120 bis 150 Flüchtlinge, die bei kalten Temperaturen in einer Schlange warten und kaum mehr als ein T-Shirt und Flip-Flops besitzen: Lange war das ein alltägliches Bild vor der Kleiderkammer von Save Me Konstanz. Zu Beginn dieses Jahres veschwanden die Schlangen jedoch, die Nachfrage sank. Nun soll die Kleiderkammer vorläufig geschlossen werden.

Das Projekt entstand im November 2015, als viele Flüchtlinge nach Konstanz kamen. Marion Mallmann-Biehler vom Save Me Vorstand zeigt sich von den Konstanzer Bürgern begeistert: "Von Anfang war eine überwältigende Spendenbereitschaft da." Diese Bereitschaft erstreckte sich von der Konstanzer Altstadt bis hinter Litzelstetten und in die Schweiz.

Zunächst kam die Kleiderkammer im Autohaus Gohm und Hardenberg unter. Als neue Räume gefunden werden mussten, war Pfarrerin Christine Holtzhausen die Retterin in der Not: Zusammen mit dem Kirchenvorstand ermöglichte sie die Nutzung des Gemeindesaals der Petrus- und Paulusgemeinde ab Januar 2016. 60 ehrenamtliche Helfer bewältigten hier etwa ein Jahr lang "riesige Menschenschlangen", so Holtzhausen. Am Anfang wurde viel gedrängelt, erinnert sich Sonja Frantz, die Leiterin der Kleiderkammer. „Erst mit der Zeit vertrauten die Flüchtlinge darauf, dass das keine einmalige Aktion ist und jeder genug bekommt.“

Warum hat der Andrang dieses Jahr nachgelassen? „Der ständige Wechsel von Flüchtlingen hörte auf“, meint Marion Mallmann-Biehler. „Momentan gibt es 650 Flüchtlinge in Konstanz, die im Schnitt schon etwa zwei Jahre hier sind.“ Auf eine Notausstattung aus Schuhen, Jacken und Hosen seien sie nicht mehr angewiesen. „Sie befinden sich aber nach wie vor in einer Notsituation“, sagt Mallmann-Biehler mit Nachdruck. Pfarrerin Holtzhausen ergänzt: "Jetzt geht es für die Flüchtlinge um Zukunftsperspektiven: Deutsch lernen, eine passende Arbeit finden." Die Deutschkurse in den Gemeinderäumen finden deshalb weiterhin statt.

Statt der Kleiderkammer soll es ab Herbst 2017 einmal pro Woche einen Treffpunkt im Foyer der Pfarrei geben: Eine Anlaufstelle für Kaffee, Gespräche und Hilfe jeglicher Art. „Wenn jemand zum Beispiel einen Zwillingskinderwagen sucht, kann er das den ehrenamtlichen Helfern beim Treffpunkt sagen. Sie werden versuchen, einen solchen Wagen zu organisieren“, sagt Sonja Frantz. Bis zur Abholung werden die Gegenstände dann in einem Lager der Gemeinde aufbewahrt. Parallel dazu gibt es auch eine Datenbank im Internet. Dort können Spendenwillige zum Beispiel Möbel anbieten. Spender und Bedürftige zusammenbringen – das ist weiterhin ein großes Anliegen von Save Me. "Wir schließen auch nicht aus, dass die Kleiderkammer wieder öffnet", sagt Mallmann-Biehler. Die Regale werden eingelagert, um im Fall des Falles wieder schnell einsatzbereit zu sein.

Im Zuge der Auflösung gibt es heute, 5. Juli, einen Basar von 11.30 Uhr bis 15 Uhr in der Wollmatinger Straße 58. Es werden unter anderem Kleider und Möbel verschenkt.


Save Me Konstanz

  • Die Gründung: Die lokale Gruppe Save Me Konstanz entstand 2013 und ist seit 2016 ein eingetragener, gemeinnütziger Verein.
  • Das Ziel: Die Aufnahme, Betreuung und Integration von Flüchtlingen soll verbessert werden.
  • Die Angebote: Deutschkurse, Unterstützung bei Ausbildung, Arbeit und Wohnungssuche, Kinder- und Hausaufgabenbetreuung, Freizeitangebote.
  • Kleiderkammer: Seit der Eröffnung erhielten circa 1700 Personen aus mehr als zwölf Ländern etwa 85 000 Kleidungsstücke.