Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir wollen einander vertrauen können, das ist unsere Natur. Ständige Skepsis und andauernder Argwohn belasten uns, isolieren uns – und schaden letztlich dem gesellschaftlichen Miteinander. Doch die Realität ist meist eine andere.

Ein Blick auf die Polizeimeldungen der vergangenen Wochen und Monate zeigt: Eine gesunde Portion Misstrauen ist gelegentlich gut, ja sogar notwendig. Denn zuletzt stieg in Konstanz und die Zahl jener Fälle, in denen Kriminelle mit dreisten Betrugsmaschen unbedarfte Bürger um ihr erspartes Vermögen brachten, ihr Vertrauen erschlichen und ihre Hilfsbereitschaft missbrauchten.

Jeder kann Opfer einer Betrugsmasche werden

Und die Betroffenen leiden meist doppelt: Sie verlieren Geld – häufig gleich mehrere tausend Euro – das sie sich über die vergangenen Jahre hinweg mühsam erspart haben. Und als wäre das nicht genug, drohen obendrein gesellschaftliches Gespött und Gelächter; der Stempel der Naiven, die auf eine vermeintlich durchsichtige Betrugsmasche hereingefallen sind.

An die Öffentlichkeit trauen sie sich mit diesem Stigma nicht mehr. Wer seine Geschichte erzählt, möchte anonym bleiben. Emotional wiegt das weitaus schwerer als der finanzielle Verlust.

Deshalb muss mit dieser Stigmatisierung endlich Schluss sein. Denn jede und jeder, ob jung oder alt, kann Opfer einer der zahllosen Betrugsmaschen werden.

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Für junge Menschen lauern diese Gefahren meist im Internet. Hier greifen Betrüger Passwörter und Bankdaten ab. Die meisten Opfer in solchen Fällen sind zwischen 24 und 37 Jahre alt, wie der Technikkonzern Microsoft in einer Studie herausgefunden hat.

Bei Senioren geschieht der Betrug meist analog: Da wären etwa der falsche Polizeibeamte, der erfundene Microsoft-Mitarbeiter oder das angebliche Enkelkind am Telefon; der ehemalige Arbeitskollege, der mittlerweile sein eigenes Geschäft betreibt, wahlweise für Küchenutensilien oder Klamotten; oder aber die Mitleids-Masche, die ebenfalls immer wieder ihre Opfer findet.

Die Betrüger sind Profis, die ihre manipulativen Maschen perfektionieren

Das verdeutlicht ein Fall, der jüngst in Form eines Briefes auf dem Schreibtisch der Redaktion landete: Eine Dame höheren Alters schildert darin, wie ihr eine vermeintlich mittellose Frau 400 Euro abknöpfte. Und das, obwohl die Seniorin meinte, die Tricks der Betrüger zu kennen, wie sie im zweiten Satz ihres Briefes schreibt: "Ich habe gedacht, das passiert mir nicht!"

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Die meisten Betroffenen denken das. Doch die Betrüger sind Profis. Mal um Mal perfektionieren sie ihre manipulativen Maschen, verwenden dabei dreiste Psychotricks.

Der Umgang mit den Betroffenen muss sich ändern, sonst gewinnt das Misstrauen die Oberhand

Das Beispiel der Dame zeigt: Prävention alleine hilft nicht, auch wenn die Polizei hierfür viel tut. Sie warnt mit Flugblättern oder auf Informationsveranstaltungen.

So lange aber Menschen anderen Menschen vertrauen, werden Betrüger immer Opfer finden. Ein anderer Weg wäre, dass jeder jedem nur noch misstraut. Und wer möchte schon in einer solchen Gesellschaft leben?

Am Ende ihres Briefes schreibt die Seniorin: "Meiner Tochter habe ich noch nichts gesagt, traue mich nicht." Da ist sie wieder, die Scham. Was sich also ändern kann und muss, ist unser Umgang mit den Betroffenen.

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