Kommentar Beim Umgang mit tiergerechter Haltung müssen neue Standards her

Was wiegt schwerer: Das Wohl von Mensch und Tier auf eine Ebene zu heben oder Eigentums- und Persönlichkeitsrechte der Halter zu beachten? Unsere Gesellschaft wandelt sich und damit muss ein neuer Konsens geschaffen werden, kommentiert Claudia Wagner.

Da prallen Welten aufeinander: Ein Mastkaninchen, das im Kochtopf landet, so haben es Generationen von Tierzüchtern gesehen und so will es die Tradition. Tierretter, die bei Nacht und Nebel vor Käfigen stehen und gequälte Tiere befreien. Die Wohl von Mensch und Tier gleichwertig nebeneinander stellen und für ihre Ziele auch mal das Gesetz übertreten. Wie geht die Gesellschaft damit um? Die Justiz tut sich mit der Beurteilung relativ leicht, solange es nicht um hohe „Sachwerte“ geht, ist sie geneigt, die Verfahren gegen beide Seiten wegen Nichtigkeit einzustellen.

Schwerer tut sich die Moral. Ist ein privater Tierhalter, der einer anderen Generation angehört und gebrechlich ist, ebenso hart zu beurteilen wie ein Massentierhaltungsbetrieb, der mit Quälerei sein Geschäft macht? Ja, sagt der Tierschützer, denn es geht um das Tierwohl. Das Gerechtigkeitsempfinden neigt dazu, das Handeln einer alten Frau milde zu bewerten. Rechtfertigt der Tierschutz, Tierhalter öffentlich im Internet an den Pranger zu stellen, auch, wenn sie nicht beabsichtigten, ihrem Tier Leid zuzufügen? Tatsache ist, dass sich Einstellungen wandeln.

Der Verbraucher ist in der Pflicht

Es besteht kein Konsens mehr darüber, welches Maß an Leiden das Leben eines Tieres beinhalten darf. Man ist sich – im Sinne von Tierrechtlern und Veganern – überhaupt nicht mehr einig, ob es in Ordnung ist, den Tod eines Tieres für den eigenen Genuss in Kauf zu nehmen. Solange dies so ist, also der Konsens fehlt, wird sich die Gesellschaft schwer tun, zu urteilen, ob man Tiere stehlen darf, um sie zu retten und alte Leute moralisch verurteilen werden sollen, weil sie einen Hasen vernachlässigten.

Genau deshalb ist es an der Zeit, einen größeren Konsens anzustreben. Es gibt Beispiele zeitgemäßer Nutztierhaltung und jedem Verbraucher müsste bewusst sein, dass es aus ernährungswissenschaftlicher Perspektive unnötig ist, Fleisch auf dem Speisezettel zu haben. Es wird nötig sein, sich auf neue Standards zu einigen. Antriebskraft hierfür können nur die Verbraucher selbst sein.

claudia.wagner@suedkurier.de

Ihre Meinung ist uns wichtig
Die leckersten Gins vom Bodensee und Schwarzwald
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Kreis Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren