Auf dem Papier ist das Bodenseestadion mit seinen 40.000 Quadratmetern und Rängen für bis 25.000 Zuschauern ein Schwergewicht unter den Sportstätten. Bis heute zählt es zu den größten Fußball- und Leichtathletikarenen in der Region. Doch nicht einmal ein Spiel der Regionalliga dürfte hier ausgetragen werden, denn es fehlten vorgeschriebene Ausstattungselemente wie Flutlicht, eine bestimmte Anzahl an Sitzplätzen und Umkleidekabinen, sagt Frank Schädler, Leiter des Konstanzer Sportamts. Doch das ist noch nicht alles: Bröckelnde Ränge, mürbe gewordene Plastiksitze und ein undichtes Tribünendach gefährdeten in absehbarer Zeit selbst den Betrieb für den Schul- und Freizeitsport und für Festivals wie Rock am See. Er schlägt Alarm wegen des Zustands des 81 Jahre alten Baus, der zuletzt vor 25 Jahren saniert wurde.

Rund 200.000 Euro müssten investiert werden, um wenigstens den heutigen Betrieb auf weitere fünf Jahre zu sichern. Die Zeit sollte Konstanz nutzen, um die schon vor zehn Jahren angestoßene Diskussion über die Zukunft des Stadions fortzusetzen und über dessen Zukunft zu entscheiden. In den Schubladen liegen visionäre Konzepte, nach denen aus dem Stadion und möglicherweise auch den umliegenden Parkplätzen eine völlig neuartige, multifunktionale Fläche für den Bürgersport und Großevents entstehen könnten. Doch das ist nur eine Option von mehreren. Eine andere wäre die Aufgabe des Stadions oder die Sanierung mit der heutigen Ausrichtung auf Leichtathletik und Fußball. Das Problem dabei: Konstanz hat zwar einen ungedeckten Bedarf an Sport- und Freizeitflächen, aber nicht für ein Fußballstadion in dieser Größe.

Die Leichtathletik wiederum hat mit den acht Bahnen im Bodenseestadion eine Anlage, die von der Größe her olympischen Standards genügen würde. In früheren Jahren wurde auf ihr auch die süddeutsche Leichtathletikmeisterschaft ausgetragen. Heute sind die Bahnen vielfach geflickt, teilweise ist der Belag schon fast durchgescheuert, als Wettkampfbüros dienen zwei alte Container, in einem wird ein gebrochener Boden durch eine Auflage verdeckt. Die Sanitäranlagen (fünf Damen-, fünf Herrentoiletten) gelten als unzureichend. Für die Leichtathletik gebe es auch die Möglichkeit, die Anlage im Schwaketengebiet aufzuwerten, sagt Schädler.

Aus dem Stadion mit den umliegenden Flächen wiederum könnte ein frei zugänglicher vielfältiger Fitnesspark mit Arealen für Großveranstaltungen entstehen. Denn unter den Zukunftsvisionen gibt es eine, die vorschlägt, die 240 Parkplätze am Hörnle in die Sport- und Freizeitfläche einzubeziehen und die Anlage zum Strandbad zu öffnen. An Spitzentagen müssen schon heute die meisten Badegäste ohne Parkplätze auskommen. Denn dann hat das Strandbad bis zu 5000 Besucher. Ohne die Parkplätze hätte Konstanz plötzlich Flächen, die an anderer Stelle fehlen, etwa für Zirkus oder Freiluftmessen. Schädler enthält sich jeglicher Meinung zu den Ideen. Für den Chef des städtischen Sportamts ist nur wichtig, dass das „Juwel“ Stadion für den Sport erhalten bleibt.