Einkaufen, Serien schauen, einen Partner kennenlernen, Musik hören: Früher musste man noch das Haus verlassen, heute ist alles bequem mit ein paar Klicks von zu Hause aus zu erledigen.

Junge Menschen, die zwischen 1980 und 1999 geboren wurden, gehören zur Generation Y. Sie werden auch Ypsiloner oder Millennials genannt. Laut Statistischem Bundesamt gehören 24,5 Prozent der Gesamtbevölkerung zu diesen Jahrgängen.

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Eine Kindheit noch ohne Smartphone erlebt

Für die Generation Y ist „der Alltag mit Smartphones mittlerweile ganz normal, doch sie kennen noch die Zeit vor Smartphones", sagt Simon Schnetzer. Seit 2010 beschäftigt sich der 40-jährige Allgäuer mit den Themen und Trends der Generationen.

Doch gehen junge Menschen zwischen 21 und 40 Jahren weniger aus oder pflegen gar einen neuen Freizeitstil des Daheimbleibens? Weil es bequemer ist, die Dinge online zu erledigen?

Gesellschaftliche Teilhabe, ohne das Sofa verlassen zu müssen

Jonas Iven aus Konstanz ist Jahrgang 1994. Er ist sich sicher, dass „mehr zuhause geblieben wird als früher“, sagt er.

„In den eigenen vier Wänden zu bleiben ist noch nie so einfach und abwechslungsreich gewesen wie heute. Ich brauche gar nicht mehr raus gehen, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.“
„In den eigenen vier Wänden zu bleiben ist noch nie so einfach und abwechslungsreich gewesen wie heute. Ich brauche gar nicht mehr raus gehen, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.“ | Bild: Nicole Hildebrandt

Er bevorzuge einen ruhigen Abend in den eigenen vier Wänden mit einem Buch, einem Film oder vor dem Computer, sagt der 25-Jährige.

Stellen daher Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon eine Bedrohung für das Kino dar?

Als das Konstanzer Kino Cinestar vor der Corona-Krise noch geöffnet war, heißt es auf Nachfrage: „Wir als Kinobetreiber sind nach wie vor optimistisch, denn Kino vereint Alleinstellungsmerkmale auf sich, die einzigartig sind“, sagt Marius Fröhlich, Theaterleiter des CineStar Konstanz. Kino ist laut Fröhlich ein sozialer Treffpunkt, ein Ort für Verliebte und Familien.

Cinestar in Konstanz neben dem Einkaufszentrum Lago.
Cinestar in Konstanz neben dem Einkaufszentrum Lago. | Bild: Hanser, Oliver

WhatsApp ist wichtigstes Kommunikationsmittel

Simon Schnetzer befragte in seiner repräsentativen Studie „Junge Deutsche 2019“ 1.007 Menschen zwischen 22 und 39 Jahren. Für 65 Prozent der Generation Y sei WhatsApp die wichtigste Form, um mit Freunden zu kommunizieren.

Durch die App habe laut der 29-jährigen Konstanzerin Jessica Walter die Verlässlichkeit abgenommen, zu einer Verabredung zu kommen. „Ich erlebe es leider oft, dass mit Freunden etwas ausgemacht und dann kurz vorher per WhatsApp abgesagt wird“, erzählt Walter.

Verbindlichkeit hat abgenommen

Jugendforscher Simon Schnetzer führt dies darauf zurück, dass der Grad der Verbindlichkeit abgenommen habe. Abzusagen sei nicht mehr so wie früher mit starken Gewissensbissen verbunden.

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Dies bestätigt Motivationspsychologe Johannes Doerflinger von der Universität Konstanz. Eine Folge des privaten Rückzugs sei, dass Menschen konfliktscheuer würden, da die direkte Kommunikation ausbleibe. Soziale Bindungen seien nicht mehr so stark wie früher.

Jessica Walter fügt hinzu: „Es gibt wenige in diesen Jahrgängen, die noch weggehen zum Feiern. Wenn, dann mal etwas trinken gehen oder ins Kino – aber das nur selten“, sagt sie.

