Das Konstanzer Berchengebiet hat sich in den vergangenen Jahren zu einem attraktiven Quartier gemausert. Man muss lange suchen, um eine Nachbarschaft mit derart vielen Spielplätzen, Beachvolleyball- und Basketballfeldern, Skateranlagen oder Ruhebänken zu finden. Zwischen 2004 und 2014 wurden von der Stadtverwaltung rund drei Millionen Euro bereitgestellt. Darauf kann die Stadt zurecht stolz sein, denn dadurch hat sich das Erscheinungsbild des Berchengebiets positiv verändert. Außerdem berichten Sozialarbeiter, dass die Stimmung weniger aggressiv sei. Die Streetworker erleben den öffentlichen Raum zuletzt als unauffällig. Es hielten sich nur noch selten größere Gruppen an öffentlichen Plätzen auf.

Und doch scheint ein latentes Unbehagen zu existieren. Zumindest äußerten sich am Montag und Dienstag zahlreiche Menschen dahingehend. Das mag zum einen an der Vergangenheit des Quartiers liegen. Das mag aber auch an gesellschaftlichen Problemen liegen. Das Berchengebiet ist nach wie vor ein Schmelztiegel unterschiedlichster Nationen. Gegenüber dem SÜDKURIER sprach ein Mann von einem Ausländer-Ghetto. Ohne Arbeit und ohne Perspektive seien viele seiner Freunde, die aus aller Herren Länder kommen. Wenn, nicht selten dadurch ausgelöst, ein Hang zur Gewalt hinzukommt, entsteht schnell eine explosive Mischung.

Bezeichnend, dass viele Bewohner des Quartiers den Täter der tödlichen Messerstecherei in ihrer Nachbarschaft vermuten. Die Berchenschule leistet wertvolle integrative Arbeit. Schule und Freizeit – im Berchengebiet stimmt mittlerweile die Infrastruktur. Was oft fehlt, sind intakte Elternhäuser sowie berufliche Perspektiven. Das eine muss daheim entstehen, das andere vor der Haustür.