Bernd Schmidt. "Es liegen mehrere Anzeigen gegen Unbekannt vor." Anwohner hörten zwischen zwei und vier Uhr in derselben Nacht einige Böllerschüsse. "Es ist nicht klar, ob da ein Zusammenhang besteht", sagt Bernd Schmidt. Am Vorabend fand auf dem Purren der traditionelle Fastenfunken statt, viele hundert Menschen aus der gesamten Region zu Gast in dem Konstanzer Vorort. "Der oder die Täter können also von überall herkommen", so Bernd Schmidt.

Verzicht auf Anzeige

Karin Müller wohnt in einer Anlage, in der mehrere Häuser besprüht wurden. "Das ist ärgerlich. Das kostet nämlich sehr viel Geld", sagt sie. Ihre Hausgemeinschaft verzichtet auf eine Anzeige. "Das steht in keinem Verhältnis", lässt Verwalter Reinhold Schmid auf SÜDKURIER-Nachfrage ausrichten. "Die Täter werden sowieso nicht erwischt." Die Firma habe einen Maler beauftragt, die Schmierereien zu beseitigen. Karin Müller befürwortet den Verzicht auf eine Anzeige, "da im Endeffekt wie immer die Täter nicht überführt werden können. Dann lachen die sich doch noch mehr kaputt".

Schön ist anders: Beschmierte Häuserwand in der Adenauerstraße. Bild: Andreas Schuler
Schön ist anders: Beschmierte Häuserwand in der Adenauerstraße. Bild: Andreas Schuler

Angebot für die Jugend

Nach dem Vandalismus des Vorjahres, als mehrere Jugendliche als Täter identifiziert werden konnten, haben sich die Verantwortlichen in Litzelstetten Gedanken gemacht, wie das Angebot für die jungen Menschen optimiert werden kann. Karin Müller möchte in ihrer Funktion als Ortschaftsrätin zusammen mit Kollegin Brigitte Momma-Lavall mehrere Aktionen am Jugendcontainer am Entengraben anstoßen. "Wir würden gerne mit den jungen Menschen ins Gespräch kommen und sie fragen, was sie denn wollen, damit ihre Situation besser wird." Der städtische Pressesprecher Walter Rügert dazu: "Wir beschäftigen uns gerne mit präzise formulierten Vorstellungen und setzen uns dann zusammen."

Regularien für den Jugendcontainer verschärft

Kurze Zeit nach den ersten Randaletouren im Frühling 2017 verschärfte die Ortsverwaltung die Regularien für die Nutzung des Jugendcontainers. Seither müssen Jugendliche den Schlüssel persönlich abholen und wieder zurückbringen sowie eine Verständniserklärung unterschreiben. Der Genuss von Alkohol ist streng reglementiert. Von April bis Mitte Juni 2017 war die Anlage geschlossen. Ausschlaggebend dafür war eine ausufernde Party, der 18. Geburtstag eines jungen Mannes. "Leider wird das neue Konzept nicht so gut angenommen wie erhofft", sagt Ortsvorsteher Wolfgang Gensle. "Die Jugendlichen wollen offenbar nicht gerne die Verantwortung für den Container übernehmen." Laut Karin Müller, die selbst schon Gruppen von Kindern im Container betreute und die Kernzeitbetreuung leitet, fehlt regelmäßige Kontrolle: "Das wurde bisher leider ausgenutzt." Derzeit ruht das Angebot: Aus Angst, die Leitungen könnten zufrieren, wurde der Container bis Frühling gesperrt.

Diese Seitenwand einer Garage in der Martin-Schleyer-Straße wird seit einem Jahr regelmäßig besprüht. Die Besitzer möchten das Gebäude nun überstreichen. Bild: Andreas Schuler
Diese Seitenwand einer Garage in der Martin-Schleyer-Straße wird seit einem Jahr regelmäßig besprüht. Die Besitzer möchten das Gebäude nun überstreichen. Bild: Andreas Schuler

Gensle hofft auf städtische Unterstützung

Als Leiterin der Kernzeitbetreuung schult Karin Müller Kinder gezielt, auf öffentliche Dinge acht zu geben. "Am Ende wird da unser Eigentum kaputt gemacht und somit auch unser Geld", berichtet sie. Die Litzelstetter Grundschulkinder konnten sich selbst vom unsinnigen Treiben der Schmierfinken überzeugen: Keine zwei Monate nach der Installation der großen neuen Sitzbank auf dem Schulhof der Grundschule schlugen sie auch hier zu. Ortsvorsteher Wolfgang Gensle hofft auf mehr Unterstützung von Seiten der Stadt: "Wir würden uns freuen, wenn Kinder und Jugendliche in den Ortsteilen ähnliche Angebote hätten wie die in der Kernstadt.

" Er würde es begrüßen, wenn mehrmals pro Woche Jugendarbeiter kommen und Kontakt mit den jungen Menschen aufnehmen würde. "Ich weiß allerdings nicht, ob damit die Schmierereien aufhören würden", sagt er. Die aktuellen Sachbeschädigungen seien in seinen Augen auf jeden Fall "nicht zu tolerieren. Sollten wir erfahren, wer das war, werden wir das Gespräch mit den Tätern suchen".

Stromverteilerkästen der Stadtwerke sind immer wieder Opfer von Graffiti. Sprecher Josef Siebler: "In der Vergangenheit haben wir Schmierereien an Stationen oder Verteilern zur Anzeige gebracht. Die sind aber meistens eingestellt worden", sagt er. "Auch in diesem Fall werden wir Anzeige erstatten, wenn ersichtlich ist, dass es eine zusammenhängende Aktion ist."

Ein Wirrwarr aus Buchstaben, Zahlen und Zeichen. Bild: Andreas Schuler
Ein Wirrwarr aus Buchstaben, Zahlen und Zeichen. Bild: Andreas Schuler

Strafen für Graffiti

Graffiti sind Bilder oder Schriftzüge zumeist auf öffentlichen Gebäuden. Sie werden zumeist unter Pseudonym und illegal gefertigt. Für das „Verändern des Erscheinungsbildes einer Sache“ droht nach Strafgesetzbuch eine Geldstrafe bis hin zu zwei Jahren Freiheitsstrafe. Bei „Gemeinschädlichen Veränderns“ drohen bis zu drei Jahre Haft. Im Jugendstrafrecht für Minderjährige drohen Ermahnungen und Arrest bis hin zur Jugendstrafe. Die Polizei sucht Zeugen, die Hinweise zum Sachverhalt in Litzelstetten geben können: Polizei Konstanz, 07531/995-0.