Sie glaubt, dass dies am Alter liege. In dieser Lebensphase bekämen die Millennials Kinder und heiraten. Schnetzer stimmt dem zu:

„Viele fragen sich in dieser Lebensphase, wer sich dann um die Kinder kümmert, wenn man als Eltern ausgeht.“
„Viele fragen sich in dieser Lebensphase, wer sich dann um die Kinder kümmert, wenn man als Eltern ausgeht.“ | Bild: Pio Mars

Der Konstanzer Jonas Iven nennt noch einen anderen Grund: „Meine Generation ist stark ökologisch geprägt. Jedes Wochenende bis zur Ekstase feiern passt für viele einfach nicht mehr in die heutige Zeit“, sagt er.

Reisen ist das neue Statussysmbol

Nach Einschätzung des Forschers Simon Schnetzer ist das neue Statussymbol nicht mehr der Discobesuch, sondern das Reisen. „Es macht mehr Eindruck, sagen zu können, man war am Eiffelturm als in der Disco“, sagt er. Das Reisen steht jedoch im Widerspruch zum Umweltbewusstsein der Ypsiloner. Sie reisen gerne mit dem Flugzeug, auch auf Kosten der Umwelt.

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Es gibt auch ganz ungewöhnliche Wege

Es gibt auch ganz andere Lebensentwürfe. Für den 33-jährigen Fabian Reusch aus Konstanz stellt sich weder die Frage nach dem Reisen, noch nach dem Feiern: „Bei einer über 80 Stunden-Woche bleibt mir gar keine große Zeit darüber nachzudenken, ob ich heute Abend netflixen oder clubben möchte“, sagt er.

Fabian Reusch vor einer Garnelenfarm in Thailand.
Fabian Reusch vor einer Garnelenfarm in Thailand. | Bild: Fabian Reusch

Seit Anfang November vergangenen Jahres ist er in Bangkok, wo er ein Startup-Unternehmen für ein Management-System für Aquakulturen, besonders für die asiatische Garnelenzucht, aufbaut. „Es ist alles andere als easy, aber dafür unglaublich spannend“, sagt der Konstanzer.

Spannend ist auch für Mareike Schelle ihre schulische Ausbildung zur Ergotherapeutin. Sie ist Jahrgang 1999. Von der Schulwoche und der Aufgabe, Lernstoff aufzunehmen, sei sie so erschöpft, dass sie versuche, ihren Akku durch ruhige Wochenenden wieder aufzuladen.

„Ich ertappe mich dabei, wie ich auf Instagram Bilder vom Feiern sehe und Lust drauf bekomme, aber dann doch lieber zuhause bleibe. So geht es einigen Leuten, die ich kenne.“
„Ich ertappe mich dabei, wie ich auf Instagram Bilder vom Feiern sehe und Lust drauf bekomme, aber dann doch lieber zuhause bleibe. So geht es einigen Leuten, die ich kenne.“ | Bild: Mareike Schelle

Nicht jeder ist ein Stubenhocker

Nach der Befragung könnte laut Schnetzer der Eindruck entstehen, dass Konstanzer der Generation Y Stubenhocker wären. Spüren daher auch Vereine, dass sie weniger Mitglieder haben?

Uwe Baumann, Vorsitzender der Sportgemeinschaft Dettingen-Dingelsdorf, sagt: „Prinzipiell kann ich es nicht nachvollziehen, das junge Menschen ihre Freizeit am liebsten zu Hause verbringen. Ich sehe aber bei uns im Verein den Schwund nicht bei den 21- bis 40-Jährigen, sondern bei uns ist das kritische Alter zwischen 12 und 19.“ Der Schwund im Alter von 21 bis 40 Jahren sei darin begründet, dass viele aufhören, aktiv Fußball zu spielen.

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Stubenhocken will gelernt sein

Generell könne man nicht sagen, dass die Ypsiloner Stubenhocker seien, sagt Schnetzer. Es sei immer eine Frage der Lebensphase, der Umstände, der Einstellung zur Technologie und des persönlichen Umfelds.

Doch gerade in Corona-Zeiten bietet die digitale Welt einen entscheidenden Vorteil, wenn man gezwungenermaßen zum Stubenhocker wird: sie ermöglicht es, sich zu vernetzen und zu kommunizieren. „Insofern ist gekonntes Stubenhocken eine Ressource, die man nutzen kann“, sagt Psychologe Johannes Doerflinger.