Marcus Mattick sitzt am frühen Morgen des Fasnachtsdienstags im Zug, er kommt von der Nachtschicht nach Hause. Da klingelt sein Telefon. Am anderen Ende der Leitung ist seine Lebensgefährtin Azra Alic.

Sie sagt nur: „Bei uns brennt’s.“

Als Mattick wenig später daheim ankommt, gibt es sein Zuhause nicht mehr. Das gesamte Hab und Gut der jungen Familie ist vom Brand zerstört. Die erste Unterstützung von Freunden und auch Fremden ist groß, doch nun suchen die beiden und ihr dreijähriger Sohn dringend eine neue Bleibe. Noch wissen sie nicht, wie es weitergehen soll.

Der dreijährige Sohn weckt die Mutter, als es brennt

Rückblick: Die Nacht nach Rosenmontag ist eine besonders närrische in der Niederburg. „Der Lärm war kaum auszuhalten“, sagt Marcus Mattick, deshalb sind auch die Rollläden vor den Fenstern der 85-Quadratmeter-Wohnung in der Rheingasse ganz unten.

Gegen 6 Uhr wird Azra Alic von ihrem kleinen Sohn geweckt. „Mama, es stinkt nach Rauch“, sagt der Dreijährige.

Seine Mutter denkt zuerst, dass der Geruch aus dem Kamin kommt, doch als sie zur Balkontür schaut, sieht sie, dass die Jalousien sich unter der Hitze biegen. Sie zieht die Rollos hoch, und die Flammen schlagen ihr entgegen.

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Da das Handy in den engen Altstadtgassen kein Netz findet und das Festnetztelefon nicht geht, weil alle Sicherungen durchgebrannt sind, nimmt die Mutter ihr Kind, rennt auf die Straße und alarmiert von dort Feuerwehr und Nachbarn.

Im ersten Stock des Einfamilienhauses wohnte die junge Familie zur Miete. Auf diesem Balkon brach der Brand am Fasnachtsdienstag aus.
Im ersten Stock des Einfamilienhauses wohnte die junge Familie zur Miete. Auf diesem Balkon brach der Brand am Fasnachtsdienstag aus. | Bild: Feiertag, Ingo

Schnell kommen erste Passanten und helfen. Alic hat Tränen in den Augen, wenn sie davon erzählt.

„Ich möchte besonders unseren Nachbarn aus der Rheingasse 19 danken. Sie haben uns in ihre Wohnung genommen, aufgewärmt und Decken gegeben. Der Kleine hatte ja nur seinen Schlafanzug und Windeln an.“
Azra Alic

Unzählige Menschen melden sich in den nächsten Tagen bei der 34-Jährigen und ihrem zwei Jahre älteren Lebensgefährten. Freunde, Arbeitskollegen, Wildfremde. „Wir konnten uns nicht mal bei allen melden. Manche kenne ich gar nicht, und vor lauter Schock konnte ich nicht jedem danke sagen“, sagt Alic. Die drei wohnen seitdem in einem Hotel, das die Stadt für sie gebucht hat.

Von ihrer Wohnungseinrichtung ist nichts mehr übrig. Spielsachen, Kuscheltiere, Fernseher – alles weg.

„Verbrannt ist eigentlich nur die Couch, aber der Rest ist geschmolzen. Die Hitze war so groß“, sagt Mattick, der lediglich einige Unterlagen und wichtige Dokumente gerettet hat. "Bei Waschmaschine und Trockner weiß ich nicht, ob man die überhaupt noch benutzen kann“, sagt er. Mit in ihre Notunterkunft nehmen sie Kleiderspenden und Spielzeug, das sie geschenkt bekommen.

Noch darf die Familie im Hotel bleiben

Die Tage im Hotel sind jedoch endlich. Noch eine Woche dürfen die drei bleiben.

„Aktuell suchen wir dringend eine neue Wohnung, das liegt uns am meisten am Herzen. Gerade in Konstanz ist der Wohnungsmarkt ja kritisch.“
Marcus Mattick

Schon über eine Ferienwohnung für den Übergang würden sie sich freuen, ergänzt Azra Alic – vor allem wegen des kleinen Sohnes. „Er hat zwar glücklicherweise seinen Alltag im Kindergarten, muss aber auch wieder mal zur Ruhe kommen. Das geht im Hotel nur schwer“, sagt die 34-Jährige. In die alte Wohnung, die drei Tage vor ihrem Geburtstag ausbrannte, will sie nicht mehr ziehen. Zu groß ist der Schock.

Da sie die Hausratversicherung im Zuge eines Versicherungswechsels gekündigt haben, steht die Familie nun mit leeren Händen da.

„Darüber ärgere ich mich besonders. Jahrelang ist nichts und man denkt, man braucht sie nicht – und dann so was“, sagt Mattick. Deshalb seien sie, die selbst oft spenden, nun auf die Hilfe anderer angewiesen. „Das ist mir unangenehm. Man schämt sich. Der finanzielle Schaden ist aber sehr hoch, wir hatten uns das alles über die Jahre aufgebaut“, fährt er fort.

Doch obwohl er alles verloren hat, denkt der Familienvater weiter positiv.

„Das Wichtigste ist, dass alle gesund sind. Und wir haben Arbeit. Es gibt andere, denen geht’s wesentlich schlechter.“
Markus Mattick

Im Moment brauchen die drei jeden Cent dringend, doch eine Investition muss sein: Eine Hausratversicherung wird wieder abgeschlossen, sobald die Familie wieder über einen Hausrat verfügt.

So etwas wie in der Nacht auf Fasnachtsdienstag soll nie wieder passieren.

Wer Marcus Mattick, Azra Alic und ihrem Sohn helfen möchte, kann sich an die SÜDKURIER-Lokalredaktion wenden. Es gibt ein Spendenkonto. Wir stellen den Kontakt her: ingo.feiertag@suedkurier.de