Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Rituale strukturieren unseren Tag und geben uns Halt. Das gilt auch für mich. Nach getaner Arbeit darf bei mir am Abend nämlich eines nicht fehlen: ein Abstecher an den Seerhein. Hier, am Ufer des Flusses, beobachte ich Tiere und Menschen; treffe ich Freunde und Kollegen; kann ich entspannt die Seele baumeln lassen – und bis vor kurzem auch die Füße in der Luft.

Doch damit ist jetzt Schluss.

SÜDKURIER-Volontär Lukas Reinhardt am Seerhein: Dank des hohen Pegels gibt‘s bei sommerlichen Temperaturen hier kalte Füße.
SÜDKURIER-Volontär Lukas Reinhardt am Seerhein: Dank des hohen Pegels gibt‘s bei sommerlichen Temperaturen hier kalte Füße. | Bild: Lukas Ondreka

Ein Anstieg um 1,50 Meter binnen weniger Wochen

Denn Niedrigwasser, wie es den Bodensee und mit ihm den Seerhein seit dem Rekordsommer 2018 im Griff hatte, herrscht hier nicht mehr. Stattdessen kratzt der Pegel vor Konstanz an der Hochwassermeldemarke von 4,80 Meter. Ein Anstieg um 1,50 Meter binnen weniger Wochen.

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Zu schnell für das Gewohnheitstier, wie es der Mensch nun einmal ist. Zu schnell für mich und all jene, die beinahe ein Jahr lang auf der Sandsteinmauer am Seerhein sitzen und dort ihre Füße in der Luft baumeln lassen konnten.

Ein Aufschrei folgte dem anderen, ein Kreischen dem nächsten

Eine Woche ist es her, da hatte der Pegel nach einem verregneten Wochenende gerade die 4,50-Meter-Marke überschritten; da ereilte jedem, der sich an das Ufer setzte und seine Füße in der Luft baumeln lassen wollte, die nasskalte Überraschung: Ein Aufschrei folgte dem anderen, ein Kreischen dem nächsten. Fast alle hatten sie den Wasserstand unterschätzt – und nun nasse Schuhe.

Doch zum Glück ist der Mensch trotz aller Gewohnheiten auch lernfähig. Und so galt es aus der Not eine Tugend zu machen: Nämlich einfach Mal die Schuhe ausziehen und bei sommerlichen Temperaturen eine Abkühlung im Beinahe-Hochwasser suchen. Auch daran kann man sich schnell gewöhnen.